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Nichtveranlagungsbescheinigung – was ist das?

Wer wenig verdient, aber hohe Kapitalerträge hat, kann eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Wir zeigen, was das bringt!

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Nichtveranlagungsbescheinigung – was ist das?

In Deutschland gibt es einen sogenannten Grundfreibetrag. Dieser Grundfreibetrag sichert das Existenzminimum ab – sorgt also dafür, dass jedem Deutschen genug Geld für den „alltäglichen Mindestbedarf“ für beispielsweise Ernährung, Kleidung und Miete bleibt. Aktuell, also 2017, sind 8.820 Euro pro Jahr für Singles und 17.640 Euro pro Jahr für Verheiratete steuerfrei.

Wer neben dem Gehalt auch noch Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden hat, muss diese Einkünfte zum Gehalt dazu addieren. Bleibt man dann trotzdem unter dem Grundfreibetrag, lohnt sich eine Nichtveranlagungsbescheinigung, kurz NV Bescheinigung. Denn wer wenig verdient und hohe Kapitalerträge hat, kann eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen und Steuern sparen.

Warum lohnt sich die Nichtveranlagungsbescheinigung?

Um zu verstehen, warum sich eine Nichtveranlagungsbescheinigung lohnt, muss man an anderer Stelle beginnen: Grundsätzlich steht jedem Sparer ein sogenannter Sparerfreibetrag zu. Das bedeutet: Kapitalerträge bis zu 801 Euro im Jahr sind für Singles steuerfrei, erst wenn der Gewinn darüber liegt, wird die sogenannte Abgeltungssteuer fällig. Das heißt: Auf jeden Euro, der über 801 Euro liegt, müssen Sie 25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer zahlen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel rund um die Abgeltungssteuer. Ehepaaren steht übrigens ein Freibetrag von 1.602 Euro zu.

Mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung können Sie auch höhere Kapitalerträge als 801 Euro haben, zum Beispiel 900 Euro, und müssen trotzdem keine Steuern bezahlen. Denn diese Bescheinigung stellt Sie von der Abgeltungssteuer frei.

Wichtig: Voraussetzung für eine Nichtveranlagungsbescheinigung ist, dass Sie mit Ihren gesamten Einnahmen – also zum Beispiel Gehalt und Kapitalerträge – unter dem Grundfreibetrag bleiben.

Im Überblick:

Gehalt + Kapitalerträge < Grundfreibetrag → Nichtveranlagungsbescheinigung:
Kapitalerträge sind über die Grenze von 801 Euro hinaus steuerfrei

Gehalt + Kapitalerträge > Grundfreibetrag → Freistellungsauftrag:
Kapitalerträge bis 801 Euro bleiben steuerfrei

Für wen lohnt sich die NV Bescheinigung besonders?

Die NV Bescheinigung lohnt sich also vor allem für Menschen mit geringen Einkünften. Dazu gehören beispielsweise Rentner, Studenten und Minijobber.

Wo bekomme ich eine Nichtveranlagungsbescheinigung her?

Bei Ihrem Finanzamt bekommen Sie einen zweiseitigen Antrag, den Sie ausfüllen müssen. Neben allgemeinen Informationen wie Name und Adresse, Angaben zum Ehepartner und Kindern, tragen Sie dort Ihre ganzen Einkünfte – also alles, was Sie in einem Jahr an Geld bekommen – ein.

Das Formular „Antrag auf Ausstellung einer Nichtveranlagungs- (NV-) Bescheinigung“, wie es ganz offiziell heißt, finden Sie auch online im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung.

Übrigens:

Sie sind sich nicht sicher, was alles zu Ihren Einkünften zählt? Unsere Beraterinnen und Berater helfen Ihnen im Rahmen einer Mitgliedschaft gerne weiter – und füllen sogar die Nichtveranlagungsbescheinigung für Sie aus. Finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

Prüft das Finanzamt alle Angaben?

Das Finanzamt kann prüfen, ob Ihre Angaben auch wirklich stimmen. Denn seit 1. Januar 2013 sind alle Banken dazu verpflichtet, die Kapitalerträge ihrer Kunden an das Bundeszentralamt für Steuern zu melden. So kann das Finanzamt sogar nachträglich nachvollziehen, ob Sie Ihre Kapitalerträge korrekt angegeben haben.

Muss ich die NV-Bescheinigung bei der Bank abgeben?

Sobald Sie vom Finanzamt Ihre Nichtveranlagungsbescheinigung bekommen haben, müssen Sie die Bescheinigung an Ihre Bank weiterleiten. Ihre Bank darf Ihnen danach Ihre Kapitalerträge ohne Abzug von Abgeltungssteuer auszahlen. Wichtig: Haben Sie Kapitalerträge bei mehreren Banken, muss natürlich jede Bank die NV Bescheinigung erhalten.

Wie lange ist die Nichtveranlagungsbescheinigung gültig?

Grundsätzlich wird die Nichtveranlagungsbescheinigung für drei Jahre ausgestellt und sie endet zum Jahresende des dritten Jahres. Ist diese Zeit vorbei, müssen Sie einen neuen Antrag stellen. Ändert sich Ihre finanzielle Situation – Sie haben höhere Einkünfte als früher – müssen Sie die Bescheinigung zurückgeben. Auch das Finanzamt kann die Nichtveranlagungsbescheinigung zurückfordern. Ist das der Fall, müssen Sie zu Ihrer Bank gehen und die Nichtveranlagungsbescheinigung dort wieder abholen.

Übrigens:

Sollten Ihre Einnahmen über dem Grundfreibetrag liegen, können Sie keine NV Bescheinigung beantragen. Denken Sie deshalb unbedingt daran, der Bank einen Freistellungsauftrag zu erteilen – so bleiben Ihre Kapitalerträge immerhin bis zu 801 Euro pro Jahr steuerfrei.

 

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