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Bildungsgutschein, Bildungsprämie, Bildungsscheck – was ist was?

Weiterbildung eröffnet neue Chancen im Job, aber sie kann teuer sein. Es gibt verschiedene Zuschüsse vom Staat und von den Bundesländern. Wir geben einen Überblick.

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Bildungsgutschein, Bildungsprämie, Bildungsscheck – was ist was?

Die Arbeitswelt ist ständig in Bewegung, kaum jemand macht heutzutage noch sein Berufsleben lang immer dasselbe. Das bedeutet, Arbeitnehmer müssen immer am Ball bleiben, sich weiterbilden oder sogar ganz neu orientieren, wenn der alte Job wegfällt oder sich ändert.

Doch was tun, wenn der Lernwille zwar groß, die Kasse aber knapp ist? Der Bund und die Länder bieten verschiedene Zuschüsse für Weiterbildungen. Die drei wichtigsten haben ähnliche Namen: Bildungsgutschein, Bildungsprämie, Bildungsscheck. Was ist der Unterschied? Und welche Auswirkungen haben sie auf die Steuererklärung?

Mit Bildungsgutschein zum neuen Job

Die Agentur für Arbeit kann Weiterbildungskosten mit einem Bildungsgutschein übernehmen.

Einen Rechtsanspruch auf Kostenübernahme gibt es nicht. Die Arbeitsagentur prüft zunächst, ob die Weiterbildung nötig ist. Das kann der Fall sein, wenn Sie arbeitslos sind und mit der Schulung Ihre Chancen auf Neuanstellung verbessern – oder wenn die Weiterbildung verhindern kann, dass Sie überhaupt erst arbeitslos werden. Der Bildungsgutschein kann auch genutzt werden, um einen Berufsabschluss nachzuholen.

Auf jeden Fall ist ein persönliches Beratungsgespräch in der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter nötig. Und der Anbieter der Weiterbildung muss eine bestimmte Zulassung haben, die sogenannte AZAV-Zertifizierung. Nicht nur der Bildungsanbieter, auch die jeweilige Schulung muss AZAV-zertifiziert sein. Sonst ist eine Kostenübernahme durch die Agentur für Arbeit nicht möglich.

Wer Arbeitslosengeld bezieht, bekommt es auch weiterhin während der Fortbildung, wenn sie über einen Bildungsgutschein finanziert wird. Manchmal übernimmt das Amt auch die Fahrtkosten und eventuelle Kinderbetreuungskosten.

Wichtig ist, dass Sie den Antrag für den Bildungsgutschein rechtzeitig vor Beginn der Fortbildungsmaßnahme bei der Arbeitsagentur einreichen. Den Bildungsgutschein selbst geben Sie dann beim Anbieter der Weiterbildung ab.

Die Bildungsprämie vom Staat für Geringverdiener

Sie besteht seit 2008 und läuft noch bis zum 31. Dezember 2020. Ob es eine weitere Verlängerung geben wird, ist derzeit nicht bekannt. Mit der Bildungsprämie fördert die Bundesregierung Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen. Sie gilt für berufsbezogene Weiterbildungen und besteht aus zwei Teilen:

1. Prämiengutschein: Der Staat übernimmt damit die Hälfte der Fortbildungskosten, aber maximal 500 Euro. Die Voraussetzung ist, dass Sie mindestens 15 Wochenstunden erwerbstätig sind, und dass Ihr zu versteuerndes Jahreseinkommen 20.000 Euro nicht übersteigt. Bei gemeinsam veranlagten Paaren sind es 40.000 Euro. Das zu versteuernde Jahreseinkommen entspricht übrigens nicht dem Brutto-Einkommen, es liegt meist deutlich darunter. Auch wer in Eltern- oder Pflegezeit ist, kann den Prämiengutschein vom Staat bekommen.

In einigen Bundesländern gibt es Sonderregelungen für Weiterbildungen, die mehr als 1.000 Euro kosten: In Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein gibt es Landesprogramme, die teurere Fortbildungen fördern. Der Prämiengutschein der Bundesregierung gilt in diesen Bundesländern nur für Fortbildungen unter 1.000 Euro. Wird es teurer, übernehmen die jeweiligen Landesregierungen den Zuschuss. Zu den Landeszuschüssen kommen wir weiter unten beim Thema Bildungsscheck.

2. Spargutschein: Auch „Weiterbildungssparen“ genannt. Damit sollen teurere und/oder längere Fortbildungen finanzierbar gemacht werden. Hier gibt es keine Einkommensgrenze wie beim Prämiengutschein, auch der Erwerbsstatus ist unwichtig. Jeder, der mit vermögenswirksamen Leistungen etwas angespart hat, kann den Spargutschein bekommen. Damit kann man vorzeitig Geld aus dem angesparten Guthaben entnehmen, ohne dass der Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage verloren geht.

Beide Gutscheine sind kombinierbar, und man erhält sie nach einem Beratungsgespräch in einer der staatlichen Bildungsprämien-Beratungsstellen

Der Bildungsscheck und andere Zuschüsse der Bundesländer

Die Bundesländer bieten noch eigene Fördermöglichkeiten. Dazu gehört beispielsweise der Bildungsscheck, den die Länder Brandenburg und Nordrhein-Westfalen anbieten. In Rheinland-Pfalz heißt das Angebot QualiScheck, in Bremen, Sachsen und Thüringen nennt es sich Weiterbildungsscheck, in Hessen Qualifizierungsscheck. In Schleswig-Holstein heißt diese Förderung Weiterbildungsbonus. Fast jedes Bundesland hat ein solches Programm, die Rahmenbedingungen sind jedoch verschieden.

Die Maßnahme ist meist für gering Qualifizierte oder Personen ohne Ausbildung gedacht, teilweise auch für Ältere, Menschen mit Behinderungen, oder für Menschen mit ausländischem Berufsabschluss, der hier nicht anerkannt wird. Je nach Bundesland werden weniger als 50 Prozent oder bis 100 Prozent der Fortbildungskosten übernommen, die Beträge liegen zwischen 500 und maximal 25.000 Euro. Teilweise ist es Pflicht, dass auch der Arbeitgeber einen Teil der Kosten trägt.

Einen Überblick über die Programme der einzelnen Bundesländer bietet die Informationsseite des Bildungsministeriums

Hier noch einmal in einer Tabelle zusammengefasst die drei Fördermöglichkeiten:

  Bildungsgutschein Bildungsprämie
(hier: nur Prämiengutschein)
Bildungsscheck,
Weiterbildungsscheck,
Qualischeck, Qualifizierungs-
scheck, Weiterbildungsbonus
Von wem? Agentur für Arbeit Bundesregierung Bundesländer
Voraussetzung Antragsteller:
- arbeitslos oder
- von Arbeitslosigkeit bedroht oder
- fehlender Berufsabschluss

Anbieter:
Fortbildung und Anbieter müssen AZAV-zertifiziert sein
Antragsteller:
- zu versteuerndes Jahreseinkommen nicht mehr als 20.000 bzw. 40.000 Euro
- mindestens 15 Stunden pro Woche erwerbstätig
Je nach Bundesland unterschiedlich
Wie hoch ist der Zuschuss? Keine offizielle Begrenzung Die Hälfte der Weiterbildungskosten, aber höchstens 500 Euro Je nach Bundesland sehr unterschiedlich
Besonderheit Kann-Leistung, es gibt keinen Rechtsanspruch Die genannten Bedingungen gelten für den Prämiengutschein. Für den Spargutschein gelten sie nicht.  

Und wie wirkt es sich auf die Steuer aus?

Da Bildungsgutschein und Co. reine Kostenerstattungen sind, gelten sie nicht als Einnahme und müssen bei der Steuererklärung nicht berücksichtigt werden.

Wenn Sie Kosten haben, die der jeweilige Gutschein nicht abdeckt, zum Beispiel für zusätzliche Literatur, dann können Sie diese als Werbungskosten in der Anlage N der Steuererklärung eintragen. Das gilt natürlich nur, wenn Sie in diesem Jahr Lohn oder Einkommen hatten. Wenn Sie keine steuerpflichtigen Einnahmen hatten, zum Beispiel weil sie ausschließlich Arbeitslosengeld bezogen haben, können Sie auch nichts von der Steuer absetzen.

Übrigens

Sie wissen nicht, was Sie wo in der Steuererklärung eintragen müssen? Oder Sie haben Fragen zur Absetzbarkeit Ihrer Ausgaben? Unsere Beraterinnen und Berater helfen Ihnen gerne.

 

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Quellen

  • Informationen zum Bildungsgutschein bei der Arbeitsagentur. Datum 02.04.2019.
  • Bildungsministerium: Informationen zur Bildungsprämie. Datum 02.04.2019.
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