Beratersuche starten
Berater suchen
Servicetelefon
06321 96 39 96 9

Falscher Steuerbescheid, was nun?

Sie haben für Ihre Steuererklärung eine Rückzahlung errechnet – und dann kommt der Brief vom Finanzamt: Nachzahlung! Was nun der nächste Schritt ist, erfahren Sie hier.

Mit anderen teilen
Falscher Steuerbescheid, was nun?

Ein typischer Fall: Sie haben mit einer Steuererstattung von gut 400 Euro gerechnet. Das Finanzamt will aber eine Nachzahlung von 300 Euro.

Im Idealfall haben Sie eine Kopie Ihrer Steuererklärung gemacht, bevor Sie sie ans Finanzamt geschickt haben und können nun die einzelnen Punkte zwischen Kopie und Steuerbescheid vergleichen. Also das, was Sie angegeben haben mit dem, was der Finanzbeamte daraus gemacht hat. Fallen Ihnen Rechenfehler oder Zahlendreher auf oder zum Beispiel, dass manche Ihrer Einträge gar nicht berücksichtigt wurden, dann können Sie Einspruch einlegen.

Steuerbescheid prüfen

Kennen Sie sich gut im Steuerrecht aus, sollten Sie die Kommentare Ihres zuständigen Finanzbeamten in Ihrer Steuererklärung genau prüfen. Sie finden die Einträge am Ende des Steuerbescheids. Hier erklärt der Finanzbeamte, in welchen Punkten er von Ihren Angaben in der Steuererklärung abgewichen ist.

Kleinigkeiten wie beispielsweise fehlende Belege oder Fahrten können Sie telefonisch mit Ihrem Sachbearbeiter besprechen. Die Telefonnummer steht in der Regel oben im Steuerbescheid. Berichten Sie ihm, was Ihnen aufgefallen ist und beantragen Sie zunächst mündlich eine sogenannte "schlichte Änderung", um die einzelnen Fehler korrigieren zu lassen.

Wir, die VLH, empfehlen Ihnen, den mündlichen Antrag anschließend auch schriftlich zu stellen – so können Sie Ihr Vorgehen nachweisen und sind auf der sicheren Seite.

Antrag auf schlichte Änderung stellen

Für den Antrag auf schlichte Änderung gibt es keine Vorlage. Schreiben Sie einfach auf, welche Fehler Ihnen in Ihrer Steuererklärung aufgefallen sind, dass Sie Ihren Sachbearbeiter telefonisch darüber informiert und die Korrekturen mit ihm durchgesprochen haben. Schicken Sie Ihren Brief mit Ihrer Steuernummer samt Datum des Telefongesprächs und dem Namen des Beamten an Ihren Sachbearbeiter (das kann, muss aber nicht der gleiche sein wie derjenige, mit dem Sie telefoniert haben).

Beachten Sie, dass Sie Ihren Antrag auf schlichte Änderung sowohl mündlich als auch schriftlich innerhalb von vier Wochen abgeben.

Förmlichen Einspruch einlegen

Wenn Sie wollen, dass Ihr Steuerbescheid noch einmal komplett geprüft wird und nicht nur in einzelnen Punkten, müssen Sie einen „förmlichen Einspruch“ einlegen. Der Einspruch gegen den Steuerbescheid ist kostenlos. Formale Vorgaben, wie er auszusehen hat, gibt es nicht. Das einzige Kriterium: Er sollte schriftlich erfolgen, eine E-Mail oder ein Fax genügen. Zunächst ist es auch möglich, dem Finanzbeamten per Telefon den Einspruch zu diktieren. Die schriftliche Begründung kann später nachgereicht werden.

Einspruchsfrist einhalten

Ganz wichtig: Schicken Sie Ihren Einspruch rechtzeitig an Ihr Finanzamt, also innerhalb eines Monats nachdem Sie den Bescheid erhalten haben. Der Monat gilt ab dem Tag, an dem Ihr Steuerbescheid vom Finanzamt abgeschickt wurde, plus drei Tage. Ist der letzte Tag der vier Wochen ein Samstag, Sonntag oder Feiertag, gilt der darauf folgende Werktag als Ende der Einspruchsfrist.

Einen verspäteten Einspruch erkennt das Finanzamt nicht an. Ihr Steuerbescheid ist dann rechtskräftig und es gibt keine Chance mehr, ihn noch einmal prüfen zu lassen.

Übrigens:

Wenn Sie die Einspruchsfrist nicht einhalten konnten, weil Sie vielleicht im Krankenhaus lagen oder im Urlaub waren, gilt Folgendes: Stellen Sie sofort nach Ihrer Rückkehr bei Ihrem Finanzamt einen schriftlichen Antrag auf die "Wiedereinsetzung in den vorigen Stand".

Vor Gericht gehen

Nach dem Einspruch prüft das Finanzamt intern den Fall erneut. Kommt es dabei nicht zu einer akzeptablen Lösung für Sie, können Sie vor Gericht klagen – zunächst vor dem zuständigen Finanzgericht.

Sind Sie mit dem Urteil nicht einverstanden, können Sie sich an die nächsthöhere Instanz wenden. Dann würde der Fall vor dem Bundesfinanzhof verhandelt.

Steuerbescheid offen halten

Wenn ein ganz bestimmter Punkt in Ihrem Steuerbescheid rechtlich ungeklärt ist, weil dazu bereits ein Verfahren zum Beispiel vor dem Bundesfinanzhof läuft, dann sollten Sie Folgendes tun: Beantragen Sie schriftlich ein "Ruhen des Verfahrens" und weisen Sie auf das laufende Verfahren des Bundesfinanzhofs hin, samt Aktenzeichen. So halten Sie Ihren Steuerbescheid offen, bis die Entscheidung des Bundesfinanzhofs gefallen ist.

Sollte der Bundesfinanzhof für Sie negativ entscheiden, erhalten Sie einen Brief von Ihrem Finanzamt. Darin wird stehen, dass Ihr Einspruch abgelehnt ist. Ihr Finanzamt wird auf der dann gültigen Rechtsgrundlage berechnen, wie viel Steuern Sie zahlen müssen.

Nachzahlung überweisen bis Steuerbescheid geklärt ist

So ärgerlich es ist: Wenn Ihr Steuerbescheid besagt, dass Sie 300 Euro nachzahlen müssen, dann müssen Sie diese Nachzahlung erst einmal überweisen. Ausnahme: Sie haben Einspruch eingelegt und einen Antrag auf „Aussetzung der Vollziehung“ erfolgreich gestellt. In diesem Fall müssen Sie die Nachzahlung vorerst nicht an das Finanzamt überweisen. Dies bietet sich aber nur an, wenn die Nachzahlung sehr hoch ist. Denn je nach Bearbeitungszeit kann sich das ein bis zwei Jahre hinziehen.

Wird Ihr Antrag auf Aussetzung der Vollziehung abgelehnt, müssen Sie die Nachzahlung innerhalb der auf dem Steuerbescheid angegebenen Frist überweisen – auch wenn Sie Einspruch eingelegt haben. Tun Sie das nicht, droht Ihnen ein Säumniszuschlag.

Steuerbescheid zu Ihren Gunsten

Es ist ein seltener Fall, aber auch er kommt vor: Sie haben aufgrund eines Rechenfehlers oder Zahlendrehers vom Fiskus plötzlich eine Steuererstattung von 100 Euro bekommen, obwohl Sie im Vorfeld ausgerechnet haben, dass Sie 50 Euro nachzahlen müssen. Sie fragen sich: Muss ich das Finanzamt auf den Fehler hinweisen? Oder mache ich mich sogar strafbar, wenn ich schweige?

Die Antwort lautet ganz klar: Nein, der Steuerzahler ist nicht dazu verpflichtet, das Finanzamt auf seine eigenen Fehler hinzuweisen.

Übrigens:

Sollten Sie erkennen, dass der Finanzbeamte den Fehler nur gemacht hat, weil Sie unrichtige oder unvollständige Angaben gemacht haben, sind Sie dazu verpflichtet, sich beim Fiskus zu melden. Machen Sie den Finanzbeamten nicht auf Ihre Falschangabe aufmerksam, kann das zu einer Anzeige wegen Steuerhinterziehung führen.

Für alle, die unsicher sind: Steuererklärung von Experten prüfen lassen

Wenn Sie Ihre Steuererklärung noch nie oder nur selten gemacht haben, können Ihnen tatsächlich Fehler unterlaufen sein oder Sie haben vielleicht nicht alle Steuervorteile für sich in Anspruch genommen, die Ihnen zustehen. Viele Arbeitnehmer schrecken auch vor dem Aufwand und den Fristen zurück, die ein Einspruch gegen den Steuerbescheid mit sich bringt.

Wenn Sie sich unsicher fühlen und Hilfe brauchen, stehen wir Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite. Für die Beraterinnen und Berater der VLH gehört das zur täglichen Arbeit. Schauen Sie einfach mal in unserer Beratersuche, wer in Ihrem Umkreis für Sie da ist.

Mit anderen teilen