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Fahrtkosten: Das müssen Sie wissen

Wie kann man Fahrtkosten absetzen? Und wie viel? Wer kann nur beruflich, wer auch privat Kilometergeld absetzen? Unser Überblick beantwortet alle Fragen.

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Fahrtkosten: Das müssen Sie wissen

Wer eine Ausbildung macht oder arbeiten geht, muss in der Regel einige Kilometer zur Uni, zum Betrieb oder ins Büro zurücklegen. Die meisten fahren mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln, viele mit dem Motorrad oder Fahrrad und nur wenige Glückliche können zu Fuß gehen. Sie alle aber haben eines gemeinsam: Der Staat unterstützt sie mit einem ganz besonderen Steuervorteil, nämlich mit 30 Cent pro Kilometer für die einfache tägliche Fahrtstrecke zur Uni oder Arbeit. Das ist die sogenannte Pendlerpauschale, auch Entfernungspauschale oder Fahrtkostenpauschale genannt. Weitere Details hierzu und wann sich die Fahrtkostenpauschale steuerlich lohnt, erfahren Sie in unserem Artikel: Die Pendlerpauschale für Einsteiger.

Wer nicht einfach nur zur Arbeit fährt, sondern im Auftrag des Chefs oder im Rahmen der Ausbildung eine Dienstreise macht, wird ebenfalls unterstützt: Für jeden einzelnen Kilometer kann man 30 Cent absetzen – also nicht nur eine einfache Fahrt am Tag wie bei der Entfernungspauschale, sondern sowohl die Hin- als auch die Rückfahrt. Das ist die sogenannte Dienstreisepauschale

Neben diesen beiden grundsätzlichen Regeln haben wir weitere wichtige Informationen zum Thema Fahrtkosten für Sie zusammengestellt:

1. Auf Umwegen zur Arbeit: Auch längere, aber verkehrsgünstigere Wege sind absetzbar

Autobahn, Landstraße oder Stadtverkehr: Meistens führen mehrere Wege zur Arbeit. Doch nur für die kürzeste Strecke gab es früher die Entfernungspauschale. Das hat sich mittlerweile geändert: Berufstätige bekommen das Kilometergeld nun auch für einen Umweg, wenn er verkehrsgünstiger ist. Ob man mit dem Umweg zur Arbeit 20 Minuten Zeit spart oder nur 10 Minuten spielt dabei keine Rolle. 

Unser Tipp:

Nutzen Sie eine längere, aber verkehrsgünstigere Strecke zum Arbeitsplatz, so fügen Sie Ihrer Steuererklärung eine formlos verfasste Begründung hinzu. Zum Beispiel: Auf der kürzeren Strecke befindet sich eine Großbaustelle. Anhand dieser Angaben berechnet der zuständige Finanzbeamte dann die persönlichen Fahrtkosten. Dabei wird der Weg berechnet, den der Berufstätige tatsächlich fährt – und nicht die kürzeste Strecke, die vom Routen-Planer empfohlen wird.

 2. Student: Eine Fahrt am Tag zur Uni absetzen

Jeder Student kann die Fahrtkosten für eine einfache Fahrt am Tag mit 30 Cent pro Kilometer von der Steuer absetzen, also von zu Hause bis zur Universität oder Fachhochschule.
Das war schon einmal anders: Früher durften Studenten nicht nur eine, sondern beide Fahrten absetzen – also die Hin- und die Rückfahrt. Weitere Details hierzu sowie Rechenbeispiele finden Sie in unserem Artikel Student oder Azubi: Fahrtkosten richtig absetzen.

3. Azubi: Fahrten unterschiedlich absetzen

Ein Azubi kann 30 Cent pro Kilometer für eine einfache Fahrt zum Ausbildungsbetrieb absetzen, genau wie ein Student oder ein Arbeitnehmer auch. Anders sieht das bei seinen Fahrten zur Berufsschule aus: Hier kann er sogar jeden Kilometer der Hin- und Rückfahrt mit 30 Cent steuerlich geltend machen.

Übrigens:

Das gleiche Prinzip gilt auch für duale Studiengänge.

4. Auto, Bus und Bahn: Unterschiedliche Verkehrsmittel für eine Strecke

Nicht jeder Arbeitnehmer fährt mit dem Auto direkt zur Arbeit. Viele Pendler müssen erst mit dem Auto, Fahrrad oder E-Bike zum Bahnhof und fahren von dort aus mit dem Zug weiter. Andere wechseln ihr Fahrzeug je nach Saison: Sie sind im Sommer mit dem Motorrad und im Winter mit dem Zug unterwegs.

Wer unterschiedliche Verkehrsmittel für eine Wegstrecke benutzt, sollte bei der Berechnung der Fahrtkostenpauschale Folgendes beachten: Für jede Teilstrecke wird die Fahrtkostenpauschale einzeln ermittelt. Rechengrundlage ist immer die kürzeste Straßenverbindung, auch bei Zugfahrten. Die Kosten für die Teilstrecke, die Sie mit dem eigenen Fahrzeug zurücklegen, zum Beispiel die Fahrt mit dem Auto zum Bahnhof, können Sie in unbegrenzter Höhe von der Steuer absetzen. Die Fahrtkosten, die Sie für die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln geltend machen können, sind dagegen auf 4.500 Euro im Jahr begrenzt.

Ein Rechenbeispiel:
Kristina arbeitet Vollzeit an 220 Tagen im Jahr. Mit Ihrem Pkw fährt sie 10 Kilometer zum Hauptbahnhof Stuttgart und von dort 90 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz nach Mannheim. Die Bahncard 100 für die 2. Klasse kostet 4.090 Euro im Jahr. Kristina berechnet erst sämtliche Fahrten mit der Fahrtkostenpauschale:

Pkw (nicht begrenzt auf 4.500 Euro):

 

220 Arbeitstage x 10 Kilometer einfache Fahrt x 0,3 Euro Pendlerpauschale = 660 Euro

 

 Bahn (begrenzt auf 4.500 Euro):

 

220 Arbeitstage x 90 Kilometer einfache Fahrt x 0,3 Euro Pendlerpauschale = 5.940 Euro

 

Jetzt vergleicht sie das Ergebnis von 5.160 Euro (4.500 Euro + 660 Euro) mit den tatsächlichen Kosten für ihre Fahrten mit dem Zug, die bei 4.090 Euro im Jahr liegen. Der höhere von beiden Beträgen wird automatisch vom Finanzamt berücksichtigt. Im Fall von Kristina sind das 5.160 Euro, die als Werbungskosten abgezogen werden.

5. Leerfahrten von der Steuer absetzen

Wer auf Dienstreise geht und vom Ehepartner zum Bahnhof oder Flughafen gebracht wird, kann sowohl die Hinfahrt als auch die Rückfahrt von der Steuer absetzen. Die Rückfahrt ohne Partner wird als „Leerfahrt“ bezeichnet.
Eine Leerfahrt kann man jedoch nur absetzen, wenn der Ehepartner im Rahmen einer „Auswärtstätigkeit“ unterwegs ist, sich also auf einer Dienstreise befindet. Eine Leerfahrt zur täglichen Arbeitsstätte, etwa wenn man den Partner zur Arbeit bringt oder eine Leerfahrt im Rahmen der doppelten Haushaltsführung wird nicht anerkannt. Hier wird lediglich mit der Fahrtkostenpauschale die einfache Wegstrecke abgegolten.

6. Fahrtkosten: Die Bahncard steuerlich absetzen

Die Deutsche Bahn bietet verschiedene Möglichkeiten an, von ermäßigten Fahrpreisen zu profitieren. Die Bahncard ist eine davon. Sehr viele Bahnfahrer besitzen die Bahncard 25 oder 50. Für einige Vielfahrer lohnt sich sogar die Bahncard 100 mit der sie ein ganzes Jahr lang die Bahn nutzen können, egal wie oft und wie weit Sie in Deutschland fahren möchten.

Ob Sie die Ausgaben für die Bahncard steuerlich geltend machen können, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unser Video gibt Ihnen in Sekundenschnelle einen Überblick:

Oder aber Sie lesen hier weiter: Wenn Sie die Bahncard selbst finanzieren und vorwiegend für die Fahrten zur Arbeit oder für Dienstreisen nutzen, können Sie die Kosten als Werbungskosten in Ihrer Einkommensteuererklärung angeben und steuerlich geltend machen. Einzige Voraussetzung hierbei ist: Die Kosten der Bahncard sollten durch die Ersparnis der Bahncard kompensiert werden – der Kauf muss sich also lohnen. Die Preise für die regulären Tickets in einem Monat sollten also beispielsweise höher sein als die monatlichen Kosten für die Rabattkarte.

Übrigens: Ist die oben genannte Voraussetzung erfüllt, dürfen Sie die Bahncard zusätzlich zu den regelmäßigen Fahrten zur Arbeit auch für private Fahrten nutzen.

Unser Tipp:

Steuerlich gesehen ist die Bahncard ein nicht ganz einfaches Thema. Das gilt nicht nur für den Fall, dass Sie Selbstzahler sind. Richtig kompliziert wird es, wenn Sie die Bahncard auf eigene Kosten anschaffen, manche Fahrten aber vom Arbeitgeber erstattet bekommen oder wenn der Arbeitgeber Ihre Bahncard komplett finanziert. Wenden Sie sich in solchen Fällen an die VLH-Beraterinnen und Berater – sie helfen Ihnen gerne weiter. Hier finden Sie einen geeigneten Berater in Ihrer Nähe.

 7. Menschen mit Behinderung: Berufliche und private Fahrtkosten absetzen

Behinderte Arbeitnehmer erhalten Steuervergünstigungen für ihre Fahrten zur Arbeit. Das gilt für alle Arbeitnehmer, die einen Grad der Behinderung von mindestens 70 oder einen Grad der Behinderung von 50 bis 70 haben und gleichzeitig in ihrer Bewegungsfähigkeit erheblich eingeschränkt sind. Diese Arbeitnehmer dürfen die tatsächlichen Fahrtkosten von der Wohnung zum Arbeitsplatz als Werbungskosten absetzen, d.h. sowohl die Hin- als auch die Rückfahrt. Mehr dazu erfahren Sie auch in unserem Artikel: Menschen mit Behinderung – die wichtigsten Vergünstigungen.

Neben beruflichen Fahrten können behinderte Menschen, die einen Behinderungsgrad von mindestens 80 haben, auch die Fahrtkosten für private Fahrten von der Steuer absetzen. Und zwar können sie 30 Cent pro Kilometer für bis zu 3.000 Kilometer im Jahr steuerlich geltend machen.

Bestimmte Fahrten, zum Beispiel zum Arzt oder zum Therapeuten, können zusätzlich zu den 3.000 Kilometern als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden. Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel Behinderung: So setzen Sie Fahrtkosten für Privatfahrten ab.

8. Probezeit: Fahrtkosten wie ein Arbeitnehmer absetzen

Die Probezeit unterscheidet sich nicht von einem regulären Angestelltenverhältnis – zumindest nicht steuerrechtlich. Deshalb können Sie für Ihre Fahrten zum Job, bei dem Sie auf Probe eingestellt sind, nicht die Hin- und die Rückfahrt absetzen. Vielmehr ist nur die Fahrtkostenpauschale erlaubt, also 30 Cent pro Kilometer für eine einfache Strecke.

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