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Was macht das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)?

Das Bundeszentralamt für Steuern ist der Datensammler des Finanzministeriums: Es weiß alles, was man über einen deutschen Steuerzahler wissen muss.

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Was macht das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)?

Früher hieß das BZSt noch "Bundesamt für Finanzen", gegründet im Jahr 1971. 35 Jahre später, also im Jahr 2006, wurde das Bundesamt für Finanzen aufgelöst und in drei Ämter aufgeteilt: das Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik (ZIVIT), das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) und eben das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt).

Der Name hat sich geändert, aber viele Dinge sind gleich geblieben. Zum Beispiel ist das Bundeszentralamt für Steuern nach wie vor direkt dem Bundesministerium für Finanzen (BMF) unterstellt. Das bedeutet, salopp formuliert, dass das Finanzministerium dem BZSt sagt, was wie gemacht werden muss. Das gilt natürlich nur für die Aufgabenbereiche, für die das BZSt auch zuständig ist. Aber zunächst einmal zu den etwas trockenen Fakten:

Wie ist das BZSt aufgebaut?

Das BZSt wird von einem Präsidenten geleitet, dem unter anderem ein Leitungsstab, ein Gleichstellungsbeauftragter und ein behördlicher Datenschutzbeauftragter zur Seite gestellt sind. Außerdem gibt es einen Vizepräsident und sechs Fachabteilungen:

  • Querschnitt: Diese Abteilung kümmert sich zum Beispiel um die Organisation des BZSt, das Personal und den Haushalt.
  • Steuern I: Hier wird die Umsatzsteuer abgewickelt, auch als "Mehrwertsteuer" bekannt.
  • Steuern II: Das offizielle Aufgabengebiet dieser Abteilung lautet "Nationaler Bereich" und meint zum Beispiel die Vergabe der Steuer-ID an jeden Deutschen.
  • Steuern III: "Abzugsteuer" und "Ausland" lauten hier die Aufgaben. Gemeint ist unter anderem die Durchführung von Verständigungsverfahren nach den Doppelbesteuerungsabkommen.
  • Bundesbetriebsprüfung I: Diese Abteilung führt die Betriebsprüfung in den Unternehmen der Produktionsbranchen durch.
  • Bundesbetriebsprüfung II: Hier stehen für die Betriebsprüfer des BZSt Firmen der Dienstleistungsbranche im Fokus.

Hauptsitz des BZSt ist Bonn, weitere Dienstsitze sind Berlin, Saarlouis und Schwedt an der Oder.

Welche Aufgaben hat das BZSt?

Zum Aufgabenspektrum des BZSt gehören zentrale steuerliche Aufgaben mit nationalem und internationalem Bezug, wie etwa die Verwaltung von einem Teil der Bundessteuern. Hierzu zählen die Versicherungssteuer oder der Feuerschutzsteuer. Auch die Durchführung des Steuerabzugsverfahrens ist dem BZSt übertragen.

Darüber hinaus beteiligt sich das BZSt an der steuerlichen Betriebsprüfung von Großunternehmen – das bedeutet, Mitarbeiter des BZSt gehen in Firmen und prüfen die Bilanzen.

Eine weitere Aufgabe des BZSt ist es, die Zusammenarbeit mit Finanzämtern und Zollbehörden zu pflegen. Auch achtet das BZSt darauf, dass die Familienkassen die Vorschriften zum Kindergeld einhalten.

Desweiteren gehören die Zertifizierung von Altersvorsorge- und Basisrentenverträgen sowie die Sammlung, Auswertung und Weitergabe der Daten über Kapitalerträge, für die aufgrund eines Freistellungsauftrags kein Steuerabzug vorgenommen wurde, zu den Aufgaben des BZSt.

Was gehört noch zu den Aufgaben des BZSt?

Eine zentrale Aufgabe des BZSt ist es, persönliche Daten eines jeden Deutschen zu sammeln, zu verwalten und an die entsprechenden Behörden weiterzugeben. Den Löwenanteil an dieser Aufgabe macht die Steuer-Identifikationsnummer aus (kurz: Steuer-ID). Jeder Deutsche erhält seit 2007 eine eigene Steuer-ID. Unter dieser persönlichen Kennzahl sammelt das BZSt über jeden Bürger alle relevanten Steuerdaten. Dazu gehören Name, Geschlecht, Geburtsdatum und -ort, aktuelle oder letzte bekannte Adresse, Arbeitgeber, zuständige Finanzbehörden, Kirchenzugehörigkeit und Übermittlungssperren – also einfach jede Information, die für das zuständige Finanzamt interessant ist.

Übrigens:

Auch vor 2007 hatte jeder Deutsche eine eigene Steuernummer, aber damals wurde das Ganze dezentral von den einzelnen Finanzämtern gesteuert.

Wie lautet meine persönliche Steuer-ID?

Seit 2007 erhält jeder Deutsche seine eigene Steuer-ID, von Geburt an bis zum Tod – und sogar darüber hinaus. Denn erst 20 Jahre nach dem Tod werden die Daten eines Verstorbenen gelöscht. Sie möchten wissen, wie Ihre persönliche Steuer-ID lautet und wo Sie sie herbekommen? Diese und weitere Details zum Thema finden Sie in unserem Artikel Was ist eine Steuer-ID und wo bekomme ich die her?.

Weshalb weiß das BZSt, bei welcher Kirche ich Mitglied bin?

Ja, das BZSt kennt tatsächlich die Kirchenzugehörigkeit der meisten Deutschen. Der Grund dafür ist folgender: Wer ein Sparbuch, Aktien oder andere Kapitalanlagen hat und damit Gewinne erzielt, muss ab einer gewissen Gewinnsumme extra Steuern zahlen – nämlich Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag an den Staat sowie Kirchensteuer an die Kirche. Ausgenommen von der Kirchensteuer sind Mitglieder von Religionsgemeinschaften, die keine Steuern erheben. Hierzu zählen unter anderem die orthodoxen Kirchen und die evangelisch-freikirchlichen Gemeinden. Erhebt eine Religionsgemeinschaft keine Steuern, liegen dem BZSt auch keine Daten über die Zugehörigkeit zu einer solchen vor.

Bislang musste ein Kapitalanleger seine Kapitalerträge und seine Kirchenzugehörigkeit in der Steuererklärung angeben. Aus diesen beiden Infos errechnete das Finanzamt die fällige Kirchensteuer. Ab 2015 übernimmt das die Bank und besorgt sich die Kirchenzugehörigkeit ihrer Kunden über das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Dann zieht das Geldinstitut die Kirchensteuer automatisch von den Kapitalerträgen ab und leitet sie an das zuständige Finanzamt weiter. Wie Sie sich dagegen wehren können, dass Ihre Bank sich mit dem BZSt über Ihre Kirchenzugehörigkeit austauscht sowie weitere Details zum Thema erfahren Sie hier: Wie funktioniert die Abgeltungssteuer?

Was hat das BZSt mit meinem Austritt aus der Kirche zu tun?

Klingt merkwürdig, passt aber zu der Tatsache, dass das BZSt die zentrale Datenverwaltungsstelle Deutschlands ist: Sie selbst müssen nur zu Ihrem Standesamt oder Amtsgericht gehen und aus der Kirche austreten – den Rest übernimmt das BZSt für Sie. Für Mitglieder von Religionsgemeinschaften, die keine Kirchensteuern einfordern, gilt dieses Vorgehen allerdings nicht.

Und was hat das BZSt mit deutschen Rentnern zu tun, die im Ausland leben?

Seit das Alterseinkünftegesetz im Jahr 2005 in Kraft getreten ist, müssen Rentner Steuern auf ihre Rente zahlen. Und zwar mit jedem Jahr ein bisschen mehr: Wer 2005 und früher in Rente gegangen ist, muss die Hälfte seiner Rente versteuern, ab 2040 dann die komplette Rente. Details darüber, wie die Rentenbesteuerung steigt, lesen Sie in unserem Artikel Wann muss ich als Rentner Steuern zahlen? Und wie viel?.

Und was hat das jetzt mit Auslandsrentnern zu tun? Eine ganze Menge, denn durch die Steuerpflicht für Rentner braucht natürlich auch jeder Rentner eine eigene Steuer-ID. Auch diejenigen, die im Ausland leben. Die Auslandsrentner aufzuspüren, dabei half das BZSt ordentlich mit. Weitere Infos dazu gibt unser Artikel Diese Steuerregeln gelten auch für Rentner im Ausland.

Wieso warnt das BZSt immer mal wieder vor Pishing?

Regelmäßig verschicken Betrüger E-Mails an unzählige Verbraucher in Deutschland. In diesen E-Mails tun die Betrüger so, als käme die E-Mail vom BZSt und als würde dem Empfänger eine Steuerrückerstattung winken. Man müsse nur den in der E-Mail angegebenen Link anklicken und seine Kontoverbindung samt Passwort angeben – schon käme die Steuerrückerstattung aufs Konto.

Sobald das BZSt davon Wind bekommt, schickt es Warnungen raus, auf diese Mails keinesfalls zu reagieren oder gar dem angegebenen Link zu folgen. Denn Benachrichtigungen über Steuererstattungen werden grundsätzlich nicht per E-Mail verschickt und Kontenverbindungen nie in dieser Form abgefragt. Außerdem ist für die Steuerrückerstattung immer noch das örtliche Finanzamt zuständig, und nicht das BZSt.

Gibt es auch einen verbraucherorientierten Service des BZSt?

Ja, den Auskunftsservice GEMFA. Er hilft jedem Steuerzahler dabei, das für ihn zuständige Finanzamt zu finden. Grundlage von GEMFA bilden die Daten der Finanzverwaltung, der Deutschen Post AG und des Statistischen Bundesamtes. Das BZSt pflegt die Daten und stellt sie für Recherchen und zum Herunterladen bereit. Auch das Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik (ZIVIT) hilft, nämlich als IT-Dienstleister. Und wichtig für jeden Steuerzahler: Fragen zur persönlichen Steuer-ID beantwortet das Steuerliche Informationscenter (SIC).

Sie wollen GEMFA nutzen und das für Sie zuständige Finanzamt finden? Hier geht’s zum Auskunftsservice des BZSt: Suche nach zuständigem Finanzamt.

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