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Was ist die Grundrente?

Die Grundrente – oder auch Respekt-Rente, Geringverdienerrente kommt. Wer lange Jahre gearbeitet hat, soll künftig nicht mehr mit Hartz IV aufstocken müssen. Doch was verbirgt sich dahinter?

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Was ist die Grundrente?

Alte Menschen, die Pfandflaschen aus Mülleimern klauben oder auf Lebensmittel von den Tafeln angewiesen sind, weil die Rente nicht zum Leben reicht – das soll nach dem Willen der Bundesregierung bald ein Ende haben. Im November 2019 beschloss sie die Einführung der Grundrente ab 1. Januar 2021. Diese sogenannte Respekt-Rente für Geringverdiener soll die Altersarmut bekämpfen helfen. Doch was genau ist das eigentlich?

Die Grundrente ist nichts anderes als eine Erhöhung der Renten-Entgeltpunkte für Menschen, die mindestens 33 Jahre rentenversichert waren – durch Berufstätigkeit, Erziehungs- oder Pflegezeiten. Das heißt: Die ohnehin in jedem Versicherungsjahr gesammelten Entgeltpunkte, die in Summe die Bruttorente ergeben, werden zukünftig aufgestockt.

Wer profitiert von der Grundrente?

Die Respekt-Rente ist für besonders langjährig Rentenversicherte gedacht. Wer mindestens 33 Jahre gearbeitet und dabei relativ wenig verdient hat, soll ab 2021 automatisch einen Zuschlag an Entgeltpunkten bekommen, damit die Rente wenigstens zum Leben reicht. „Respekt“ deshalb, weil Menschen nach einem langen Arbeitsleben nicht darauf angewiesen sein sollen, zusätzlich zur Rente Hartz IV beantragen zu müssen. Denn viele ältere Menschen scheuen den Gang zum Amt, weil sie sich schämen oder es ihnen zu kompliziert ist.

Übrigens

Vier von fünf Grundrente-Berechtigten werden Frauen sein. Insgesamt sollen bis zu 1,3 Millionen Menschen von dem Rentenaufschlag profitieren. Die meisten von ihnen dürften im Westen leben, denn in den östlichen Bundesländern kommen bislang nur wenige Rentner auf die geforderten 33 Beitragsjahre.

Gibt es eine Bedürftigkeitsprüfung?

Für die Grundrente wird es keine Bedürftigkeitsprüfung geben, wie man sie von Arbeitslosengeld II kennt. Allein die Einkommensprüfung entscheidet, ob Sie Anspruch haben oder nicht.

Wie hoch darf meine Rente sein, damit ich Grundrente bekomme?

Einen Anspruch auf die Geringverdienerrente haben Sie, wenn Sie eine Altersrente beziehen, die im Jahresdurchschnitt zwischen 0,3 und 0,8 Entgeltpunkten liegt.

Ein bisschen Hintergrundwissen dazu: Ein Durchschnittsverdiener bekommt pro Jahr einen Punkt. Geringverdiener bekommen weniger, je nach Einkommen, zum Beispiel 0,4 Punkte. Daher fällt für sie auch die Rente niedriger aus. Hier greift künftig die Grundrente ein und erhöht die Entgeltpunkte – auf bis zu 0,8. Jedoch wird der Zuschlag dann noch einmal um 12,5 Prozent gekürzt. Dies solle „gewährleisten, dass jene, die mehr eingezahlt haben, auch mehr rausbekommen“, heißt es bei der Deutschen Rentenversicherung.

Kurz zusammengefasst: Wer hat Anspruch auf Grundrente?

Menschen,

  • die 33 oder mehr Jahre rentenversichert waren, und
  • die eine Rente beziehen, die im Durchschnitt zwischen 0,3 und 0,8 Entgeltpunkten pro Jahr liegt, und
  • die nicht mehr Einkommen haben als 1.250 Euro monatlich (1.950 Euro für Paare – wobei der Koalitionsbeschluss nicht ausführt, ob dies auch unverheiratete Paare betrifft).

Für die Berechnung werden einheitlich 35 Jahre als Faktor genommen – und nicht die tatsächlich gearbeiteten Jahre. Das heißt: Wer mehr als 35 Versicherungsjahre hat, bekommt trotzdem nicht mehr angerechnet.

 

Wird weiteres Einkommen angerechnet?

Ja, wenn Sie neben der Rente noch weiteres Einkommen haben, zum Beispiel aus einer Witwenrente, aus Vermietung oder Kapitalanlagen, wird das angerechnet. Einkünfte aus Minijobs werden nicht berücksichtigt. Die genauen Regelungen werden erst noch im Gesetzgebungsverfahren festgelegt.

Fest steht bereits: Um einen Anspruch auf Grundrente zu haben, darf der steuerfreie Anteil Ihrer Altersrente plus Ihr weiteres Einkommen insgesamt höchstens 1.250 Euro monatlich betragen. Bei Paaren beträgt diese Summe höchstens 1.950 Euro. Was darüber liegt, wird auf die Grundrente angerechnet. Derzeit (Stand März 2020) ist noch unklar, wie diese Anrechnung ganz genau geschehen wird.

Übrigens

Bei der Berechtigungsgrenze soll es keinen harten Schnitt geben. Das heißt, wer knapp zu viel an monatlichen Einkünften hat, soll nicht völlig leer ausgehen. Auch bezüglich der geforderten Beitragsjahre soll es einen Übergangsbereich geben.
Für Rentner, die mindestens 33 Jahre, aber weniger als 35 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, sollen die Grundrente gestaffelt erhalten. Erst ab 35 Jahren soll der Zuschlag in voller Höhe gezahlt werden.

Wird die Grundrente auf das Wohngeld angerechnet?

Dazu heißt es im Koalitionsbeschluss zur Grundrente: Es wird „ein Freibetrag beim Wohngeld im Volumen von ca. 80 Millionen Euro eingeführt, damit die Verbesserung in der Rente nicht durch eine Kürzung des Wohngeldes aufgehoben wird.“ Genaueres muss in der Umsetzung erst noch festgelegt werden.

Ich bekomme Erwerbsminderungsrente. Habe ich auch ein Anrecht auf Grundrente?

Ja, das haben Sie. Alle genannten Regelungen gelten für Sie genauso.

Wie kann ich die Grundrente beantragen?

Sie müssen die Geringverdienerrente nicht selbst beantragen. Ob Sie Anspruch haben, ermittelt die Rentenversicherung in Zusammenarbeit mit dem Finanzamt automatisch. Das gilt für alle derzeitigen und künftigen Rentner gleichermaßen.

Muss ich auf die Grundrente Steuern zahlen?

Die Finanzämter betrachten die Grundrente wie alle Ihre übrigen Einkünfte, die Sie als Rentner haben. Liegt der Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte über dem jährlichen Grundfreibetrag, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben und möglicherweise auch Steuer zahlen. Lediglich Minijobs werden, wie weiter oben schon erwähnt, nicht berücksichtigt. Die Einkommensteuer berechnet sich dann für alle Ihre Einkünfte, abzüglich der Freibeträge und Pauschalen. Das heißt: Im besten Fall geben Sie nur die Steuererklärung ab, müssen aber kein Geld ans Finanzamt überweisen. In unserem Artikel zur Besteuerung von Renten erklären wir Ihnen das genauer.

Übrigens

Rente ist ein komplexes Thema und für jede Person individuell anders. Deshalb empfiehlt es sich, vorab von der Rentenversicherung beraten zu werden.

Wenn Sie Fragen rund um die Einkommensteuererklärung haben, stehen Ihnen unsere Beraterinnen und Berater gerne zur Seite. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie hier: Beratersuche.

 

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Quellen