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Gütergemeinschaft: Das sollten Sie wissen

Die Gütergemeinschaft wird nicht selten mit der Zugewinngemeinschaft verwechselt. Hier erfahren Sie die Unterschiede und die Auswirkungen auf die Steuer.

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Gütergemeinschaft: Das sollten Sie wissen

Im Mantelbogen jeder Einkommensteuererklärung findet sich gleich auf der ersten Seite das Kästchen „Wir haben Gütergemeinschaft vereinbart“. Wichtig: Setzen Sie dort ein Kreuz, müssen Sie mit Ihrem Partner einen Ehevertrag geschlossen haben. Ist das nicht der Fall, haben Sie nämlich keine Gütergemeinschaft, sondern eine Zugewinngemeinschaft. Letzteres ist der gesetzliche Standard in Deutschland. Alles andere muss vertraglich vereinbart werden.

Vermögen wird zum Gesamtgut

Entscheidet sich ein Paar für eine Gütergemeinschaft, wird das Vermögen beider Ehepartner beziehungsweise eingetragener Lebenspartner zum Gesamtgut. Beide sind gleichermaßen Eigentümer des dann gemeinschaftlichen Vermögens. Das gilt sowohl für das Vermögen, das beide schon vor der Ehe besessen haben, als auch für das Vermögen, das während der Ehe dazukommt. Zum Vermögen zählen beispielsweise Bargeld, Guthaben auf Konten, Immobilien, Aktien und andere Wertpapiere sowie Möbel oder Kunstgegenstände.

Ein einfaches Beispiel:

  • Sarah und Torsten heiraten. Sie entschließen sich für eine Gütergemeinschaft und unterzeichnen einen entsprechenden Ehevertrag.
  • Sarah besitzt 50.000 Euro, Torsten 10.000 Euro. Gemeinsam bringen sie also ein Vermögen von 60.000 Euro in die Ehe ein, das ihnen fortan zu gleichen Teilen gehört.
  • Während ihrer Ehe erhöht sich ihr Vermögen auf 100.000 Euro.
  • Würden sie sich trennen, stünden beiden jeweils 50.000 Euro zu (100.000 Euro : 2 Personen).
  • Sarah hätte also genau so viel wie vor der Ehe, Torsten hingegen 40.000 Euro mehr.

Gütergemeinschaft und Immobilien

Etwas komplizierter wird das mit der Gütergemeinschaft, wenn noch Immobilieneigentum oder der Besitz anderer Wertgegenstände hinzukommen. Ob die Werte vor oder während der Ehe entstanden sind, spielt keine Rolle – alles gehört beiden Partnern zu gleichen Teilen.

Ein Beispiel mit Immobilien:

  • Sarah besitzt nicht nur 50.000 Euro, sondern ist Eigentümerin eines Häuschens mit einem Wert von 500.000 Euro.
  • Torsten besitzt 10.000 Euro und eine kleine Eigentumswohnung im Wert von 150.000 Euro.
  • Das ergibt zusammen einen Vermögenswert von 710.000 Euro.
  • Zudem haben die beiden während ihrer Ehe weitere 100.000 Euro angespart.
  • Sie lassen sich scheiden, und das Vermögen wird geteilt. Nehmen wir mal der Einfachheit halber an, die Immobilien hätten noch den selben Wert: Dann stünden Torsten nun ebenso 405.000 Euro zu wie Sarah (810.000 Euro : 2 Personen).
  • Sarah hätte also weniger Vermögen als vor der Ehe, Torsten hingegen mehr.

Übrigens

Häufig wird in einer Gütergemeinschaft einer der Ehepartner als Verwalter des Vermögens bestimmt. Will er Teile des Vermögens verwenden oder Vermögensgegenstände verkaufen, braucht er dennoch die Zustimmung des anderen Ehepartners.

Gütergemeinschaft und Schulden

Noch haariger gestaltet sich die Gütergemeinschaft, wenn einer der Partner Schulden anhäuft. Dafür haften dann nämlich ebenfalls beide.

Ein Beispiel mit Schulden:

  • Sarah bringt 50.000 Euro in die Ehe ein, Torsten 10.000 Euro.
  • Zu Beginn ihrer Ehe haben sie also ein Vermögen von 60.000 Euro.
  • Während der Ehe häuft Torsten Schulden von 80.000 Euro an.
  • Ihr Vermögen ist damit aufgebraucht, sie haben Schulden von 20.000 Euro.
  • Sie lassen sich scheiden, und jeder hat nun Schulden von 10.000 Euro (20.000 Euro : 2 Personen).

Beschränkte Gütergemeinschaft

Aber wie heißt es so treffend: Keine Regel ohne Ausnahme. Denn neben der allgemeinen Gütergemeinschaft kann auch eine beschränkte Gütergemeinschaft vertraglich vereinbart werden. Dabei lässt sich sogenanntes Vorbehaltsgut erfassen, das jeder Ehepartner selbstständig verwaltet. Das bietet sich zum Beispiel an, wenn der eine Partner kein Vermögen mit in die Ehe einbringt, der andere aber einen hohen finanziellen Betrag oder auch Immobilien besitzt. Werden diese Werte vertraglich als Vorbehaltsgut erklärt, gehören sie nicht zum gemeinschaftlichen Vermögen. Und müssen im Fall einer Scheidung auch nicht aufgeteilt werden.

Warum Gütertrennung?

Ebenfalls vertraglich vereinbaren lässt sich die Gütertrennung. Deren Regeln sind ganz einfach: Hierbei entsteht keinerlei gemeinsames Vermögen. Jeder Partner behält auch bei einer Scheidung das, was er schon vor der Ehe an Vermögenswerten besaß, und das, was während der Ehe von ihm dazugekommen ist. Auch für eventuelle Schulden haftet nur derjenige, der sie angehäuft hat. Die Gütertrennung wird oft gewählt, wenn einer der beiden Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner entweder ein hohes Vermögen oder beispielsweise wegen eines Gewerbes ein finanzielles Risiko in die Ehe einbringt.

Übrigens

Lässt sich ein Ehepaar scheiden, werden das Güterrecht und das Unterhaltsrecht getrennt behandelt. Das heißt: Auf die Vermögenswerte des jeweils anderen hat bei der Gütertrennung zwar kein getrennter Partner ein Recht. Dennoch kann es sein, dass ein ehemaliger Partner dem anderen Unterhalt zahlen muss. Das wird im Versorgungsausgleich und mit der Berechnung des Ehegattenunterhalts geregelt. Auch der Anspruch auf Kindesunterhalt kann durch Gütertrennung nicht ausgeschlossen werden.

Zugewinngemeinschaft ist der Standard

Haben die Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner weder Gütergemeinschaft noch Gütertrennung per Vertrag vereinbart, leben sie automatisch in einer Zugewinngemeinschaft. Diese ist der gesetzliche Standard in Deutschland. Dabei bleibt jeder alleiniger Eigentümer der Vermögenswerte, die ihm bereits vor der Ehe oder der eingetragenen Partnerschaft gehört haben. Geteilt wird lediglich der Zugewinn – also das Vermögen, das während der Ehe dazugekommen ist. Aber auch eventuell während der Ehe angehäufte Schulden werden aufgeteilt.

Güterstand und Einkommensteuer

Egal, welchen Güterstand ein Ehepaar gewählt hat: Sind beide unbeschränkt einkommensteuerpflichtig und nicht dauernd getrennt lebend, können sie zwischen einer Zusammenveranlagung und der Einzelveranlagung wählen.

Also dürfen auch Ehepartner, die Gütertrennung vereinbart haben, vom Ehegattensplitting profitieren. Sie haften dann gemeinsam für mögliche Steuernachzahlungen. Aber auch eine Steuererstattung steht ihnen in dem Fall gemeinsam zu. Das heißt: Der Güterstand hat auf die Einkommensteuer letztlich keine Auswirkungen.

Güterstand und Erbschaftssteuer

Während die Einkommensteuer vom gewählten Güterstand eines Paares quasi unberührt bleibt, ist das bei der Erbschaftssteuer nicht der Fall. Stirbt ein Partner und es sind hohe Vermögenswerte vorhanden, kann es teuer werden. Denn: Im Gegensatz zur Zugewinngemeinschaft besteht bei der Gütertrennung und bei der Gütergemeinschaft kein Anrecht auf einen steuergünstigen Zugewinnausgleich über den persönlichen Freibetrag von 500.000 Euro hinaus. Soll heißen: In dem Fall muss der oder die Hinterbliebene das Erbe voll versteuern.

Es gibt aber einen Trick, um trotzdem in den Genuss einer höheren Steuerbefreiung zu kommen. Nämlich, indem die Gütertrennung oder die Gütergemeinschaft im Ehevertrag auf die Ehezeit beschränkt wird. Dann endet sie mit dem Tod eines Partners und wird in den gesetzlichen Güterstand zurückgeführt – also in die Zugewinngemeinschaft. Und schon gelten für das Erbe die Regeln der Zugewinngemeinschaft.

Übrigens

Eheverträge können jederzeit beendet oder umgestaltet werden. Das muss dann notariell beurkundet werden.

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