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Die Pendlerpauschale für Einsteiger

Für Pendler gibt es Geld vom Staat zurück. Oder wie war das? In jedem Fall lohnt sich die Pendlerpauschale für alle, die berufstätig sind.

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Ein Pendler ist steuerrechtlich gesehen ein Arbeitnehmer, der von seiner Wohnung zu seinem Arbeitsplatz geht oder fährt. Egal wie weit die Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsplatz ist oder ob er die Strecke zu Fuß, mit dem Fahrrad oder E-Bike, dem Mofa oder Motorrad, mit Bus oder Bahn, dem eigenen Auto oder einem anderen Verkehrsmittel zurücklegt.

Pendler sind also Berufstätige, die nicht von zu Hause arbeiten. Die Fahrtkosten, die jedem Pendler für seinen Weg zur Arbeit entstehen, kann er steuerlich geltend machen. Ob der Arbeitnehmer dabei in Vollzeit oder Teilzeit arbeitet, spielt keine Rolle.

Auch längere, aber verkehrsgünstigere Wege sind absetzbar

Autobahn, Landstraße oder Stadtverkehr: Meistens führen mehrere Wege zur Arbeit. Die gute Nachricht: Berufstätige bekommen das Kilometergeld auch für einen Umweg, wenn dieser verkehrsgünstiger ist. Ob Sie dabei 20 Minuten Zeit sparen oder nur 10 Minuten, ist unerheblich.

So wird die Pendlerpauschale berechnet

Die meisten Berufstätigen müssen jeden Tag mehrere Kilometer zur Arbeit fahren. Zum Beispiel Fabian, der frischgebackene Mediendesigner: Er pendelt täglich mit seinem Auto 25 Kilometer zur Arbeit hin und 25 Kilometer wieder nach Hause zurück.

Für jeden Kilometer der einfachen Fahrtstrecke, also entweder der Hinfahrt oder der Rückfahrt, bekommt Fabian aktuell 30 Cent Steuervergünstigung vom Staat. Bei 220 Arbeitstagen im Jahr sieht Fabians Berechnung der Pendlerpauschale so aus:

220 Arbeitstage x 25 Kilometer einfache Fahrt x 0,30 Euro Pendlerpauschale = 1.650 Euro

Wer sich nicht sicher ist, wie oft er in einem Jahr, abzüglich Urlaub, Krankheit, Dienstreise, Fortbildung oder Homeoffice, zur Arbeit gefahren ist, kann das mit unserem Arbeitstage-Rechner mit wenigen Klicks herausfinden.
 

Übrigens

Ab 2021 sollen Berufspendler ab dem 21. Kilometer 35 Cent bekommen und ab 2024 dann 38 Cent. Bis einschließlich 20 Kilometer soll es – wie bisher – bei 30 Cent bleiben. Zudem gibt es ab 2021 eine Mobilitätsprämie für Geringverdiener, mehr dazu erfahren Sie hier: Mobilitätsprämie – was ist das?

Wie das mit der Pendlerpauschale funktioniert, zeigt Ihnen auch unser kurzes Video sehr anschaulich:

Mit dem Auto und der Bahn zur Arbeit

Nicht jeder Arbeitnehmer fährt von zu Hause direkt zur Arbeit. Viele Pendler müssen erst mit dem Auto oder Fahrrad zum Bahnhof und fahren von dort aus mit dem Zug weiter. Andere wechseln ihr Fahrzeug je nach Saison: Sie sind beispielsweise im Sommer mit dem Motorrad und im Winter mit dem Zug unterwegs.

Wer unterschiedliche Verkehrsmittel für eine Wegstrecke benutzt, sollte bei der Berechnung der Pendlerpauschale Folgendes beachten: Für jede Teilstrecke wird die Entfernungspauschale einzeln ermittelt. Die Kosten für die Teilstrecke, die Sie mit dem eigenen Fahrzeug zurücklegen, zum Beispiel die Fahrt mit dem Auto zum Bahnhof, können Sie in unbegrenzter Höhe von der Steuer absetzen. Die Fahrtkosten, die Sie für die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zum Beispiel mit dem Zug, geltend machen können, sind dagegen auf 4.500 Euro im Jahr begrenzt

Ein Rechenbeispiel dazu:

Kristina arbeitet in Vollzeit an 220 Tagen im Jahr. Mit Ihrem Pkw fährt sie 10 Kilometer zum Hauptbahnhof Stuttgart und von dort 90 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz nach Mannheim. Ihre Bahncard 100 für die 2. Klasse kostet 3.952 Euro im Jahr. Kristina berechnet erst sämtliche Fahrten mit der Entfernungspauschale:

Pkw (nicht begrenzt auf 4.500 Euro):

220 Arbeitstage x 10 Kilometer einfache Fahrt x 0,30 Euro Entfernungspauschale = 660 Euro

Bahn (begrenzt auf 4.500 Euro):

220 Arbeitstage x 90 Kilometer einfache Fahrt x 0,30 Euro = 5.940 Euro

Jetzt vergleicht sie das Ergebnis von 5.160 Euro (4.500 Euro + 660 Euro) mit den tatsächlichen Kosten für ihre Fahrten mit dem Zug, die bei 3.952 Euro im Jahr liegen. Den höheren der beiden Beträge kann Sie dann beim Finanzamt angeben. Im Fall von Kristina sind das 5.160 Euro, die als Werbungskosten abgezogen werden.

Übrigens

Die Kosten für eine Bahncard können in bestimmten Fällen auch bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel Die Bahncard steuerlich absetzen.

So wird die Pendlerpauschale erstattet

Zurück zu Fabian: Er weiß jetzt, wie viel ihm das Finanzamt für seinen Weg zur Arbeit erstattet – aber wie kommt das Geld auf sein Konto? Überhaupt nicht, Fabian bekommt seine 1.650 Euro Pendlerpauschale nicht überwiesen oder ausgezahlt. Stattdessen verringert sich dadurch sein Einkommen und somit seine Steuerlast.

Das klingt vielleicht nicht ganz so schön wie eine Überweisung, hilft Fabian aber beim Steuern sparen. Einzige Bedingung: Fabian muss seine Steuererklärung abgeben. Nur so weiß das Finanzamt genau, wie hoch seine Kosten sind, und kann ihm die Pendlerpauschale anrechnen.

Übrigens

Wer jedes Jahr viel pendelt und das auch die nächsten Jahre tun wird, kann sich die Fahrten zur Arbeit als Lohnsteuerfreibetrag beim Finanzamt eintragen lassen. Dann erhält man ein höheres Nettogehalt.

Wann lohnt sich die Pendlerpauschale?

Für alle, die einen langen Weg zur Arbeit haben, lohnt sich die Pendlerpauschale. Doch ab welcher Kilometerzahl profitiert der Berufstätige tatsächlich? Eine einfache Rechnung zeigt: Schon wer 220 Tage im Jahr arbeitet und 16 Kilometer von seinem Arbeitsort entfernt wohnt, kann am Jahresende allein für die Fahrtkosten zur Arbeit über 1.000 Euro in seiner Einkommensteuererklärung eintragen:

220 Arbeitstage x 16 Kilometer einfache Fahrt x 0,30 Euro Pendlerpauschale = 1.056 Euro

Damit liegt der Berufstätige über der Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro, die jedem Arbeitnehmer automatisch zusteht. Wenn der Arbeitnehmer jetzt noch weitere berufliche Ausgaben wie für Fortbildungen oder Fachbücher hat, kann er diese zusätzlich geltend machen. Die Pendlerpauschale ist nämlich nicht die einzige Steuererleichterung, die einem Berufstätigen zusteht. Fabian kann, wie alle anderen Arbeitnehmer in Deutschland auch, seine übrigen Werbungskosten in seine Steuererklärung eintragen. Benzinkosten kann er aber nicht noch zusätzlich absetzen.

Wichtiger Hinweis: Für alle Arbeitnehmer, die nur 15 Kilometer oder weniger zur Arbeit fahren, heißt das umgekehrt aber nicht, dass sich die Pendlerpauschale für sie prinzipiell nicht lohnt. Wichtig ist die Höhe der beruflichen Ausgaben insgesamt. Wer also zum Beispiel eine 14 Kilometer lange Strecke zur Arbeit fährt und zusätzlich mehrere Fortbildungen im Jahr besucht, kann ebenfalls profitieren. Entscheidend ist immer die individuelle Situation und ob diese zu Ausgaben über der Pauschale von 1.000 Euro geführt hat.

Übrigens

Mit der Entfernungspauschale ist immer nur eine Fahrt zur ersten Tätigkeitsstätte pro Arbeitstag absetzbar. Fahren Sie beispielsweise zur Mittagspause nach Hause zum Essen, wird diese Mittagsheimfahrt steuerlich nicht berücksichtigt.

Wenn nur die halbe Pendlerpauschale gilt

Fahren Sie an einem Arbeitstag nur einmal den Weg zwischen Ihrer Wohnung und Ihrem Arbeitsplatz beziehungsweise Ihrer ersten Tätigkeitsstätte, wird vom Finanzamt nur die Hälfte der Entfernungspauschale anerkannt. Also keine 30 Cent pro Kilometer der einfachen Wegstrecke, sondern nur 15 Cent. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH), Deutschlands höchstes Gericht für Steuern, in einem im Juni 2020 veröffentlichten Urteil entschieden (Aktenzeichen VI R 42/17). Weil mit der üblichen Pauschale von 0,30 Euro sowohl der Hin- als auch der Rückweg abgegolten wird, muss sich – nach Ansicht der Richter – der Betrag halbieren, wenn nur ein Weg gefahren wird.

In dem verhandelten Fall hatte ein Flugbegleiter geklagt. Er war an mehreren Arbeitstagen nur einmal zum Flughafen (erste Tätigkeitsstätte) und erst am nächsten Tag oder mehrere Tage später wieder nach Hause gefahren. In seiner Steuererklärung trug er für diese Arbeitstage dennoch die Entfernungspauschale von 0,30 Euro ein. Das lehnten aber sowohl das Finanzamt als auch  anschließend das zuständige Finanzgericht ab. Der BFH bestätigte diese Entscheidungen nun.

Sie haben noch Fragen? Die VLH-Beraterinnen und VLH-Berater helfen Ihnen gerne, die vielfältigen beruflichen Ausgaben steuerlich geltend zu machen. Sie beraten Sie auch, ob Sie von der Pendlerpauschale profitieren können. Hier geht es zur Beratersuche.

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