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Was ist der Behinderten-Pauschbetrag?

Der Behinderten-Pauschbetrag soll Menschen mit Behinderung finanziell unterstützen – wir erklären, wie das funktioniert.

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Was ist der Behinderten-Pauschbetrag?

Medikamente, Betreuung, erhöhter Wäschebedarf: Menschen mit Behinderung haben im Alltag oft höhere Kosten als Menschen ohne Behinderung. Deshalb gibt es den Behindertenpauschbetrag. Dieser Pauschbetrag soll Menschen mit Behinderung beim Steuern sparen helfen. Wie das funktioniert, erklären wir im Folgenden.

Welche Kosten sind mit dem Behinderten-Pauschbetrag abgedeckt?

Der Behinderten-Pauschbetrag, manchmal auch umgangssprachlich Behindertenfreibetrag genannt, deckt alle Kosten ab, die typisch für die Behinderung sind und die man regelmäßig hat. Dazu gehören zum Beispiel wie oben schon erwähnt Kosten für Arzneimittel oder für den erhöhten Wäschebedarf.

Gibt es auch Kosten, die der Behindertenpauschbetrag nicht abdeckt?

Ja, einmalige oder besondere Aufwendungen beispielsweise für eine Kur, Krankheit oder eine Haushaltshilfe können zusätzlich zum Pauschbetrag als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden. Aber denken Sie dran: Außergewöhnliche Belastungen können Sie nur in Ihrer Steuererklärung angeben, wenn die Kosten höher sind als die zumutbaren Belastungen. Was das bedeutet, erklärt Ihnen unser Steuer ABC zum Thema außergewöhnliche Belastungen.

Wie hoch ist der Behinderten-Pauschbetrag?

Ein ärztlicher Gutachter legt bei jedem Menschen mit Behinderung ganz individuell den Grad der Behinderung (GdB) fest. Der GdB ist eine Maßeinheit, die zeigt, wie stark ein Mensch beeinträchtigt ist. Achtung: Der GdB wird nicht in Prozent angegeben, man hat schlicht beispielweise einen „GdB von 50“.

Die Höhe des Behinderten-Pauschbetrags richtet sich nach dem GdB. Es gilt:

Grad der Behinderung Behinderten-Pauschbetrag pro Jahr
25 und 30 310 Euro
   
35 und 40 430 Euro
   
45 und 50 570 Euro
   
55 und 60 720 Euro
   
65 und 70 890 Euro
   
75 und 80 1.060 Euro
   
85 und 90 1.230 Euro
   
95 und 100 1.420 Euro

Für Menschen mit einem GdB unter 50 gibt es allerdings eine Einschränkung. Sie bekommen den Behinderten-Pauschbetrag nur in der oben genannten Höhe, wenn eine dieser beiden Voraussetzungen erfüllt ist:

  • Sie haben aufgrund der Behinderung einen gesetzlichen Anspruch auf eine Rente, zum Beispiel eine Unfallrente, oder andere laufende Bezüge. Achtung: Eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung zählt nicht dazu.

  • Die Behinderung hat zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt oder ist durch eine typische Berufskrankheit entstanden. 

Übrigens:

Hilflosen und blinden Menschen steht ein höherer Behinderten-Pauschbetrag von 3.700 Euro zu. Im Schwerbehindertenausweis müssen dafür die Merkmale "H" (hilflos) oder "Bl" (blind) eingetragen sein.

Liegt der GdB unter 25, steht Ihnen kein Behinderten-Pauschbetrag zu. In einem solchen Fall müssen Sie Ihre Kosten als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung eintragen.

Muss ich den Behinderten-Pauschbetrag beantragen?

Damit Sie den Behinderten-Pauschbetrag bekommen, müssen Sie im Hauptformular Ihrer Steuererklärung auf Seite 3 unter den "außergewöhnlichen Belastungen" die Leerfelder ausfüllen. Die Überschriften der Leerfelder zeigen Ihnen, was Sie eintragen sollen. Legen Sie im ersten Jahr Ihrer Behinderung eine Kopie des Schwerbehindertenausweises, der Bescheinigung des Versorgungsamts oder des Bescheids der Pflegekasse bei.

Meine typischen Kosten sind höher als der Pauschbetrag – gibt es eine Alternative?

Sind Ihre regelmäßigen, typischen Kosten höher als der Pauschbetrag, können Sie sie einzeln als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Entscheiden Sie sich für diese Lösung, müssen Sie alle Rechnungen sammeln und beim Finanzamt einreichen.

Sind Ihre typischen Kosten niedriger als der Behindertenpauschbetrag, spielt das übirgens keine Rolle. Ihnen steht trotzdem der volle Betrag zu – ohne dass Sie Nachweise wie Quittungen oder Rechnungen beim Finanzamt einreichen müssen.

Mein Kind hat eine Behinderung. Bekommt es den Pauschbetrag?

Auch ein Kind mit Behinderung hat einen Anspruch auf den Behinderten-Pauschbetrag. Nutzt es den Pauschbetrag nicht selbst und bekommen Sie Kindergeld für das Kind, können Sie den Pauschbetrag auch auf sich übertragen lassen. Und das geht so: Füllen Sie für Ihre Steuererklärung in der "Anlage Kind" auf Seite 3 die entsprechenden Zeilen aus. Die Übertragung gilt nur für ein Jahr. Deshalb müssen Sie diese Angaben jedes Jahr in Ihrer Steuererklärung machen.

In unserem Überblick Kind mit Behinderung haben wir Ihnen alle Vergünstigungen zusammengestellt, die Ihnen als Eltern über den Behinderten-Pauschbetrag hinaus zustehen.

Was passiert, wenn sich der Grad der Behinderung ändert?

Der Behinderten-Pauschbetrag gilt in der Regel immer für ein ganzes Jahr. Verändert sich der GdB im Laufe des Jahres, wird Ihnen immer der Pauschbetrag nach dem höchsten Grad gewährt, den der ärztliche Gutachter im Kalenderjahr festgestellt hat. Ein Beispiel: Werner hat einen GdB 50. Im Laufe des Jahres verbessert sich sein Gesundheitszustand, ein Gutachter stuft ihn herunter auf einen GdB 30. Trotzdem kann Werner in diesem Jahr mit den höheren 570 Euro für den GdB 50 rechnen.

Übrigens:

Tritt die Behinderung erst im Dezember ein, steht Ihnen trotzdem der Pauschbetrag für das volle Jahr zu.

Wird der Behindertenpauschbetrag regelmäßig erhöht?

Leider nein. Seit 1975 hat das Finanzamt den Behinderten-Pauschbetrag nicht mehr erhöht. Und das ist auch verfassungskonform, entschied 2007 das Bundesverfassungsgericht. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass es sich beim Behinderten-Pauschbetrag „nur“ um eine Pauschale handele. Wer höhere Kosten habe, könne diese ja einzeln als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung eintragen.

Übrigens:

Sie haben noch Fragen rund um den Behindertenpauschbetrag? Unsere Beraterinnen und Berater stehen Ihnen gerne zur Seite und machen Ihre Steuererklärung. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie hier: Beratersuche.

 

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