eSport: So müssen die Preisgelder versteuert werden
17.04.2026
Das Thema eSports, also das organisierte und wettkampfmäßige Spielen von Videospielen, findet immer größere öffentliche Beachtung. Und auch die Preisgelder steigen in immer neue Höhen. Vor 10 Jahren waren Preisgelder von über einer Million US-Dollar noch eine kleine Sensation, heute gehört es zum Standard, dass bei großen eSports-Turnieren das Preisgeld im sieben- oder achtstelligen Bereich liegt. Das bislang höchstdotierte eSports-Turnier der Welt fand im Jahr 2021 in Bukarest, Rumänien statt: Beim Dota-2-Turnier "The International 2021" ging es um ein Gesamtpreisgeld von rund 40 Millionen US-Dollar (Stand 2026).
Viele deutsche eSportler/innen fragen daher sich: Muss ich meine Preisgelder und Antrittsprämien versteuern? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht, es kommt auf die genauen Umstände an. Aber der Reihe nach…
Das ist eSport
Der eSport-Bund Deutschland e. V. (ESBD) definiert eSport als den Wettkampf zwischen Menschen mithilfe von Video- und Computerspielen unter festgelegten Regeln. Dabei unterscheidet der ESBD zwischen drei Formen:
- Gaming: das Spielen von Video- und Computerspielen in der Freizeit.
- Competitive Gaming: der freizeitmäßige Wettbewerb mit anderen Spielerinnen und Spielern.
- eSport: das organisierte und wettbewerbsorientierte Spielen von Video- und Computerspielen nach festen Regeln, häufig in Ligen oder Turnieren.
Diese Disziplinen gibt es im eSport
Im E-Sport gibt es eine große Vielfalt an Disziplinen. Zu den bekanntesten gehören:
- Strategiespiele wie StarCraft II, bei denen taktisches Denken und vorausschauende Planung entscheidend sind.
- Team-basierte Online-Spiele wie League of Legends oder Dota 2, in denen zwei Mannschaften gegeneinander antreten und gemeinsam eine Strategie verfolgen.
- Shooter-Spiele wie Counter-Strike 2, Valorant oder Overwatch 2, bei denen Reaktionsgeschwindigkeit, Präzision und Teamarbeit im Vordergrund stehen.
- Sport- und Rennspiele wie die EA SPORTS FC-Reihe, Rocket League oder Gran Turismo 7, die reale Sportarten oder Rennserien digital nachbilden.
- Simulationen, insbesondere Rennsimulationen wie iRacing oder rFactor 2, die auch von professionellen Fahrerinnen und Fahrern für Training und Wettbewerbe genutzt werden.
Darüber hinaus haben sich in den vergangenen Jahren sogenannte Battle-Royale-Spiele wie Fortnite, Call of Duty: Warzone oder PUBG: Battlegrounds etabliert. Dabei treten zahlreiche Spielerinnen und Spieler gleichzeitig gegeneinander an, bis am Ende nur noch eine Person oder ein Team übrig bleibt. Das Spielprinzip erinnert an einen digitalen Wettkampf nach dem Motto „Der Letzte gewinnt“. Auch diese Titel verfügen inzwischen über eigene Turniere und professionelle Wettbewerbe.
eSport: anerkannter Sport?
Ja, E-Sport wird seit dem 1. Januar 2026 auch in Deutschland durch das Gesetz zur Gemeinnützigkeit offiziell als Sportart anerkannt. Durch diese Anpassung im Gemeinnützigkeitsrecht profitieren E-Sport-Vereine von steuerlichen Vorteilen und dem Zugang zu öffentlichen Fördermitteln.
Das heißt auch, dass nun Spenden an entsprechend anerkannte E-Sport-Vereine steuerlich absetzbar sind, sofern diese strenge gemeinnützigkeits- und Jugendschutzvoraussetzungen erfüllen.
eSport-Preisgelder und Antrittsprämien versteuern
Womit wir bei einem wichtigen Thema für eSportler/innen angekommen wären: der Steuererklärung. Schätzungen zufolge sind knapp fünf Prozent der eSportler/innen Profis, die mit eSport ihr Geld verdienen. Rund ein Drittel der eSportler/innen nehmen zwar an Wettbewerben teil, verdienen damit aber nichts. Diese Information ist deshalb wichtig, weil für diese beiden Gruppen unterschiedliche Regeln in der Besteuerung gelten.
1. Amateur-eSportler/innen: Gibt es eine Gewinnerzielungsabsicht?
Widmen wir uns zuerst den Amateur-eSportlern und -eSportlerinnen, die zwar an Wettbewerben teilnehmen, aber nur selten, meistens sogar nichts gewinnen. Hier gelten – steuerlich gesehen – grundsätzlich die gleichen Regeln wie beim regulären Amateursport: Fehlt die sogenannte Gewinnerzielungsabsicht, ist es Liebhaberei.
Vereinfacht gesagt, nehmen diese eSportler/innen aus Spaß an der Freude an den Wettkämpfen teil, nicht um damit das große Geld zu machen. Dann sind die Preisgelder und Antrittsprämien auch nicht relevant für die Steuererklärung. Ob eine Gewinnerzielungsabsicht besteht oder nicht, ist aber eine sehr individuelle Frage. Das Finanzamt wird also jeden Einzelfall prüfen.
2. ProGamer/innen: Sind sie angestellt oder selbstständig?
Wenn es um die Steuererklärung der ProGamer/innen geht, ist zuerst die Frage entscheidend, ob sie Arbeitnehmer/innen sind oder selbstständig arbeiten.
Wer als eSportler/in bei einem sogenannten Clan angestellt ist, bekommt ein Gehalt, das ganz regulär versteuert werden muss – mit den gleichen Abzügen vom Lohn wie jede/r andere Arbeitnehmer/in auch. Die Preisgelder stehen dem Clan zu, der sie gegebenenfalls als Bonus oder Prämie an den eSportler oder die eSportlerin weitergibt.
Wer selbstständig, nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht zockt, erzielt in der Regel gewerbliche Einkünfte. Denn ähnlich wie beim Poker entscheidet über Sieg oder Niederlage weniger das Glück, sondern vielmehr das Können des einzelnen Spielers bzw. der einzelnen Spielerin. Damit sind diese Einkünfte grundsätzlich auch gewerbesteuerlich relevant. Bei natürlichen Personen sowie bei Personengesellschaften fällt Gewerbesteuer allerdings erst an, soweit der Gewerbeertrag den Freibetrag von 24.500 Euro übersteigt.
Bleibt der Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr bei höchstens 25.000 Euro und überschreitet er im laufenden Kalenderjahr nicht 100.000 Euro, kann gegebenenfalls auf die Kleinunternehmerregelung zurückgegriffen werden – das spart ordentlich Bürokratie.
ÜBRIGENS:
Lottogewinne, die nur auf Glück basieren, sind steuerfrei. Erst auf die Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden werden Steuern fällig.
Vorsicht bei Gewinnen im Ausland
Viele eSport-Turniere, wie die Fortnite WM, finden im Ausland statt. Wer nun als deutsche/r eSportler/in denkt, dass das das heimische Finanzamt nicht interessiert, der irrt. In Deutschland gilt das Welteinkommensprinzip. Das bedeutet: Man ist mit dem weltweiten Einkommen steuerpflichtig, unabhängig davon, in welchem Land man das Geld verdient hat. Um eine doppelte Besteuerung sowohl im Aus- als auch Inland zu vermeiden, gibt es mit vielen Ländern sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen.
ÜBRIGENS:
Bei ausländischen Einkünften lohnt sich die Rücksprache mit einem Steuerberater oder einer Steuerberaterin. Lohnsteuerhilfevereine dürfen selbstständige eSportler/innen aus gesetzlichen Gründen nicht beraten.
Auch Streamingeinnahmen auf Twitch müssen versteuert werden
Twitch ist ein Live-Streaming-Videoportal, das von Gamern und Gamerinnen aus aller Welt genutzt wird. Wer nur aus Spaß auf Twitch streamt und nicht am Affiliate-Programm teilnimmt, also nicht an den Werbeeinnahmen beteiligt wird, hat steuerlich nichts zu befürchten. Wer als selbstständige/r ProGamer/in allerdings ein Gewerbe angemeldet hat, muss natürlich auch etwaige Einnahmen aus Twitch in der Steuererklärung angeben.
Steuerfahnder auf der Spur der eSportler
Als professionelle/r Gamer/in sollte man das Thema Steuererklärung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ende 2018 haben Steuerfahnder in Nordrhein-Westfalen die Einkünfte der eSport-Branche genauer unter die Lupe genommen. Im Fokus standen nicht nur eSport-Teams und Veranstalter/innen, sondern auch Spieler/innnen aus dem gesamten Bundesgebiet. Das Finanzamt hat eSport also durchaus auf dem Schirm.