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Scheidung und Steuern

Zugewinnausgleich, Splitting, Steuerklasse: Mit einer Scheidung ändert sich steuerlich vieles für Ex-Ehegatten. Unser Überblick zeigt die wichtigsten Fakten.

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Überblick: Scheidung und Steuern

Eine Scheidung ist eine anstrengende Zeit – emotional und organisatorisch. Sie müssen grundlegende Entscheidungen treffen, Behördengänge auf sich nehmen und am Ende oft hohe Kosten tragen. Auch steuerlich ändert sich einiges, was ihr zukünftiges Leben beeinflusst. Daher sollten Sie sich informieren, bevor die nächste Steuererklärung ansteht:

1. Scheidungskosten

Bis 2013 konnte jeder Steuerpflichtige seine Scheidungskosten als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen. Wie das zukünftig sein wird, ist derzeit noch fraglich. Der Bundesfinanzhof (BFH) muss entscheiden.

Wer verstehen will, warum das so ist, muss sich die Rechtsprechung der letzten zwei Jahre ansehen:

  • Im Sommer 2013 ändert der Gesetzgeber den Paragrafen 33 im Einkommensteuergesetz. Demnach sollen die Finanzämter Prozesskosten nur noch in Extremfällen als außergewöhnliche Belastungen anerkennen. Im Mantelbogen der Steuererklärung kann man daher die Scheidungskosten nicht mehr eintragen.

  • Die VLH vertrat den Standpunkt, dass die neue Gesetzeslage mangelhaft sein. Im Oktober 2014 dann der Etappensieg vor dem Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 4 K 1976/14): Laut den Richtern aus Neustadt/Weinstraße kann man Scheidungskosten doch von der Steuer absetzen. Das FG Münster (Aktenzeichen 4 K 1829/14 E) schloss sich in einem ähnlichen Fall diesem Urteil an.

  • Ende 2014 und Anfang 2015 entschieden das FG Sachsen und das FH Niedersachsen: Scheidungskosten sind NICHT absetzbar. Somit war die Verwirrung für den Steuerzahler komplett.

  • In drei der vier Fälle wurde vor den jeweiligen Finanzgerichten die Revision beantragt, so dass nun der BFH ein endgültiges Urteil fällen muss.

Unser Rat: Geben Sie die Kosten für eine Scheidung wie gehabt als außergewöhnliche Belastung an. Sollte das Finanzamt die Kosten ablehnen, legen Sie fristgerecht Einspruch ein. Beziehen Sie sich in Ihrem Einspruch auf die anhängigen Verfahren beim BFH (Aktenzeichen VI R 66/14 sowie VI R 81/14).

Bis 2013 (und nach Ansicht der VLH auch nach wie vor) konnten Eheleute alle Scheidungskosten steuerlich absetzen, die direkt mit der Scheidung im Zusammenhang standen. Dazu zählten:

  • Rechtsanwaltskosten
  • Gerichtskosten
  • Kosten für die Fahrten zu Gericht, Anwalt und Notar
  • Ausgaben für Sachverständige oder Gutachter

Nicht absetzbar sind Prozesskosten, die als Folgekosten einer Scheidung gelten und die sich um die Aufteilung des Vermögens drehen. Dabei geht es um:

  • Die Ermittlung von Zugewinnausgleich, Versorgungsausgleich und Unterhaltszahlung
  • Sachverständige- und Rechtsanwaltskosten in diesem Zusammenhang
  • Veränderung von Grundbucheinträgen etc.

Sie sind unsicher, was Sie nun in die Steuererklärung eintragen können? Für die Beraterinnen und Berater der VLH gehört dieses Wissen zum Alltagsgeschäft – suchen Sie sich einfach mit Hilfe unserer Beratersuche eine VLH-Beratungsstelle aus und lassen Sie sich beraten.

2. Zugewinnausgleich

Bei einer Scheidung ohne anderslautenden Ehevertrag kann der sogenannte Zugewinn ausgeglichen werden. Zugewinn ist der Betrag, um den das Vermögen eines Ehegatten das Anfangsvermögen übersteigt. Der Zugewinn – das sagt schon das Wort – kann aber nie unter Null kommen, das bedeutet, dass Verluste eines Ehegattens nicht ausgeglichen werden. Lässt sich ein Paar scheiden und der eine von beiden hat einen größeren Zugewinn als der andere, wird so ausgeglichen, dass am Ende beide Ex-Partner gleich viel Zugewinn haben – steuerfrei für beide.

Übrigens:

In manchen Fällen wird der Zugewinn über eine Immobilie ausgeglichen. Je nachdem zu welchem Zeitpunkt Sie Ihre Immobilie an einen Dritten verkaufen oder sie Ihrem Ex-Ehepartner übertragen, müssen Sie den Veräußerungserlös versteuern.

3. Versorgungsausgleich

Scheidung - nach vielen Jahren Ehe: Einige Ehepartner waren die meiste Zeit für Kindererziehung und Haushalt zuständig. Doch dank Versorgungsausgleich steht ihnen zur Hälfte die Rente des Ex-Partners zu. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie in unserem Top Thema Versorgungsausgleich.

4. Realsplitting bzw. Unterhalt

Das Realsplitting meint die Unterhaltszahlungen eines Ehepartners an den Anderen. Alles, was Sie Ihrem Ex-Partner an Unterhalt zahlen – festgesetzt vom zuständigen Familiengericht –, können Sie als Sonderausgaben absetzen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel zum Thema Unterhalt.

5. Steuerklasse

Der Splittingtarif für Eheleute kann nur genutzt werden, wenn man als Ehepaar mindestens an einem Tag im Jahr "Tisch und Bett geteilt hat". Ist diese Möglichkeit nicht gegeben, so müssen beide die Einzelveranlagung wählen. Klicken Sie hier für mehr Informationen rund um das Ehegatten-Splitting.

6. Freibeträge für Kinder

Der Kinderfreibetrag wird grundsätzlich auf beide Elternteile je zur Hälfte aufgeteilt.

Der Elternteil, in dessen Haushalt das Kind gemeldet ist, kann den jeweiligen Freibetrag für Betreuung, Ausbildung und Erziehung beantragen. Gleiches gilt für den Behinderten- und auch den Hinterbliebenen-Pauschbetrag.

Seit 2012 kann sich der betreuende Elternteil, der für den Unterhalt seines behinderten Kindes überwiegend allein aufkommt, den Behinderten-Pauschbetrag des Kindes in voller Höhe übertragen lassen. Bedingung dafür ist, dass zuvor der Kinderfreibetrag dem betreuenden Elternteil in voller Höhe übertragen wurde.

Wie das mit dem Kinderfreibetrag genau funktioniert, erklärt Ihnen unser Artikel zum Thema.

7. Kapitalertragsteuer

Im Jahr der Trennung gelten die Freistellungsaufträge der Noch-Eheleute bis zum Jahresende. Doch sobald die Scheidung rechtskräftig ist, muss jeder der beiden Ex-Gatten einen neuen Freistellungsantrag stellen.

Übrigens:

Falls Sie Ihren gemeinsamen Freistellungsauftrag noch im Trennungsjahr aufheben wollen, können Sie gemeinsam mit Ihrem Noch-Ehepartner einen Widerruf verfassen, unterschreiben und Ihrer Bank schicken.

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