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Mehrwertsteuer: Was ist das?

Es gibt in Deutschland zwei Mehrwertsteuersätze: sieben und 19 Prozent. Und ganz viel Verwirrung. Wir bringen Licht ins Dunkel.

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Mehrwertsteuer: Was ist das?

Ob Rechnung oder Quittung: Wenn Sie in Deutschland eine Ware oder Dienstleistung kaufen, zahlen Sie in der Regel immer auch Umsatzsteuer. Doch unter diesem steuerrechtlich korrekten Namen ist die Steuer den meisten Deutschen gar nicht bekannt, denn sie wird umgangssprachlich viel häufiger Mehrwertsteuer genannt.

Die Mehrwertsteuer, kurz MwSt, ist eine Gemeinschaftsteuer. Das bedeutet, dass die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer Bund, Ländern und Gemeinden gemeinschaftlich zustehen. Bereits 1973 gab der Bundesfinanzhof, Deutschlands höchstes Gericht für Steuern, zu: Die Mehrwertsteuer habe keinen tieferen Sinn, als dem Staat Geld zu bringen. Und das tut sie. Der Staat hat 2018 mit der Mehrwertsteuer immerhin 175 Milliarden Euro eingenommen.

Was ist die Mehrwertsteuer?

Jeder Unternehmer, der in Deutschland eine Ware oder Dienstleistung anbietet, schlägt auf den Nettopreis die Mehrwertsteuer drauf. Der Endverbraucher zahlt den Bruttopreis inklusive der MwSt. Die Mehrwertsteuer fließt allerdings nicht in die Tasche des Unternehmers. Für ihn ist diese Steuer nur ein durchlaufender Posten, denn er führt sie direkt ans Finanzamt ab.

Deshalb zählt die Mehrwertsteuer auch zu den indirekten Steuern. Der Steuerschuldner – nämlich der Unternehmer – erhebt zwar die Mehrwertsteuer und führt sie an das Finanzamt ab, tatsächlich zahlt sie aber der Endverbraucher. Sprich: Der, der die Steuer schuldet, ist nicht der, der sie zahlt. Deshalb auch die Bezeichnung „indirekte Steuer“.

ÜBRIGENS:

Kauft ein Unternehmer für die Fertigung eines Produktes bei einem anderen Unternehmer Material ein, muss er natürlich auch Umsatzsteuer zahlen. In diesem Fall heißt sie aber Vorsteuer. Was das bedeutet, erklären wir ausführlich in unserem Artikel Was ist der Vorsteuerabzug?

Wie hoch ist der Mehrwertsteuersatz?

Es gibt unterschiedliche Mehrwertsteuersätze. Die Höhe der Mehrwertsteuer hängt letztlich von der Art des Umsatzes ab. Produkte, die Grundbedürfnisse abdecken, werden mit einem ermäßigten Satz von sieben Prozent besteuert. Dazu zählen unter anderem:

  • Nahrungsmittel (mit Ausnahme von Getränken, Alkohol und Luxusgütern wie Hummer oder Kaviar)

  • Verschiedene medizinische Produkte wie Körperersatzstücke

  • Kulturgüter wie Zeitschriften, Bücher oder Theaterkarten

  • Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel

Bei den meisten anderen Produkten und Dienstleistungen wird der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent fällig.

Einige wenige Berufsgruppen wie zum Beispiel Ärzte sind grundsätzlich von der Umsatzsteuerpflicht befreit.

ÜBRIGENS:

Laut einer Veröffentlichung des Bundesfinanzministeriums vom 2. Mai 2019 würde der Staat jedes Jahr 30 Milliarden Euro mehr Steuern einnehmen, wenn es nur den regulären Satz von 19 Prozent gäbe.

Warum ist die Mehrwertsteuer so kompliziert?

Immer wieder gibt es Überlegungen, wie man die Mehrwertsteuer reformieren könnte, damit es weniger kompliziert wird. Eine Möglichkeit wäre, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz einfach abzuschaffen. Das wäre aber für viele Geringverdiener ein heftiger Schlag. Denn rund 75 Prozent der ermäßigten Artikel sind Lebensmittel.

Also bleibt es vorerst kompliziert. Und um ein kleines Beispiel zu geben, wie kompliziert das Thema Mehrwertsteuersatz tatsächlich ist, schauen wir uns doch mal den Mehrwertsteuer-Irrsinn in Sachen Weihnachtsbaum an.


Ganz grundsätzlich fällt für einen echten Weihnachtsbaum der ermäßigte Mehrwertsteuersatz in Höhe von sieben Prozent an.

Ist der Baum künstlich, steht auf dem Kaufbeleg 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Bis hierhin ist es noch einfach, oder? Jetzt wird es spannend. Ist der Baum zufällig im Wald gewachsen und wird von einem pauschalierenden Forstwirt – vergleichbar mit einem Kleinunternehmer – verkauft, beträgt die Mehrwertsteuer sogar nur 5,5 Prozent. Hat der pauschalierende Forstwirt allerdings eigens eine Sonderkultur für Weihnachtsbäume angelegt, erhöht sich der Mehrwertsteuersatz auf 10,7 Prozent.

Es gibt also sage und schreibe vier unterschiedliche Mehrwertsteuersätze beim Kauf eines einfachen Weihnachtsbaums.

ÜBRIGENS:

Ähnlich bizarr ist das Thema Kaffee. Beim Einkauf von Kaffeebohnen, steht auf dem Kassenzettel sieben Prozent Mehrwertsteuer. Auf dem Weg zur Arbeit noch schnell ein Kaffee zum Mitnehmen? Gerne, für 19 Prozent Mehrwertsteuer. Außer es ist ein Latte Macciato mit einem Milchanteil von über 75 Prozent. Dann gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent.

Und auch das Frühstück im Hotel bietet noch viel Diskussionsstoff. Denn die Hotelübernachtung liegt bei sieben Prozent Mehrwertsteuer, während das Frühstück mit 19 Prozent zu Buche schlägt. Der Europäische Gerichtshof urteilte allerdings am 18. Januar 2018, dass es bei einer einheitlichen Leistung keine unterschiedlichen Umsatzsteuersätze geben dürfe. Der Steuersatz richte sich nach dem Hauptbestandteil. Hier ist noch keine finale Lösung gefunden.

Seit wann gibt es die MwSt?

Eingeführt wurde die Mehrwertsteuer, wie wir sie heute in Deutschland kennen, am 1. Januar 1968. Der Mehrwertsteuersatz lag damals bei 10 Prozent, der ermäßigte Steuersatz betrug 5 Prozent.

Wird die Mehrwertsteuer regelmäßig erhöht?

Ja, seit 1968 ist die Mehrwertsteuer mehrfach erhöht worden. Der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent ist allerdings schon seit 1983 unverändert. Die Entwicklung der Mehrwertsteuer im Überblick:

Ab Reguläre MwSt. Ermäßigte MwSt.
01.01.1968 10 Prozent 5 Prozent
01.07.1968 11 Prozent 5,5 Prozent
01.01.1978 12 Prozent 6 Prozent
01.07.1979 13 Prozent 6,5 Prozent
01.07.1983 14 Prozent 7 Prozent
01.01.1993 15 Prozent 7 Prozent
01.04.1998 16 Prozent 7 Prozent
01.01.2007 19 Prozent 7 Prozent

Wo steht Deutschland im europäischen Vergleich?

Jeder EU-Mitgliedsstaat entscheidet selbst, wie hoch die Mehrwertsteuer ausfällt. Mit 19 Prozent regulärem Mehrwertsteuersatz ist Deutschland dabei eher im unteren Drittel angesiedelt. Viele EU-Nachbarn wie Tschechien, Lettland, Belgien und die Niederlande setzen auf 21 Prozent. Spitzenreiter sind unter anderem Dänemark und Kroatien mit 25 Prozent.

Übrigens:

Im englischsprachigen Ausland stolpert man immer mal wieder über den Begriff VAT. VAT steht für value added taxes, also die Mehrwertsteuer.

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Quellen

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