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Das wird Arbeitnehmern vom Lohn abgezogen

Lohnsteuer, Kirchensteuer, SolidaritĂ€tszuschlag und SozialversicherungsbeitrĂ€ge - wir erklĂ€ren, welche monatlichen AbzĂŒge das Gehalt schmĂ€lern.

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Berufseinsteiger Markus hÀlt zum ersten Mal seinen Lohnzettel in den HÀnden. Dank Lohnsteuer, Kirchensteuer, SolidaritÀtszuschlag und SozialversicherungsbeitrÀgen versteht er allerdings nur Bahnhof. Was hat er denn nun wirklich verdient?

Markus' Eltern beschweren sich immer ĂŒber zu hohe Steuern. Seine Freunde sagen, vom Gehalt bleibe nichts mehr ĂŒbrig. So schlimm kann es doch aber nicht sein, denkt sich der Berufseinsteiger und schaut sich neugierig seine Lohnabrechnung genauer an. Oben steht das Gehalt, das er mit seinem Chef ausgehandelt hat: 1.900 Euro. Unten steht aber ein wesentlich geringerer Betrag. Das ist das Nettogehalt, das der 21-jĂ€hrige auf seinem Konto gutgeschrieben bekommt. Dazwischen stehen jede Menge AbkĂŒrzungen und unverstĂ€ndliche Begriffe.

Brutto ist nicht gleich netto, hat sein Bruder ihm erklĂ€rt. Jetzt ahnt Markus, was das heißen soll. Von den 1.900 Euro brutto bekommt er knapp 1.340 Euro netto raus, weil jeden Monat ganz automatisch viele AbzĂŒge seinen Lohn schmĂ€lern.

Unser Video gibt Ihnen einen schnellen Überblick:

 Sie möchten ausfĂŒhrliche Informationen und ein Rechenbeispiel? Lesen Sie weiter.

1. Lohnsteuer

Markus verdient 1.900 Euro. Als Single ist er Steuerklasse I zugeordnet. Was das bedeutet erklĂ€rt unser Steuer ABC Welche Steuerklassen gibt es und was bedeuten sie?. Mit rund 159 Euro monatlich ist die Lohnsteuer der grĂ¶ĂŸte Abzug, den Markus' Arbeitgeber direkt an das Finanzamt ĂŒberweist.

Wer wie viel Lohnsteuer zahlen muss, ist in Deutschland nach folgendem Grundprinzip geregelt: Wer mehr verdient, der soll auch mehr Steuern zahlen. Je höher also das Einkommen, desto höher der Prozentsatz an Steuern. Der liegt zurzeit zwischen 14 und 45 Prozent des gesamten Einkommens in einem Jahr. 

2. SolidaritÀtszuschlag

Seit 1991 zahlen deutsche Arbeitnehmer einen SolidaritĂ€tszuschlag, der auch als Soli bekannt ist. Zurzeit gehen dafĂŒr 5,5 Prozent der Lohnsteuer an das Finanzamt. FĂŒr Markus sieht die Rechnung also so aus:

5,5 % (SolidaritÀtszuschlag) von 159 Euro (Lohnsteuer) = 8,75 Euro

Ausnahme: Wer im Monat weniger als 81 Euro an Lohnsteuer zahlt (zum Beispiel mit einem Gehalt von 1.400 Euro), fÀllt in die so genannte Nullzone und muss keinen Soli zahlen.

3. Kirchensteuer

Wer - wie Markus - Mitglied einer Kirche ist, zahlt zusÀtzlich noch Kirchensteuer. Die Höhe des Abzugs hÀngt zum einen vom Gehalt und zum anderen vom Bundesland ab, in dem man arbeitet. Markus ist evangelisch und arbeitet in Hessen.

9 % (Kirchensteuer) von 159 Euro (Lohnsteuer) = 14,31 Euro

Wer in Baden-WĂŒrttemberg oder in Bayern arbeitet, zahlt nur acht Prozent seiner Lohnsteuer.

Mit diesem Geld finanzieren die Kirchen unter anderem das Personal, den Bau von Kirchen und karitative Zwecke wie Pflegedienste. Auch andere Religionsgemeinschaften wie die katholische Kirche, jĂŒdische Gemeinden und weitere staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften erheben Kirchensteuer.

4. Krankenversicherung

Wer krank wird, geht zum Arzt, der eine Diagnose stellt und ein Medikament verschreibt. Die Krankenkasse zahlt das. Diese Art von Krankenversicherung ist in Deutschland vorgeschrieben, egal ob man bei einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse ist. Damit soll sichergestellt werden, dass eine Krankheit nicht den finanziellen Ruin bedeutet.

Gesetzlich Versicherte zahlen 2019 einen Krankenkassenbeitrag von einheitlich 14,6 Prozent. Markus bekommt 7,3 Prozent direkt vom Gehalt abgezogen, sein Chef zahlt die restlichen 7,3 Prozent der Krankenversicherung. Hinzu kommt ein kassenindividueller, einkommensabhÀngiger Zusatzbeitrag. Markus' Krankenkasse erhebt einen Zusatzbeitrag von 1,0 Prozent.

Bisher mussten Arbeitnehmer wie Markus den Zusatzbeitrag der Krankenkasse alleine tragen. Das hat sich aber 2019 geĂ€ndert, der Chef ĂŒbernimmt jetzt auch die HĂ€lfte des Zusatzbeitrags. Bei Markus bedeutet das ganz konkret: Er zahlt 7,3 Prozent Krankenversicherung plus die HĂ€lfte des Zusatzbeitrags, also 0,5 Prozent.

7,8 % (Krankenkassenbeitrag) von 1.900 Euro (Gehalt) = 148,20 Euro 

Übrigens:

Die SozialversicherungsbeitrÀge - dazu gehören die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung -  werden jeweils zur HÀlfte vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber getragen.

Wie hoch die Kosten fĂŒr eine private Krankenversicherung sind, lĂ€sst sich pauschal nicht sagen. Die Höhe richtet sich nach den Leistungen, die man in Anspruch nehmen will.

5. Rentenversicherung

Markus muss vorsorgen. Auch wenn er gerade erst mit seinem Beruf beginnt, denkt der Staat schon weiter und verpflichtet ihn, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Damit hat er im Alter einen Anspruch auf Rente.

9,3 % (Beitrag fĂŒr die Rentenversicherung) von 1.900 Euro (Gehalt) = 176,70 Euro

Auch Markus' Arbeitgeber muss 176,70 Euro fĂŒr die Rentenversicherung abfĂŒhren. Sie teilen sich die insgesamt 18,6 Prozent Rentenbeitragssatz zu gleichen Teilen. Dieser Satz gilt einheitlich fĂŒr ganz Deutschland.

6. Pflegeversicherung

Die Krankenversicherung hat ihre Grenzen. Und so zahlt sie nicht, wenn ein Arbeitnehmer pflegebedĂŒrftig wird. In diesem Fall greift die Pflegeversicherung. 2019 ist diese auf einheitlich 3,05 Prozent erhöht worden. Die BeitrĂ€ge teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer hĂ€lftig

1,525 % (Beitrag zur Pflegeversicherung) von 1.900 Euro (Gehalt) = 28,76 Euro

Eines gibt es bei der Pflegeversicherung aber zu beachten: Wer ĂŒber 23 Jahre alt ist und keine Kinder hat, zahlt einen Zuschlag von 0,25 Prozent oben drauf. Da Markus aber erst 21 Jahre alt ist, muss er noch keinen Zuschlag zahlen.

Übrigens:

Nur im Bundesland Sachsen ist die Verteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer anders - Arbeitnehmern mĂŒssen hier einen höheren Anteil zahlen als der Arbeitgeber.

7. Arbeitslosenversicherung

Damit ein Arbeitnehmer im Falle der Arbeitslosigkeit abgesichert ist, ist auch ein monatlicher Beitrag fĂŒr die Arbeitslosenversicherung fĂ€llig. Beamte und Soldaten sind davon befreit, genauso wie Mini-Jobber, die nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Markus gehört nicht zu diesen Berufsgruppen und muss zahlen. Er rechnet aus:

1,25 % (Beitrag zur Arbeitslosenversicherung) von 1.900 Euro (Gehalt) = 23,75 Euro

In der Regel zahlt auch hier der Arbeitgeber die andere HĂ€lfte der insgesamt 2,5 Prozent (Stand 2019).

Übrigens:

Alle VersicherungsbeitrÀge, die auf Ihrer Gehaltsabrechnung stehen, können Sie von der Steuer absetzen. Wie das funktioniert und welche Bedingungen gelten, erklÀrt unser Artikel Diese Versicherungen können Sie absetzen. 

Ihre individuelle Lohnabrechnung

Wie das alles bei Ihrem Gehalt konkret aussieht? Rechnen Sie es aus:

 


Lohnabrechnung gut aufheben

Es ist sinnvoll, die Lohnabrechnung aufzubewahren. Markus musste zum Beispiel gerade fĂŒr seine neue Wohnung bei seinem Vermieter die erste Lohnabrechnung vorlegen, um zu beweisen, dass er ein geregeltes Einkommen hat. Oft verlangen auch Kreditgeber einen solchen Nachweis. Eine gesetzliche Regelung zur Aufbewahrung gibt es allerdings nicht.

Markus wird zur Sicherheit seine Gehaltsabrechnungen von jedem Monat sammeln und aufheben. Erst wenn er seine SteuererklĂ€rung gemacht und schriftlich das endgĂŒltige Ergebnis vom Finanzamt zurĂŒck bekommt, wird er die Belege wegwerfen. Sein Arbeitgeber ist ĂŒbrigens dazu verpflichtet, die Lohnabrechnungen aufzubewahren.

Ein Mal im Jahr muss Markus' Chef ihm außerdem eine Übersicht darĂŒber geben, welches Gehalt er im Jahr erhalten hat und wie viel ihm davon beispielsweise fĂŒr die Krankenversicherung oder die Kirchensteuer abgezogen wird. Das nennt sich Lohnsteuerbescheinigung. Gleichzeitig schickt sein Chef die Daten elektronisch auch direkt an die Finanzverwaltung.

Als Großverdiener stĂ¶ĂŸt Markus an Grenzen

Ein Blick in die Zukunft: Nehmen wir an, Markus arbeitet inzwischen seit etlichen Jahren und ist in die Chefetage aufgestiegen. Sein Beitrag fĂŒr Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung wird immer noch auf Basis des Einkommens berechnet – allerdings nur bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe. Das ist die Beitragsbemessungsgrenze. FĂŒr das ĂŒber der Beitragsbemessungsgrenze liegende Gehalt zahlt Markus keinen Beitrag zu den Sozialversicherungen mehr.

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