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Doppelte Haushaltsführung: Diese Kosten können Sie absetzen

Wer aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung am Arbeitsort hat, also einen doppelten Haushalt führt, kann einen Teil der Kosten absetzen.

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Doppelte Haushaltsführung: Diese Kosten können Sie absetzen

Wenn Ihr Arbeitsplatz viele Kilometer von Ihrem Wohnort entfernt liegt, ist es manchmal notwendig, sich eine zweite Wohnung am Arbeitsort zu suchen. In der Regel liegt dann eine doppelte Haushaltsführung vor, das heißt: Sie haben einen Hauptwohnsitz und einen Zweitwohnsitz oder Nebenwohnsitz. An beiden Orten müssen Sie einen kompletten Haushalt finanzieren.

Da diese doppelten Ausgaben beruflich motiviert sind, können Sie einen Teil der Kosten von der Steuer absetzen.

Wann erkennt das Finanzamt die doppelte Haushaltsführung an?

Grundvoraussetzung, um die Kosten einer zusätzlichen Wohnung von der Steuer absetzen zu können, ist die Anerkennung der Wohnung als Zweitwohnsitz. Folgende Kriterien müssen dafür erfüllt sein:

1. Sie benötigen die Zweitwohnung aus beruflichen Gründen, weil Sie zu weit von Ihrem Arbeitsort weg wohnen, um täglich zur Arbeit fahren zu können.

Früher galt das Prinzip, dass der Weg zur Arbeit "zumutbar" sein muss. Aber was bedeutet "zumutbar"? Darüber kam es immer wieder zu Streitfällen zwischen Steuerzahlern und Finanzämtern. Daher hat der Gesetzgeber im Jahr 2014 definiert, dass der Nebenwohnsitz einen bestimmten Abstand vom Arbeitsplatz haben muss: Er darf nur halb so weit von der Arbeit entfernt liegen wie der Erstwohnsitz. Gerechnet wird dabei mit der kürzesten Straßenverbindung.

Maximale Entfernung zwischen Zweitwohnsitz und Arbeitsplatz


Beispiel: Angenommen, die Entfernung vom Hauptwohnsitz zur Arbeit beträgt 150 Kilometer, dann darf die Zweitwohnung nur höchstens 75 Kilometer vom Arbeitsort entfernt liegen.

Übrigens:

Eine Nebenwohnung, die lediglich als Ferienort dient und nur in der Urlaubszeit besucht wird, ist kein Zweitwohnsitz – schließlich ist die Anschaffung nicht beruflich motiviert. Bei einer Blockhütte in den Bergen, beim Wochenendhaus am See oder bei der Gartenlaube akzeptiert das Finanzamt also nicht die doppelte Haushaltsführung. Je nach Stadt oder Region in Deutschland müssen Sie für die zusätzliche Wohnung außerdem eine sogenannte Zweitwohnungssteuer zahlen.

2. Ihr Zweitwohnsitz ist nicht Ihr „Lebensmittelpunkt“

Doppelte Haushaltsführung

Laut Statistischem Bundesamt führen in Deutschland etwa 391.000 Arbeitnehmer einen doppelten Haushalt. Der Wohnort dieser Arbeitnehmer liegt so weit vom Arbeitsort entfernt, dass ein tägliches Pendeln nicht möglich ist und sie sich eine Zweitwohnung in der Nähe ihres Arbeitsplatzes suchen müssen. Steuerrechtlich liegt dann eine sogenannte doppelte Haushaltsführung vor. Die Statistiken zeigen, dass viele Pendler mit doppeltem Haushalt aus den ländlichen Regionen der neuen Bundesländer kommen.


Die Kosten für eine weitere Wohnung können Sie immer dann als doppelte Haushaltsführung absetzen, wenn der Nebenwohnsitz nicht zum "Lebensmittelpunkt" bzw. zum Hauptwohnsitz wird. Die entscheidende Frage lautet: Ist die Wohnung am Heimatort der Lebensmittelpunkt oder die Wohnung am Beschäftigungsort? Folgende Kriterien zieht ein Finanzbeamter zu Rate, um diese Frage zu beantworten:

  • Größe und Ausstattung der beiden Wohnungen
  • Dauer und Häufigkeit der Aufenthalte
  • Absehbarkeit und Dauer der auswärtigen Beschäftigung
  • soziale Kontakte zur Familie, zu Freunden und Bekannten sowie Vereinszugehörigkeiten

Beispiel: Ist Ihre Wohnung am Beschäftigungsort größer als am Heimatort und sind Sie häufiger und länger an Ihrem Zweitwohnsitz, dann gilt Ihre "Zweitwohnung" in den Augen des Finanzamts wahrscheinlich als Lebensmittelpunkt. Die Kosten für eine doppelte Haushaltsführung werden folglich nicht anerkannt.

Übrigens:

Nicht nur Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner können einen doppelten Haushalt führen. Auch bei Alleinstehenden ist das grundsätzlich möglich. So ist beispielsweise bei älteren, wirtschaftlich selbstständigen und berufstätigen Kindern, die mit Ihren Eltern in einem gemeinsamen Haushalt leben, davon auszugehen, dass sie den Haushalt maßgeblich mitbestimmen. Die Vermutung, dass ein eigener Hausstand bei dem älteren Kind besteht, gilt insbesondere, wenn das Kind am weiter entfernt liegenden Arbeitsplatz eine Zweitwohnung nutzt, die nur als Schlafplatz dient. In diesem Fall können die Kosten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung steuerlich geltend gemacht werden.
Das geht auf ein Urteil am Finanzgericht München zurück (15 K 1981/12, rkr).

3. Sie zahlen mindestens 10 Prozent der Kosten am Hauptwohnsitz

Seit einigen Jahren gilt die Regel: Als Mieter einer zweiten Wohnung müssen Sie mehr als 10 Prozent der laufenden Kosten (Miete, Nebenkosten) am Hauptwohnsitz bezahlen. Nur dann können Sie die Kosten für den Zweitwohnsitz als doppelte Haushaltsführung beim Finanzamt geltend machen.
Die Regelung trifft zum Beispiel die meisten Azubis und einige Studierende. Diese können, weil sie kostenlos bei den Eltern leben, keine zweite Wohnung am Ausbildungsort steuerlich geltend machen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel Student kann Miete absetzen.

Gemietete Nebenwohnung: Folgende Ausgaben können Sie absetzen

Einen Teil der Kosten, den Sie für Ihren Zweitwohnsitz zahlen, können Sie als Werbungskosten in Ihrer Steuererklärung geltend machen. Als Kosten für die Unterkunft sind maximal 1.000 Euro im Monat absetzbar. Dazu gehören folgende Kosten:

  • Miete
  • Nebenkosten (z. B. Heizung, Wasser, Strom)
  • Kosten für die Reinigung von Keller oder Treppenhaus
  • Kosten für die Müllabfuhr, den Schornsteinfeger oder die Straßenreinigung
  • Rundfunkgebühren
  • Kosten für einen Kfz-Stellplatz
  • Kosten für "notwendige" Einrichtungsgegenstände wie Küche, Bett, Schrank, Tisch, Stühle, Kühlschrank, Duschvorhang oder Nachttisch. Als notwendig gelten alle Gegenstände, die laut Finanzgericht Köln "zur Führung eines geordneten Haushalts notwendig sind" (Urteil vom 5.2.1992). Genauere Angaben macht das Finanzgericht nicht. Dabei gilt: Einrichtungsgegenstände, die nicht mehr als 410 Euro netto kosten, können Sie noch im Anschaffungsjahr steuerlich geltend machen. Einrichtungsgegenstände, die dagegen den Nettowert von 410 Euro übersteigen, müssen Sie über mehrere Jahre abschreiben. Das nennt sich auch Absetzung für Abnutzung (AfA).
  • Zweitwohnungssteuern: Die Zweitwohnungssteuern müssen nur in bestimmten Fällen gezahlt werden. Generell befreit von der Steuer sind beispielsweise Verheiratete, die nur aus beruflichen Gründen eine Nebenwohnung unterhalten. Das entschied das Bundesverfassungsgericht.
  • Kosten für Sondernutzungen: Beispielsweise wenn ein Garten mit zur Zweitwohnung gehört und Sie selbst die Kosten für die Pflege des Gartens tragen müssen.

Zusätzlich zu den Unterkunftskosten können weitere Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden:

  • Maklerkosten: Kosten für die Suche Ihrer Zweitwohnung, also Anzeigen im Internet oder in der Zeitung sowie Maklergebühren.
  • Umzugskosten: Dazu gehören Kosten für Kartons, Umzugswagen oder Einräumhelfer. Weitere Details erfahren Sie in unserem Überblick Umzug aus beruflichen Gründen: Kosten absetzen.
  • Fahrtkosten: z. B. Kosten für eine Fahrt nach Hause unter der Woche: 30 Cent pro Kilometer oder stattdessen ein 15-minütiges Telefongespräch einmal in der Woche zu einem Euro pro Gesprächsminute.
  • Verpflegungsmehraufwand: Innerhalb der ersten drei Monate können Sie für jeden Tag, den Sie an Ihrem Zweitwohnsitz am Arbeitsort verbringen, pauschal 24 Euro für Essen und Trinken als Werbungskosten geltend machen. Zusätzlich gilt pauschal 12 Euro für Essen und Trinken an jedem Tag, an dem Sie von der neuen Wohnung nach Hause oder von dort zurück an Ihren Arbeitsort fahren.
  • Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer
  • Renovierungsarbeiten wie Streichen, Tapezieren, Teppich ausbessern oder Parkett abschleifen

Übrigens:

Für die Steuererklärungen 2014, 2015 und 2016 gelten die neuen Regeln. Erstellen Sie aber eine Steuererklärung für das Jahr 2013 oder die Jahre davor, werden die alten Regeln zur Entfernung und zur Höhe der absetzbaren Kosten berücksichtigt:

Bis Ende 2013 spielte es keine Rolle, wie weit die Zweitwohnung vom Arbeitsplatz entfernt war. Es galt lediglich, dass die Entfernung "zumutbar" sein musste.

Wenig konkret war auch die Obergrenze für die Kosten der Zweitwohnung. Als Maximalwert für die Mietkosten galt der Betrag, der für eine 60 Quadratmeter große Wohnung in der jeweiligen Wohngegend üblich war. Die Folge: Wer in der Münchner Innenstadt eine Nebenwohnung hatte, konnte mehr Kosten absetzen als ein Arbeitnehmer mit einer zweiten Wohnung in der brandenburgischen Provinz.

Gekaufte Nebenwohnung: Diese Kosten können Sie absetzen

Auch wenn Sie die Zweitwohnung kaufen statt mieten, können Sie die oben genannten Werbungskosten als doppelte Haushaltsführung von der Steuer absetzen. Hinzu kommen die jährliche Abschreibung der Anschaffungskosten, Zinsen für den Kauf der Wohnung aufgenommener Kredite, Renovierungskosten, Nebenkosten und die Zweitwohnungssteuer.

Wichtig: Auch hier gilt, dass Sie maximal 1.000 Euro monatlich geltend machen dürfen.

Mit dem Partner in der zusätzlichen Wohnung wohnen – und trotzdem Kosten absetzen

Sie leben mit Ihrem Ehe- bzw. Lebenspartner gemeinsam an Ihrem Zweitwohnsitz? Dann muss Ihr Finanzamt anhand des Einzelfalls prüfen, ob die Hauptwohnung noch der Lebensmittelpunkt ist und somit eine doppelte Haushaltsführung vorliegt (Bundesfinanzhof, Aktenzeichen VI R 16/14). Das gilt sowohl, wenn Sie und Ihr Partner berufstätig sind, unter der Woche gemeinsam in Ihrer Zweitwohnung leben und von dort aus zu Ihrer Arbeitsstelle fahren, als auch, wenn ein Partner nicht berufstätig ist und dennoch die Woche über in der zweiten Wohnung lebt.
Erkennt das Finanzamt Ihren Zweitwohnsitz an, dann gilt:

  • Fall 1: Beide Eheleute bzw. Lebenspartner sind berufstätig Dann kann jeder von Ihnen die Kosten für die Nebenwohnung von der Steuer absetzen, nämlich die Unterkunftskosten jeweils zur Hälfte. Das sind maximal 1.000 Euro pro Monat für jeden. Sie sowie Ihr Partner können außerdem in den ersten drei Monaten die vollen Verpflegungspauschbeträge geltend machen (BMF-Schreiben vom 30.9.2013 und BStBl. 2013 I S.1279, Tz. 100).
  • Fall 2: Nur ein Partner ist berufstätig, der andere nicht
    Dann trägt nur die berufstätige Person die Zweitwohnungskosten in die Steuererklärung ein.

Einen Zweitwohnsitz nachweisen

Die VLH empfiehlt Argumente dafür zu sammeln, dass Ihr Lebensmittelpunkt immer noch am Hauptwohnort ist:

  • Belegen Sie möglichst viele Fahrten nach Hause, nämlich durch ein Fahrtenbuch.
  • Nehmen Sie keine Wohnung als Zweitwohnsitz, die größer ist als Ihre Wohnung am Hauptwohnsitz.
  • Vorteile haben Sie, wenn Sie soziale Bindungen an Ihrem Heimatort belegen können, z. B. Mitgliedschaften bei einem Verein, kulturelle Aktivitäten oder soziale Kontakte.

Fügen Sie alle Belege – also Fahrtenbuch, Kopie des Mietvertrags der zweiten Wohnung, Kopie von Vereinsmitgliedschaften, Theaterkarten usw. – zu Ihrer Steuererklärung.

Übrigens:

Das ist Ihnen zu aufwendig? Die Beraterinnen und Berater der VLH kennen sich in Sachen doppelter Haushaltsführung aus und helfen Ihnen gerne weiter. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Beratersuche.

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