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So können Sie Bewirtungskosten von der Steuer absetzen

Nicht nur Unternehmer können Geschäftsessen von der Steuer absetzen. Auch Arbeitnehmer können Ausgaben für geselliges Beisammensein unter Umständen bei der Steuer geltend machen.

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So können Sie Bewirtungskosten von der Steuer absetzen

Ein Unternehmer, der Geschäftspartner oder Mitarbeiter zu Essen und Getränken einlädt, kann diese Ausgaben in der Steuererklärung angeben. Für Selbstständige zählen Bewirtungskosten zu den Betriebsausgaben  – also Ausgaben, die für den Betrieb nötig sind. Betriebsausgaben vermindern die Steuer, die der Unternehmer zahlen muss.

Angestellte haben zwar keine Geschäftspartner, die sie einladen können. Dennoch dürfen sie unter bestimmten Umständen auch Ausgaben für Speis und Trank von der Einkommensteuer absetzen. In diesem Fall heißen sie nicht Betriebsausgaben, sondern Werbungskosten – was im Prinzip dasselbe ist. Es geht um Kosten rund um den Beruf.

Auch Angestellte können Bewirtungskosten haben

Der Reihe nach: Bis vor einigen Jahren konnten Arbeitnehmer keine Bewirtungskosten in der Steuererklärung geltend machen. Doch die Gerichte haben in letzter Zeit mehrfach zu Gunsten von Arbeitnehmern entschieden, die ihre Bewirtungsbelege mit der Steuererklärung eingereicht haben. Voraussetzung ist, dass die Kosten in engem Zusammenhang mit der Arbeit stehen müssen.

Einfach nur ein geselliges Beisammensein unter Kollegen zählt leider nicht dazu. Aber eine Einladung anlässlich eines Geschäftsabschlusses, einer Beförderung und anderer besonderer Gelegenheiten schon.

Wenn Sie beispielsweise eine Versetzung oder ein Dienstjubiläum haben und das in der Teeküche am Arbeitsplatz mit den Kollegen feiern, dann können Sie die Bewirtungskosten von der Steuer absetzen. Nicht gültig ist, wenn Sie mit Kollegen ausgehen, um Ihren Geburtstag oder Ihre Hochzeit nachzufeiern – das ist Ihr Privatvergnügen und das müssen Sie selbst bezahlen. Ebenso eine Feier bei Ihnen zuhause. 

Das zählt alles zu den Werbungskosten

Es gibt viele Ausgaben rund um Ihren Job, wofür Sie am Ende des Jahres Steuern zurückbekommen können. Dazu gehören beispielsweise:

Der Knackpunkt: Den beruflichen Anlass nachweisen

Damit es glaubhaft ist, dass es sich um einen beruflichen Anlass handelt, ist wichtig, dass Sie nicht nur ausgewählte Personen einladen. Also zum Beispiel nicht nur einzelne Freunde unter den Kollegen, sondern die ganze Abteilung. Das geschieht am besten per E-Mail an alle. Der Zeitpunkt der Bewirtung liegt idealerweise am Rande der Arbeitszeit oder in der Mittagspause – und nicht etwa am Wochenende.

Wenn Sie kein festes Gehalt bekommen, sondern ein provisionsabhängiges Einkommen haben, wird es noch ein bisschen leichter, Geschäftsessen von der Steuer abzusetzen. Eine berufliche Veranlassung glaubt Ihnen das Finanzamt in diesem Fall noch eher. Die Bewirtungskosten dienen oft dem Zweck, Ihre erfolgsabhängigen Bezüge zu steigern oder stabil zu halten, indem Sie die guten Beziehungen zu Kunden, Ihren unterstellten Mitarbeitern oder Ihren Geschäftspartnern pflegen. Allerdings müssen Sie auch in diesem Fall den beruflichen Anlass fürs Finanzamt genau nachweisen.

Unser Tipp: Sammeln Sie Quittungen bei hohen Ausgaben

Das Sammeln von Belegen für Essen, Getränke oder Catering lohnt sich nur, wenn Sie übers Jahr betrachtet hohe Werbungskosten haben.

Das Finanzamt erkennt für jeden Arbeitnehmer sowieso 1.000 Euro pro Jahr als Werbungskostenpauschale LINK an. Das bedeutet, wenn Ihre Ausgaben rund um den Job unter 1.000 Euro liegen, brauchen Sie keine Quittungen aufbewahren und nichts weiter nachweisen. Von Ihrem Gehalt oder Lohn wird für die Steuererklärung pauschal eine Summe von 1.000 Euro abgezogen – auch dann, wenn Sie gar nicht so hohe Ausgaben hatten. Das senkt Ihre zu zahlende Lohnsteuer.

Nur wenn Sie mit ihren Ausgaben rund um die Arbeit über eine Summe von 1.000 Euro im Jahr kommen, sollten Sie alles genau auflisten. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie durch Ihre Pendelstrecke hohe Fahrtkosten haben.

Das bedeutet aber auch: Wenn Sie nur die Ausgaben für Bewirtung hatten, ansonsten aber keine nennenswerten Werbungskosten nachweisen können, dann können Sie sich die Mühe sparen, den Beleg beim Finanzamt einzureichen.

So muss ein Bewirtungsbeleg aussehen

Für die Belege, die Unternehmer beim Finanzamt einreichen, gelten ziemlich strenge Regeln. Sie müssen folgende Punkte enthalten, damit sie anerkannt werden:

  • Anlass der Bewirtung, und zwar so genau wie möglich – „Geschäftsessen“ genügt nicht
  • Die Namen der bewirteten Personen, evtl. ihre berufliche Funktion
  • Datum und Unterschrift des Gastgebers
  • Die korrekte Rechnung des Restaurants, der Catering-Firma und so weiter: Die Rechnung muss maschinell erstellt sein und eine Registriernummer enthalten. Außerdem müssen die verzehrten Speisen und Getränke genau aufgelistet sein, und der Rechnungsbetrag muss den Mehrwertsteuersatz und eine Gesamtsumme enthalten. Das Datum und die Adresse des Restaurants müssen ebenfalls auf der Rechnung stehen.

Bei den Werbungskosten für Arbeitnehmer gelten meist nicht ganz so strenge Regeln. Da in dem Fall die Bewirtung in der Regel nicht in einem Restaurant stattgefunden hat, gibt es möglicherweise nur Einkaufsbelege oder die Rechnung eines Catering-Service. Diese genügen als Nachweis.

Das gilt für Trinkgelder oder Garderobenkosten

Trinkgelder im üblichen Umfang dürfen Sie ebenfalls zu Ihren Kosten hinzuzählen. Am besten quittieren die Servicekräfte den erhaltenen Betrag. Aber auch ohne eine solche Quittung können Sie das Trinkgeld notieren und mit Ihren Belegen einreichen.

Haben Sie als Selbstständiger Ihre Geschäftskollegen in ein Restaurant oder ähnliches eingeladen, dann zählen auch die Gebühren für die Garderobe zu den Bewirtungskosten.

In diesen Fällen sind nur 70 Prozent der Bewirtungskosten absetzbar

Für die betrieblichen Bewirtungskosten bei Selbständigen gilt: 30 Prozent der Ausgaben sind nicht von der Steuer absetzbar. Sie essen schließlich selbst mit und sparen dadurch Geld für den Haushalt. Daher erkennt das Finanzamt nur 70 Prozent der Kosten an. Das gilt allerdings lediglich für die Bewirtung von Geschäftspartnern.

Bei der Verköstigung von Kollegen und Mitarbeitern ist das anders. Hier handelt es sich um eine Bewirtung aus „beruflichem“ Anlass. Daher können Sie die Kosten in der tatsächlich entstandenen Höhe bei der Steuererklärung angeben.

Unser Tipp

Wenn das Finanzamt ihre Bewirtungskosten als Arbeitnehmer nicht anerkennt, sollten Sie binnen eines Monats Einspruch einlegen und auf die neueren Urteile des Bundesfinanzhofs hinweisen.

Die Entscheidung, was Sie als Ihre Werbungskosten angeben wollen ist Ihnen zu kompliziert? Sie wollen sich nicht mit einem Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid abmühen? Unsere Beraterinnen und Berater helfen Ihnen gerne und übernehmen auch die Kommunikation mit dem Finanzamt. Finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe.

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Quellen

  • BFH-Urteil vom 11.01.2007: Anerkennung der Kosten der Abschiedsfeier eines pensionierten Berufssoldaten als Werbungskosten: VI R 52/03. Datum 09.09.2019.
  • BFH-Urteil vom 01.02.2007: Anerkennung der Kosten für ein Gartenfest eines angestellten Geschäftsführers als Werbungskosten: VI R 25/03. Datum 09.09.2019.
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