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Nettolohnvereinbarung und die Steuerlast

Wir wissen es alle: Der Nettolohn ist weit entfernt vom Bruttolohn. Hilft da vielleicht eine Nettolohnvereinbarung? Dieser Artikel gibt Antworten.

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Nettolohnvereinbarung und die Steuerlast

Der monatliche Blick auf den Gehaltszettel kann ziemlich ernüchternd sein: Wegen der vielen Abzüge bleibt vom Bruttolohn weit weniger übrig, als man sich wünschen würde. Und falls Sie beispielweise wegen einer Scheidung aus Steuerklasse 3 in Steuerklasse 1 rutschen, wird Ihnen noch mehr Geld abgezogen. Hätten Sie mit Ihrem Chef eine Nettolohnvereinbarung getroffen, würde sich die Änderung der Steuerklasse nicht auf die Höhe Ihres Nettogehalts auswirken. Die höheren Abzüge müsste dann nämlich der Arbeitgeber tragen.

Aber warum sollte sich ein Arbeitgeber denn überhaupt auf eine Nettolohnvereinbarung einlassen? Nun, er könnte diese zum Beispiel als Lockmittel nutzen, weil er Sie unbedingt im Team haben will. Dann kann er Ihnen zusichern, dass Sie stets den exakt gleichen Betrag ausbezahlt bekommen. Und zwar unabhängig davon, ob sich Ihre private beziehungsweise familiäre Situation ändert. Und das Ganze könnte bei Veränderungen Ihrer persönlichen Verhältnisse auch zu seinen Gunsten ausfallen: Wechseln Sie zum Beispiel wegen einer Heirat von Steuerklasse 1 in Steuerklasse 3 oder bekommen Nachwuchs, profitiert Ihre Firma von niedrigeren Steuern, Sie hingegen nicht.

Nettolohn oder Bruttolohn – das ist hier die Frage

Der klassische Fall für die Regelung des Arbeitsentgelts ist die Bruttolohnvereinbarung. Dabei wird ein fester Bruttolohn für einen bestimmten Zeitraum vereinbart, meistens für einen Monat. Davon werden dann die Lohnsteuer, eventuell die Kirchensteuer und der Solidaritätszuschlag sowie die Arbeitnehmerbeiträge zur Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abgezogen. Was dann am Ende herauskommt, ist der Nettolohn oder das Nettogehalt. Ausrechnen lassen können Sie sich das mit unserem Brutto-Netto-Rechner.

Es kann also sein, dass Sie und Ihr direkter Kollege jeweils 3.500 Euro brutto verdienen, sein Nettogehalt aber höher ist als Ihres. Zum Beispiel wenn Sie Single sind und keine Kinder haben, er aber verheiratet ist und zwei Kinder hat. Seine Abzüge vom Bruttolohn sind dann deutlich niedriger als Ihre. Hätte Ihr Chef mit Ihnen beiden eine Nettolohnvereinbarung getroffen, zum Beispiel über 2.500 Euro, würden Sie beide stets genau den gleichen Betrag ausbezahlt bekommen.

Übrigens

Eine Nettolohnvereinbarung muss ausdrücklich und unmissverständlich vereinbart werden. Darin muss festgelegt sein, dass der Arbeitgeber sämtliche Beiträge zur Sozialversicherung trägt und die anfallenden Steuern übernimmt. Für den Arbeitgeber bedeutet das: Er muss den vereinbarten Nettolohn auf einen fiktiven Bruttolohn hochrechnen und die entsprechenden Beträge abführen. Das nennt sich Abtastverfahren.

Arbeitgeber muss Bruttogehalt hochrechnen

Am folgenden Beispiel lässt sich ablesen, wie sich eine Änderung der persönlichen Verhältnisse bei einer Nettolohnvereinbarung finanziell für den Arbeitgeber auswirkt – während der Arbeitnehmer weiterhin sein gewohntes Nettogehalt überwiesen bekommt.

Sabrina ist 35 Jahre alt, verheiratet, in Steuerklasse 3 und hat ein Kind. Sie lebt in Niedersachsen, zahlt den normalen Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung von 14,6 Prozent und ist Kirchenmitglied.

Sie hat mit ihrem Chef eine Nettolohnvereinbarung getroffen mit einem garantierten Nettogehalt von 2.500 Euro.

Dann sieht die Rechnung so aus:

Beispielrechnung                                                      Euro
  
Nettolohn                                     2.500
Lohnsteuer                                + 251,83
Solidaritätszuschlag                                    + 0,00
Kirchensteuer                                    + 8,89
Rentenversicherung                                + 318,25
Arbeitslosenversicherung                                  + 41,06
Krankenversicherung                                + 249,81
Pflegeversicherung                                  + 52,19
Bruttolohn                             = 3.422,03

Der Bruttolohn beträgt in dem Fall 3.422,03 Euro.

Natürlich muss der Arbeitgeber auch noch seinen Anteil zur Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung leisten:

3.422,03 Euro + 318,25 Euro + 41,06 Euro + 249,81 Euro + 52,19 Euro = 4.083,32 Euro

Die Gesamtbelastung für den Arbeitgeber beläuft sich also auf 4.083,32 Euro.

Nettolohnvereinbarung kann für Arbeitgeber teuer werden

Nehmen wir mal an, Sabrina und ihr Mann trennen sich, sie wechselt in Steuerklasse 1 und teilt sich den Kinderfreibetrag mit ihrem Mann.

Dann sieht die Rechnung so aus:

Beispielrechnung                                                       Euro
  
Nettolohn                                     2.500
Lohnsteuer                                + 709,00
Solidaritätszuschlag                                  + 32,90
Kirchensteuer                                  + 53,84
Rentenversicherung                                + 379,92
Arbeitslosenversicherung                                  + 49,02
Krankenversicherung                                + 298,22
Pflegeversicherung                                  + 62,30
Bruttolohn                             = 4.085,20

Der Bruttolohn beträgt in dem Fall 4.085,20 Euro.

Natürlich muss der Arbeitgeber auch hier noch seinen Anteil zur Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung leisten:

4.085,20 Euro + 379,92 Euro + 49,02 Euro + 298,22 Euro + 62,30 Euro = 4.874,66 Euro

Die Gesamtbelastung für den Arbeitgeber beläuft sich also auf 4.874,66 Euro.

Das heißt: Weil sich Sabrinas persönliche Verhältnisse verändert haben, sie aber dank der Nettolohnvereinbarung ein garantiertes Nettogehalt von 2.500 Euro erhält, wird das Ganze für ihren Arbeitgeber plötzlich um 791,34 Euro teurer. Im umgekehrten Fall hingegen würde er Geld sparen.

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