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eSport: So müssen die Preisgelder versteuert werden

Astronomisch hohe Preisgelder haben auch den Fiskus auf eSport aufmerksam gemacht. Wie eSportler Gewinne versteuern müssen, erklären wir hier.

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eSport: So müssen die Preisgelder versteuert werden

Spätestens seit der Fortnite Weltmeisterschaft 2019 ist selbst Computerspiel-Muffeln klar: eSport ist ein lukratives Geschäft. Der 16 Jahre alte Amerikaner Kyle Giersdorf gewann den Weltmeistertitel und sicherte sich damit drei Millionen Dollar Preisgeld. Das ist die bisher höchste Prämie in einem einzelnen Videospiel-Wettbewerb. Selbst die Antrittsprämie der Fortnite-WM konnte sich mit 50.000 Dollar sehen lassen.

Viele deutsche eSportler fragen sich: Muss ich meine Preisgelder und Antrittsprämien versteuern? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht, es kommt auf die genauen Umstände an. Aber der Reihe nach…

Das ist eSport

Der eSport-Bund Deutschland e. V. (ESBD) definiert es so: „eSport ist der unmittelbare Wettkampf zwischen menschlichen Spieler/innen unter Nutzung von geeigneten Video- und Computerspielen an verschiedenen Geräten und auf digitalen Plattformen unter festgelegten Regeln.“

Der ESBD unterscheidet zwischen Gaming, Competitive Gaming und eSport wie folgt:

  • Gaming ist der freizeitmäßige Gebrauch von Videospielen.

  • Competitive Gaming ist der freizeitmäßige und erholungsorientierte Mehrspielerwettbewerb.

  • eSport ist der sportliche Gebrauch von Videospielen.

Diese Disziplinen gibt es im eSport

In Sachen Disziplinen gibt es im eSport eine sehr bunte Mischung:

  • Strategiespiele, dazu zählen auch Real-Time-Strategy (RTS) und Multiplayer-Online-Battle-Arena (MOBA)

  • Ego-Shooter

  • Sport- und Rennspiele

  • Simulationen

Zu den aktuell größten eSport-Spielen gehören League of Legends, DOTA 2, Fortnite, Counter-Strike, StarCraft II und FIFA.

eSport: anerkannter Sport?

Während eSport in unter anderem den USA, China oder Frankreich bereits als Sport anerkannt ist, kämpft der ESBD in Deutschland seit seiner Gründung um eine Anerkennung des eSport als Sportart.

Übrigens:

Die Deutsche Sporthochschule Köln führt noch bis Ende 2019 ein Studienprojekt zum Thema eSport durch. Geleitet wird das Projekt von Professor Ingo Froböse. In einem Fernsehbeitrag der ARD sagte er, dass es beim eSport eine ähnliche hohe Herzfrequenz wie beim Dauerlauf gebe und Stressreaktionen wie beim Elfmeterschießen. Für Froböse ist Wettkampfzocken Sport – und deshalb will das Projektteam auch bis 2020 eine Trainingslehre entwickeln.

Der Deutsche Olympische Sportbund, kurz DOSB, hat allerdings eine andere Meinung. Er erkennt zwar die Bedeutung von eSport an, nicht jedoch als eigene sportliche Aktivität. Der DOSB als gemeinwohlorientierter Sportverband sieht aktuell keinen Anlass, mit eSport einen Bereich aufzunehmen, der vor allem kommerziellen Verwertungsinteressen folgt.

Warum die Frage nach der Anerkennung als Sport so wichtig ist? Das hat viele Gründe. Durch die gleiche rechtliche Stellung wie andere Sportarten müsste der ESBD weniger Steuern zahlen – Stichwort Gemeinnützigkeit – und könnte leichter Spenden eintreiben. Ausländische Sportler könnten durch ein Sportlervisum in Deutschland leben und zocken. Und auch für die eSportler selbst wäre die steuerliche Situation für den Gewinn von Preisgeldern und Antrittsprämien klarer.

eSport-Preisgelder und Antrittsprämien versteuern

Womit wir bei einem wichtigen Thema für eSportler angekommen wären: der Steuererklärung. Schätzungen zufolge sind knapp fünf Prozent der eSportler Profis, die mit eSport ihr Geld verdienen. Rund ein Drittel der eSportler nehmen zwar an Wettbewerben teil, verdienen damit aber nichts. Diese Information ist deshalb wichtig, weil für diese beiden Gruppen unterschiedliche Regeln in der Besteuerung gelten.

Amateur-eSportler: Gibt es eine Gewinnerzielungsabsicht?

Widmen wir uns zuerst den Amateur-eSportlern, die zwar an Wettbewerben teilnehmen, aber nur selten, meistens sogar nichts gewinnen. Hier gelten – steuerlich gesehen – grundsätzlich die gleichen Regeln wie beim regulären Amateursport: Fehlt die sogenannte Gewinnerzielungsabsicht, ist es Liebhaberei.

Vereinfacht gesagt, nehmen diese eSportler aus Spaß an der Freude an den Wettkämpfen teil, nicht um damit das große Geld zu machen. Dann sind die Preisgelder und Antrittsprämien auch nicht relevant für die Steuererklärung. Ob eine Gewinnerzielungsabsicht besteht oder nicht, ist aber eine sehr individuelle Frage. Das Finanzamt wird also jeden Einzelfall prüfen.

ProGamer: Sind sie angestellt oder selbstständig?

Wenn es um die Steuererklärung der ProGamer geht, ist zuerst die Frage entscheidend, ob sie Arbeitnehmer sind oder selbstständig arbeiten.

Wer als eSportler bei einem sogenannten Clan angestellt ist, bekommt ein Gehalt, das ganz regulär versteuert werden muss – mit den gleichen Abzügen vom Lohn wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Die Preisgelder stehen dem Clan zu, der sie gegebenenfalls als Bonus oder Prämie an den eSportler weitergibt.

Wer selbstständig und mit Gewinnabzielungsabsicht zockt, hat gewerbliche Einkünfte. Denn ähnlich wie beim Poker entscheidet über Sieg oder Niederlage weniger das Glück, sondern vielmehr das Können des einzelnen Spielers. Damit unterliegen sämtliche Einkünfte auch der Gewerbesteuer. Bleibt der Umsatz unter 17.500 Euro pro Jahr, kann gegebenenfalls auf die Kleinunternehmerregelung zurückgegriffen werden – das spart ordentlich Bürokratie.

Übrigens:

Lottogewinne, die nur auf Glück basieren, sind steuerfrei. Erst auf die Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden werden Steuern fällig.

Vorsicht bei Gewinnen im Ausland

Viele eSport-Turniere, wie die Fortnite WM, finden im Ausland statt. Wer nun als deutscher eSportler denkt, dass das das heimische Finanzamt nicht interessiert, der irrt. In Deutschland gilt das Welteinkommensprinzip. Das bedeutet: Man ist mit dem weltweiten Einkommen steuerpflichtig, unabhängig davon, in welchem Land man das Geld verdient hat. Um eine doppelte Besteuerung sowohl im Aus- als auch Inland zu vermeiden, gibt es mit vielen Ländern sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen.

Übrigens:

Bei ausländischen Einkünften lohnt sich die Rücksprache mit einem Steuerberater. Lohnsteuerhilfevereine dürfen selbstständige eSportler aus gesetzlichen Gründen nicht beraten.

Auch Streamingeinnahmen auf Twitch müssen versteuert werden

Twitch ist ein Live-Streaming-Videoportal, das vor allem von Gamern aus aller Welt genutzt wird. Wer nur aus Spaß auf Twitch streamt und nicht am Affiliate-Programm teilnimmt, also nicht an den Werbeeinnahmen beteiligt wird, hat steuerlich nichts zu befürchten. Wer als selbstständiger ProGamer allerdings ein Gewerbe angemeldet hat, muss natürlich auch etwaige Einnahmen aus Twitch in der Steuererklärung angeben.

Steuerfahnder auf der Spur der eSportler

Als professioneller Gamer sollte man das Thema Steuererklärung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ende 2018 haben Steuerfahnder in Nordrhein-Westfalen die Einkünfte der eSport-Branche genauer unter die Lupe genommen. Im Fokus standen nicht nur eSport-Teams und Veranstalter, sondern auch Spieler aus dem gesamten Bundesgebiet. Das Finanzamt hat eSport also durchaus auf dem Schirm.

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Quellen

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