Steuerklasse IV (4) mit Faktor: Das sind die Vorteile
15.06.2026
Früher konnten sich Ehepaare zwischen zwei möglichen Steuerklasse-Kombinationen entscheiden:
- Steuerklasse III (3) und V (5) oder
- Steuerklasse IV (4) und IV (4).
Seit 2010 dürfen Ehepaare zusätzlich eine Kombination aus Steuerklasse IV (4) und IV (4) mit Faktor wählen. Durch den Faktor berücksichtigt das Finanzamt den Splittingvorteil bereits während des Jahres. Das heißt: Das Finanzamt errechnet dafür zunächst die voraussichtliche Einkommensteuer des Ehepaares nach dem Splittingverfahren. Anschließend wird daraus ein Faktor gebildet, den der/die Arbeitgeber/in beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Somit werden Steuernachzahlungen weitgehend vermieden.
Ein Beispiel: Anna arbeitet nur wenige Stunden pro Woche als Midijobberin und kümmert sich ansonsten hauptsächlich um die Kinder, während Sven in Vollzeit arbeiten geht. Schaut man sich das Nettoeinkommen der beiden an, dann trägt Anna ungefähr 24 Prozent dazu dabei und Sven 76 Prozent. Das ist ein großer Unterschied. Als die beiden heiraten, werden sie automatisch Steuerklasse IV (4) und IV (4) ohne Faktor zugeteilt. Wechseln sie allerdings in Steuerklasse IV (4) und IV (4) mit Faktor, erhält Sven von nun an mehr Netto, während Annas Verdienst gleich bleibt. Auf der monatlichen Gehaltsabrechnung steht zur Erkennung bei beiden je ein Faktor von 0,740.
Steuerklasse IV (4) ist gerechter
Fazit: Steuerklasse 4 mit Faktor sorgt dafür, dass sich die Lohnsteuerlasten innerhalb der Partnerschaft gerechter verteilen. Denn jede/r zahlt nur den Lohnsteueranteil, den er/sie am gemeinsamen Einkommen hat.
Würden Sven und Anna die Steuerklassen-Kombination III (3) und V (5) wählen, hätten sie zwar zusammen monatlich mehr Nettoeinkommen, müssten aber mit einer Steuernachzahlung rechnen. Außerdem verteilen sich hier die Lohnsteuerlasten ungerecht innerhalb der Partnerschaft, da Anna in Steuerklasse 5 ungleich höhere Abzüge hat. Aus diesem Grund ist geplant, die Steuerklassenkombination III/V ab 1. Januar 2030 in das Faktorverfahren zu überführen. Das Ehegattensplitting selbst soll dadurch nicht abgeschafft werden.
Wie errechnet sich der Faktor?
| voraussichtliche Einkommensteuer beider Ehegatten im Splittingverfahren | 4.780 Euro |
| Summe der berechneten Lohnsteuer beider Ehegatten (bei Steuerklasse 4/4, ohne Faktor) | 4.939 Euro |
| der Faktor beträgt also 4.780/4.939 | 0,967 |
ÜBRIGENS:
Wenn Sie sich für Steuerklasse IV (4) mit Faktor entscheiden, sind Sie damit auch zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Das gilt aber auch bei Steuerklasse 3 und 5.
Steuerklasse 4 mit Faktor beantragen
Das Faktorverfahren müssen Sie aktiv beim Finanzamt beantragen – und zwar alle zwei Jahren erneut. Der Antrag ist aufwendiger als ein einfacher Wechsel der Steuerklassenkombination in 3/5. Deshalb lohnt sich das Faktorverfahren nicht immer. Wenn die Gehaltsunterschiede zwischen beiden Ehepartnern nur gering sind, steht der zusätzliche Aufwand häufig nicht im Verhältnis zum Nutzen.
Zudem gilt: Viele Lohnersatzleistungen, wie Arbeitslosen-, Kranken-, Mutterschafts- oder Elterngeld, orientieren sich am bisherigen Nettoeinkommen. Weil Steuerklasse III (3) in der Regel zu einem höheren Netto führt als IV (4) mit Faktor, kann die Steuerklassenwahl die Höhe solcher Leistungen beeinflussen. Wenn Sie also die Steuerklasse wechseln wollen oder das Faktorverfahren wählen, sollten Sie vorab prüfen, welche Auswirkungen das auf mögliche Lohnersatzleistungen hat – besonders, wenn demnächst Elterngeld ansteht.
Steuerklassen-Kombination clever wählen
Verdient ein/e Ehepartner/in ungefähr 60 Prozent des Familienverdienstes, lohnt sich ein Wechsel in Steuerklasse III (3) und V (5). Der/Die Besserverdienende hat damit in Steuerklasse III (3) deutlich weniger Abzüge. Der Nachteil: Je größer die Schere zwischen den beiden Gehältern ist, desto höher ist am Ende des Jahres meist auch die Steuernachzahlung. Das kann man eventuell mit Wahl der Steuerklassen-Kombination IV mit Faktor umgehen. Das heißt: Steuerklasse IV (4) und IV (4) mit Faktor bietet sich vor allem für Paare an, die unterschiedlich verdienen, beide Arbeitslohn beziehen und größere Nachzahlungen vermeiden möchten. Daher unser Tipp, sich bei der Wahl der Steuerklasse von Profis beraten zu lassen.