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Was sind Spenden und wie setzt man sie ab?

Spenden an eine steuerbegünstigte Organisation – wie zum Beispiel einen gemeinnützigen Verein – sind als Sonderausgaben von der Steuer absetzbar.

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Was sind Spenden und wie setzt man sie ab?

Es spendeten zwar immer weniger Menschen in Deutschland, dafür stieg die durchschnittliche Spendensumme pro Kopf aber auf 146 Euro an. Das ist ein Ergebnis des Deutschen Spendenmonitors 2015. Insgesamt wurden rund 4 Milliarden Euro an gemeinnützige Organisationen gespendet. Das hilft nicht nur den Organisationen, sondern auch den Spendern. Denn Spenden können als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Vor allem bei Spenden im Katastrophenfall zeigt der Fiskus ein Herz für Wohltäter.

Was ist eine Spende?

Eine Spende ist eine freiwillige Ausgabe, für die man keine Gegenleistung erwartet. Egal ob Geldsegen, Altkleiderspende oder die ehrenamtliche Arbeit – damit eine Zuwendung abgesetzt werden kann, muss sie an eine steuerbegünstigte Organisation geleistet werden.

Welche Organisationen sind begünstigt?

Zu den steuerbegünstigten Organisationen gehören beispielsweise Kirchen, Universitäten, staatliche Museen, gemeinnützige Vereine und Stiftungen, aber auch politische Parteien. Letztere haben allerdings eine Sonderstellung im Steuerrecht.

Ganz grundsätzlich muss die Organisation ihren Sitz in Deutschland haben. Eine milde Gabe an einen Bettler oder in den Klingelbeutel beim sonntäglichen Kirchenbesuch erkennt das Finanzamt nicht als Spende an.

Welche Formen der Spende gibt es?

Neben der häufigsten Form der Spende – der Geldspende – gibt es auch die sogenannte Sachspende. Ob Altkleider, Fußbälle oder orthopädische Hilfsmittel wie Krücken, wie der Name Sachspende schon sagt, spendet man hier Gebrauchsgegenstände an eine Organisation. Spenden Sie neue „Dinge“, ist das Absetzen unkompliziert. Geben Sie gebrauchte Gegenstände weiter, müssen Sie deren Wert schätzen. Wie das geht, erklärt Ihnen unser Artikel So ermitteln Sie den Wert von Sachspenden.

Neben Geldspenden und Sachspenden gibt es außerdem noch Aufwandsspenden und Vergütungsspenden. Die kommen seltener vor und das Absetzen ist auch ein bisschen komplizierter.

Was ist eine Aufwandsspende?

Wer beispielsweise bei einem gemeinnützigen Verein kräftig mitanpackt, arbeitet in der Regel nicht nur ehrenamtlich, sondern hat auch Ausgaben. Zum Beispiel für Fahrten zugunsten des Vereins mit dem eigenen Pkw oder für Bürobedarf, Telefon und Porto. Bei einer Aufwandsspende verzichten Sie auf einen Ersatz für Ihre Aufwendungen, also Ihre Ausgaben. Stattdessen bekommen Sie eine Spendenbescheinigung, die Sie in Ihrer Steuererklärung angeben können. Das ist eine Aufwandsspende.

Die Grundvoraussetzung für eine Aufwandsspende: Der Anspruch auf Ersatz Ihrer Kosten muss in der Vereinssatzung stehen oder schriftlich in einem Vertrag festgehalten sein.

Klingt erstmal kompliziert? Ein Beispiel bringt Klarheit: Christian M. fährt mit seinem Privat-Pkw die Jungs des Fußballvereins zu den Auswärtsspielen. Der Verein hat ihm verbindlich 0,30 Cent für jeden gefahrenen Kilometer zugesagt. Doch Christian verzichtet auf das Geld und bekommt im Gegenzug eine Zuwendungsbestätigung über die angefallene Summe. Diese Summe trägt er als Sonderausgabe im Mantelbogen ein.

Was ist eine Vergütungsspende?

Bei einer Vergütungsspende schenken Sie dem Verein quasi Ihre Arbeitszeit. Es läuft ähnlich wie bei der Aufwandsspende ab: Sie haben im Vorfeld Ihrer Tätigkeit schriftlich mit dem Verein eine angemessene Vergütung vereinbart – und verzichten später auf das Geld. Sie bekommen dann eine Spendenbescheinigung und können den Betrag als Spende von der Steuer absetzen.

Bis zu welcher Höhe sind Spenden absetzbar?

Spenden sind bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte als Sonderausgaben absetzbar. Nehmen wir nun an, Sie haben in einem Jahr mehr, nämlich 25 Prozent Ihrer Einkünfte gespendet. Dann können Sie die fünf Prozent, die den Höchstbetrag übersteigen, einfach ins nächste Jahr "vortragen", also im Folgejahr in der Steuererklärung eintragen.

Sind Mitgliedsbeiträge auch Sonderausgaben?

Grundsätzlich können Mitgliedsbeiträge und Aufnahmegebühren gemeinnütziger Organisationen als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Fördert der Verein oder die Organisation aber "freizeitnahe" gemeinnützige Zwecke, darf er keine Zuwendungsbestätigung ausstellen. Damit ist der Mitgliedsbeitrag auch nicht absetzbar. Aber was ist freizeitnah? Dazu gehören beispielsweise Sport-, und Gesangsvereine, Spielmannszüge, Kleingärtner- und Karnevalsvereine. Jecken schauen also in die Röhre.

Muss ich meine Spende belegen können?

Das Finanzamt akzeptiert eine Spende nur dann, wenn sie durch eine Zuwendungsbestätigung – also eine Spendenbescheinigung nach amtlich vorgeschriebenem Muster – belegt ist. Die Zuwendungsbestätigung enthält unter anderem die Art der Spende und die Spendensumme und bestätigt, dass die Zuwendung nur für einen bestimmten, steuerbegünstigten Zweck verwendet wird. In der Regel bekommen Sie von den gemeinnützigen Organisationen zu Beginn des Folgejahres automatisch eine Spendenbescheinigung zugeschickt. Wichtig: Sie müssen dem Finanzamt das Original zukommen lassen. Machen Sie sich deshalb am besten eine Kopie der Spendenquittung für Ihre Unterlagen.

Spenden bis 200 Euro kann man übrigens noch leichter von der Steuer absetzen: Hier reicht ein "vereinfachter Nachweis", zum Beispiel der von der Bank abgestempelte Einzahlungsbeleg, der Kontoauszug oder der PC-Ausdruck beim Online-Banking. Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel Bei Spenden bis 200 Euro reicht ein einfacher Nachweis

Kann ich eine Spendenquittung beim Finanzamt nachreichen?

Kaum haben Sie Ihre Steuererklärung abgegeben, bekommen Sie per Post noch eine Spendenquittung. Ärgerlich, aber Sie haben noch eine Chance, Ihre Spende als Sonderausgabe in der Steuererklärung einzutragen.

Sobald Sie Ihren Steuerbescheid bekommen, prüfen Sie, ob Ihre Spende vom Finanzamt berücksichtigt worden ist. Wenn nicht, müssen Sie innerhalb von vier Wochen Einspruch einlegen. Weisen Sie die Finanzbeamten auf die nachgereichte Zuwendungsbestätigung hin und legen Sie diese dem Schreiben bei. So kann die Spende noch geltend gemacht werden. Wichtig: Wenn Sie erst nach Ablauf der Einspruchsfrist reagieren, wird die Spende nicht mehr rückwirkend anerkannt. Meist erinnert übrigens das Finanzamt auch an fehlende Belege.

Ich habe via Paypal gespendet – kann ich das absetzen?

Ja, Sie können. Das ist zumindest die Meinung des Finanzministeriums Schleswig-Holstein. In der "Kurzinfo ESt 16/2013" vom 6. Juni 2013 erläutern die Beamten, was Sie als Spender beachten müssen: Bei Spenden unter 200 Euro, die über Paypal abgewickelt werden, benötigen Sie einen Kontoauszug des Paypal-Kontos. Achten Sie darauf, dass auf dem Kontoauszug der Kontoinhaber und dessen E-Mail-Adresse klar ersichtlich sind. Bei Paypal-Zahlungen gilt die E-Mail-Adresse – alternativ zur Kontonummer – als Identifizierungsmerkmal.

Neben dem Kontoauszug müssen Sie Ihrer Steuererklärung auch einen Ausdruck über die Transaktionsdetails beilegen. Diesen Ausdruck muss Ihnen der Spendenempfänger zur Verfügung stellen, zum Beispiel als Download. Vergleichen können Sie diesen Ausdruck mit dem vorgedruckten Überweisungsträger bei einer klassischen Spende.

Gelten all diese Regelungen auch bei Katastrophen?

Bei Natur- oder Hungerkatastrophen zeigt sich der Fiskus oft großzügiger als bei üblichen Spenden. Das bedeutet: Für Spenden im Katastrophenfall genügt der vereinfachte Spendennachweis. In diesem speziellen Fall sogar ohne Begrenzung, also auch bei Spenden über 200 Euro.

Gibt es aktuell in der Flüchtlingskrise auch einen Katastrophenerlass?

Ja, den gibt es. Als Spendennachweis für Geldspenden genügt vom 1. August 2015 bis Ende 2016 ein Bareinzahlungsbeleg, der eigene Kontoauszug oder ein PC-Ausdruck beim Online-Banking. Dies teilte das Bundesfinanzministerium (BMF) in seinem Schreiben "Steuerliche Maßnahmen zur Förderung der Hilfe für Flüchtlinge" vom 22. September 2015 mit.
Der vereinfachte Spendennachweis gilt grundsätzlich für Geldspenden, die an eine gemeinnützige Organisation gehen. Dem BMF-Schreiben zufolge können künftig auch Privatpersonen, die Spendenkonten für Flüchtlingshilfe eingerichtet haben, unter bestimmten Bedingungen diese Zuwendungen steuerlich absetzen. Nämlich dann, wenn das Spendenkonto als Treuhandkonto geführt wird und die Zuwendungen anschließend an eine steuerbefreite Organisation zur Förderung der Hilfe für Flüchtlinge weitergeleitet werden.

Viele Helfer engagieren sich darüber hinaus nebenberuflich in der Flüchtlingshilfe und helfen bei der Betreuung und Integration. Steuerlich gesehen zahlt sich diese Nebentätigkeit aus, denn die Vergütung, die der Helfer erhält, bleibt in Höhe des sogenannten Übungsleiterfreibetrags von 2.400 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei. Voraussetzung ist, dass die nebenberufliche Tätigkeit für eine gemeinnützige Organisation ausgeführt wird und zeitlich maximal ein Drittel einer Vollzeittätigkeit ausmacht. Außerdem muss die Tätigkeit einem gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zweck dienen.

Wer einen Flüchtling auf Bitten einer Kirche oder karitativen Organisation bei sich zuhause aufnimmt, kann für die Ausgaben für Kost und Logis eine Spendenbescheinigung bekommen und die Kosten in der Steuererklärung eintragen – denn auch das zählt als Aufwandsspende.

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