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Doppelte Haushaltsführung: Diese Kosten können Sie absetzen

Wer aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung am Arbeitsort hat, also einen doppelten Haushalt führt, kann einen Teil der Kosten absetzen.

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Doppelte Haushaltsführung: Diese Kosten können Sie absetzen

Tobias' Arbeitsplatz liegt viele Kilometer von seinem Wohnort entfernt, daher hat er sich eine zweite Wohnung am Arbeitsort gesucht. In einem solchen Fall, liegt in der Regel eine doppelte Haushaltsführung vor, das heißt: Tobias hat einen Hauptwohnsitz und einen Zweitwohnsitz bzw. Nebenwohnsitz. An beiden Orten muss er einen kompletten Haushalt finanzieren.

Da diese doppelten Ausgaben beruflich motiviert sind, kann er einen Teil der Kosten von der Steuer absetzen.

Wann erkennt das Finanzamt die doppelte Haushaltsführung an?

Grundvoraussetzung, um die Kosten einer zusätzlichen Wohnung von der Steuer absetzen zu können, ist die Anerkennung der Wohnung als Zweitwohnsitz. Folgende drei Kriterien müssen dafür erfüllt sein:

1. Sie benötigen die Zweitwohnung aus beruflichen Gründen, weil Sie zu weit von Ihrem Arbeitsort weg wohnen, um täglich zur Arbeit fahren zu können.

Früher galt das Prinzip, dass der Weg zur Arbeit "zumutbar" sein muss. Aber was bedeutet "zumutbar"? Darüber kam es immer wieder zu Streitfällen zwischen Steuerzahlern und Finanzämtern. Daher hat der Gesetzgeber im Jahr 2014 definiert, dass der Nebenwohnsitz einen bestimmten Abstand vom Arbeitsplatz haben muss: Er darf nur halb so weit von der Arbeit entfernt liegen wie der Erstwohnsitz. Gerechnet wird dabei mit der kürzesten Straßenverbindung.

Maximale Entfernung zwischen Zweitwohnsitz und Arbeitsplatz


Beispiel: Im Fall von Tobias beträgt die Entfernung von seinem Hauptwohnsitz zur Arbeit 150 Kilometer, daher darf seine Zweitwohnung nur höchstens 75 Kilometer vom Arbeitsort entfernt liegen.

Übrigens:

Eine Nebenwohnung, die lediglich als Ferienort dient und nur in der Urlaubszeit besucht wird, ist kein Zweitwohnsitz – schließlich ist die Anschaffung nicht beruflich motiviert. Bei einer Blockhütte in den Bergen, beim Wochenendhaus am See oder bei der Gartenlaube akzeptiert das Finanzamt also nicht die doppelte Haushaltsführung. Je nach Stadt oder Region in Deutschland müssen Sie für die zusätzliche Wohnung außerdem eine sogenannte Zweitwohnungssteuer zahlen.

2. Ihr Zweitwohnsitz ist nicht Ihr „Lebensmittelpunkt“

Doppelte Haushaltsführung

Laut Statistischem Bundesamt führen in Deutschland etwa 391.000 Arbeitnehmer einen doppelten Haushalt. Der Wohnort dieser Arbeitnehmer liegt so weit vom Arbeitsort entfernt, dass ein tägliches Pendeln nicht möglich ist und sie sich eine Zweitwohnung in der Nähe ihres Arbeitsplatzes suchen müssen.


Die Kosten für eine weitere Wohnung können Sie immer dann als doppelte Haushaltsführung absetzen, wenn der Nebenwohnsitz nicht zum "Lebensmittelpunkt" bzw. zum Hauptwohnsitz wird. Die entscheidende Frage lautet: Ist die Wohnung am Heimatort der Lebensmittelpunkt oder die Wohnung am Beschäftigungsort?

Folgende Kriterien zieht ein Finanzbeamter zu Rate, um diese Frage zu beantworten:

  • Größe und Ausstattung der beiden Wohnungen
  • Dauer und Häufigkeit der Aufenthalte
  • Absehbarkeit und Dauer der auswärtigen Beschäftigung
  • soziale Kontakte zur Familie, zu Freunden und Bekannten

Ein Beispiel: Tobias Arbeitskollegin Judith hat am Beschäftigungsort eine Wohnung, die größer ist als an ihrem Heimatort. Zudem ist sie häufiger und länger an Ihrem Zweitwohnsitz. Aus diesem Grund gilt Judiths Zweitwohnung in den Augen des Finanzamts als Lebensmittelpunkt. Die Kosten für eine doppelte Haushaltsführung werden ihr folglich nicht anerkannt.

Die VLH empfiehlt Argumente dafür zu sammeln, dass Ihr Lebensmittelpunkt weiterhin am Hauptwohnort ist:

  • Belegen Sie möglichst viele Fahrten nach Hause, nämlich durch ein Fahrtenbuch.
  • Nehmen Sie keine Wohnung als Zweitwohnsitz, die größer ist als Ihre Wohnung am Hauptwohnsitz.
  • Vorteile haben Sie, wenn Sie soziale Bindungen an Ihrem Heimatort belegen können, z. B. Mitgliedschaften bei einem Verein, kulturelle Aktivitäten oder soziale Kontakte.

Fügen Sie alle Belege – also Fahrtenbuch, Kopie des Mietvertrags der zweiten Wohnung, Kopie von Vereinsmitgliedschaften, Theaterkarten usw. – Ihrer Steuererklärung bei.

Übrigens:

Das ist Ihnen zu aufwendig? Die Beraterinnen und Berater der VLH kennen sich in Sachen doppelter Haushaltsführung aus und helfen Ihnen gerne weiter. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Beratersuche.

3. Sie zahlen mindestens 10 Prozent der Kosten am Hauptwohnsitz

Seit einigen Jahren gilt die Regel: Als Mieter einer zweiten Wohnung müssen Sie mehr als 10 Prozent der laufenden Kosten (Miete, Nebenkosten) am Hauptwohnsitz bezahlen. Nur dann können Sie die Kosten für den Zweitwohnsitz als doppelte Haushaltsführung beim Finanzamt geltend machen. Die Regelung trifft zum Beispiel die meisten Azubis und einige Studierende. Diese können, weil sie kostenlos bei den Eltern leben, keine zweite Wohnung am Ausbildungsort steuerlich geltend machen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel Student kann Miete absetzen.

Übrigens:

Nicht nur Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner können einen doppelten Haushalt führen, auch bei Alleinstehenden ist das möglich. So beispielsweise bei wirtschaftlich selbstständigen und berufstätigen Kindern, die mit Ihren Eltern in einem gemeinsamen Haushalt leben. Wenn das Kind am weit entfernt liegenden Arbeitsplatz eine Zweitwohnung nutzt, die nur als Schlafplatz dient und es durchschnittlich zwei Mal im Monat nachhause fährt, können die Kosten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung steuerlich geltend gemacht werden. Das geht auf ein Urteil am Finanzgericht München zurück (Aktenzeichen 15 K 1981/12).

Gemietete Nebenwohnung: Folgende Ausgaben können Sie absetzen

Da Tobias alle drei Kriterien einer doppelten Haushaltsführung erfüllt, kann er einen Teil der Kosten, die er für seinen Zweitwohnsitz zahlt, als Werbungskosten in seiner Steuererklärung geltend machen. Wichtig: Als Kosten für eine Unterkunft in Deutschland sind seit 2014 nur maximal 1.000 Euro im Monat absetzbar. Dazu gehören folgende Kosten:

  • Miete
  • Nebenkosten (z. B. Heizung, Wasser, Strom)
  • Kosten für die Reinigung von Keller oder Treppenhaus
  • Kosten für die Müllabfuhr, den Schornsteinfeger oder die Straßenreinigung
  • Rundfunkgebühren
  • Kosten für einen Kfz-Stellplatz
  • Zweitwohnungssteuern: Die Zweitwohnungssteuer muss nur in bestimmten Fällen gezahlt werden. Generell befreit von der Steuer sind beispielsweise Verheiratete, die nur aus beruflichen Gründen eine Nebenwohnung unterhalten. Das entschied das Bundesverfassungsgericht.
  • Kosten für Sondernutzungen: Beispielsweise wenn ein Garten mit zur Zweitwohnung gehört und Sie selbst die Kosten für die Pflege des Gartens tragen müssen.

Zusätzlich zu den Unterkunftskosten kann Tobias weitere Werbungskosten steuerlich geltend machen:

  • Maklerkosten: Kosten für die Suche Ihrer Zweitwohnung, also Anzeigen im Internet oder in der Zeitung sowie Maklergebühren.
  • Umzugskosten: Dazu gehören Kosten für Kartons, Umzugswagen oder Einräumhelfer. Weitere Details erfahren Sie in unserem Überblick Umzug aus beruflichen Gründen: Kosten absetzen.
  • Renovierungsarbeiten wie Streichen, Tapezieren, Teppich ausbessern oder Parkett abschleifen
  • Kosten für "notwendige" Einrichtungsgegenstände wie Küche, Bett, Schrank, Tisch, Stühle, Kühlschrank, Duschvorhang oder Nachttisch. So entschied 2017 das FG Düsseldorf (Aktenzeichen 3 K 1216/16 E). Das Urteil ist allerdings beim BFH zu Revision zugelassen. Dabei gilt: Einrichtungsgegenstände, die nicht mehr als 410 Euro netto kosten, können Sie noch im Anschaffungsjahr steuerlich geltend machen. Einrichtungsgegenstände, die dagegen den Nettowert von 410 Euro übersteigen, müssen Sie über mehrere Jahre abschreiben. Das nennt sich auch Absetzung für Abnutzung (AfA).
  • Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer
  • Fahrtkosten für eine Fahrt nach Hause unter der Woche: 30 Cent für die einfache Strecke oder stattdessen ein 15-minütiges Telefongespräch einmal in der Woche zu einem Euro pro Gesprächsminute.
  • Verpflegungsmehraufwand: Innerhalb der ersten drei Monate können Sie für jeden Tag, den Sie an Ihrem Zweitwohnsitz am Arbeitsort verbringen, pauschal 24 Euro für Essen und Trinken als Werbungskosten geltend machen.

Übrigens:

Für die Steuererklärungen 2014, 2015 und 2016 gelten die neuen Regeln. Erstellen Sie aber eine Steuererklärung für das Jahr 2013 oder die Jahre davor, werden die alten Regeln zur Entfernung und zur Höhe der absetzbaren Kosten berücksichtigt:

Bis Ende 2013 spielte es keine Rolle, wie weit die Zweitwohnung vom Arbeitsplatz entfernt war. Es galt lediglich, dass die Entfernung "zumutbar" sein musste.

Wenig konkret war auch die Obergrenze für die Kosten der Zweitwohnung. Als Maximalwert für die Mietkosten galt der Betrag, der für eine 60 Quadratmeter große Wohnung in der jeweiligen Wohngegend üblich war. Die Folge: Wer in der Münchner Innenstadt eine Nebenwohnung hatte, konnte mehr Kosten absetzen als ein Arbeitnehmer mit einer zweiten Wohnung in der brandenburgischen Provinz.

Gekaufte Nebenwohnung: Diese Kosten können Sie absetzen

Auch wenn Tobias seine Zweitwohnung kaufen statt mieten würde, könnte er die oben genannten Werbungskosten als doppelte Haushaltsführung von der Steuer absetzen. Hinzu kämen die jährliche Abschreibung der Anschaffungskosten, Zinsen für den Kauf der Wohnung aufgenommener Kredite, Renovierungskosten, Nebenkosten und die Zweitwohnungssteuer.

Wichtig: Auch hier gilt, dass maximal 1.000 Euro monatlich geltend gemacht werden dürfen.

Mit dem Partner in der zusätzlichen Wohnung wohnen – und trotzdem Kosten absetzen

Tobias ist verheiratet und lebt mit seiner Ehepartnerin gemeinsam am Zweitwohnsitz. Daher muss sein Finanzamt anhand des Einzelfalls prüfen, ob die Hauptwohnung noch der Lebensmittelpunkt ist und somit eine doppelte Haushaltsführung vorliegt (Bundesfinanzhof, Aktenzeichen VI R 16/14). Das gilt sowohl, wenn er und seine Partnerin berufstätig sind, unter der Woche gemeinsam in Ihrer Zweitwohnung leben und von dort aus zu Ihrer Arbeitsstelle fahren, als auch, wenn ein Partner nicht berufstätig ist und dennoch die Woche über in der zweiten Wohnung lebt.

Erkennt das Finanzamt Ihren Zweitwohnsitz an, dann gilt:

  • Fall 1: Beide Eheleute bzw. Lebenspartner sind berufstätig
    Dann kann jeder von Ihnen die Kosten für die Nebenwohnung von der Steuer absetzen, nämlich die Unterkunftskosten jeweils zur Hälfte. Das sind maximal 1.000 Euro pro Monat für jeden. Sie sowie Ihr Partner können außerdem in den ersten drei Monaten die vollen Verpflegungspauschbeträge geltend machen (BMF-Schreiben vom 30.9.2013 und BStBl. 2013 I S.1279, Tz. 100).
  • Fall 2: Nur ein Partner ist berufstätig, der andere nicht
    Dann trägt nur die berufstätige Person die Zweitwohnungskosten in die Steuererklärung ein.
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