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Investmentfonds: Besteuerung bei Depot im In- und Ausland

Inländische Fonds werden steuerlich anders behandelt als ausländische. Was es damit auf sich hat und noch vieles mehr, erklären wir hier.

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Investmentfonds: Besteuerung bei Depot im In- und Ausland

Zuerst ein paar wichtige Fakten vorweg: Laut dem deutschen Fondsverband BVI verwalten deutsche Investmentgesellschaften derzeit rund zwei Billionen Euro als Treuhänder für Ihre Anleger. Ein Investmentfonds funktioniert dabei nach einem einfachen Prinzip: Ein Anleger – nennen wir ihn in unserem Beispiel Richard – zahlt Geld in einen Fonds ein. Im Gegenzug bekommt er Anteilscheine. Der Fonds bündelt das Geld aller Anleger und investiert es zum Beispiel in Anleihen, Aktien oder Immobilien. Wie bei Geldanlagen üblich, bekommt Richard dafür Erträge wie Kursgewinne, Zinsen oder Dividenden. Auf diese "Kapitalerträge" muss Richard Steuern zahlen.

Fällig sind Abgeltungssteuer plus Soli plus Kirchensteuer

Ausschüttende und thesaurierende Fonds

Möchten Sie Geld in einem Investmentfonds anlegen, müssen Sie sich zwischen einem ausschüttenden oder einem thesaurierenden Fonds entscheiden. Bei einem ausschüttenden Fonds werden alle Erträge wie Dividenden, Zinsen und Gewinne ausgeschüttet, also an den Anleger ausgezahlt.

Bei einem thesaurierenden Fonds hingegen werden alle Erträge einbehalten und reinvestiert, also direkt wieder angelegt. Diese Form der Geldanlage ist sehr verbreitet.


Seit 2009 müssen Anleger auf ihre Kapitalerträge die sogenannte Abgeltungssteuer zahlen. Die Höhe der Abgeltungssteuer liegt pauschal bei 25 Prozent. Hinzu kommt für jede Geldanlage der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer. Erfahren Sie mehr dazu in unserem Top Thema Fällig sind Abgeltungssteuer plus Soli plus Kirchensteuer. Liegt Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent – also unter dem Prozentsatz der Abgeltungssteuer – können Sie beim Fiskus eine Günstigerprüfung beantragen. Zu viel bezahlte Steuern erhalten Sie dann vom Finanzamt zurück. Dafür müssen Sie in der Anlage KAP auf Seite 1 den entsprechenden Haken setzen und so die Günstigerprüfung beantragen.

Sparerpauschbetrag schützt vor der Abgeltungssteuer

Unser Single Richard darf pro Jahr 801 Euro seiner Kapitalerträge steuerfrei einnehmen. Ehepaaren steht der doppelte Betrag von 1.602 Euro zu. Doch was bedeutet das? Nun, so lange die Erträge wie Zinsen oder Dividenden unter 801 bzw. 1.602 Euro liegen, werden dafür keine Steuern fällig.

Besteuerung bei Depots im In- und Ausland unterschiedlich

Richard hat gelesen, dass es sowohl inländische als auch ausländische Fonds gibt. Bei ausländischen Fonds liegen – wie der Name schon sagt – die Anteile im Ausland. Erkennen kann ein Anleger das unter anderem an der internationalen Wertpapierkennnummer. Das Kürzel CH steht beispielsweise für die Schweiz. Je nachdem, wo die Bank sitzt, in welcher der Anleger sein Depot hat, ob der Fonds ausschüttend oder thesaurierend, in Deutschland oder im Ausland aufgelegt ist, gelten unterschiedliche Regelungen der Besteuerung.

Vereinfacht lässt sich sagen:

Depot im Inland: Bank führt automatisch Steuern ab

Gehen wir einmal davon aus, dass Richard ein richtig gutes Jahr hat. Die Erträge seines thesaurierenden Fonds im Inland liegen über 801 Euro – er muss also Abgeltungssteuer zahlen. Kümmern muss sich Richard um nichts, seine Fondsgesellschaft zieht für Zinsen und Dividenden die Abgeltungssteuer automatisch ab, bevor die laufenden Erträge thesauriert – also dem Vermögen wieder zugeführt – werden.

Übrigens:

Haben Sie Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag erteilt, bekommen Sie auch bei einem ausschüttenden Fonds im Inland sämtliche Erträge bis 801 Euro steuerfrei ausbezahlt. Ab 801 Euro führt die Bank die Abgeltungssteuer automatisch ab.

Depot im Ausland: Anleger muss Steuern abführen

Richards Freund Michael hat bei einer Bank im Ausland in einen ausschüttenden Fonds investiert. Michael muss selbst tätig werden: Weder die ausländische Fondsgesellschaft, noch die ausländische Depotbank überweisen die Abgeltungssteuer an den deutschen Fiskus. Deshalb muss Michael eine Steuererklärung abgeben und die Gewinne und laufenden Erträge dort eintragen.

Verkauf: Zu viel gezahlte Steuer zurückholen

Richard investiert nun seit Jahren erfolgreich und steckt mittlerweile bei seiner deutschen Bank auch Geld in einen thesaurierenden Fonds, der im Ausland aufgelegt wird. Da er sich ein neues Auto zulegen möchte, verkauft er seine Anteile. Richard muss jetzt aufpassen: Die Bank überweist zwar die fällige Steuer für den steuerpflichtigen Gewinn; aber: Oft gibt die Bank zu viel Steuern an den Fiskus weiter. Damit Richard das Geld, das ihm zusteht, wieder zurückbekommt, muss er seine Steuererklärung ausfüllen und abgeben.

Übrigens:

Die Steuerregeln für Investmentfonds sind sehr komplex. Vor allem die Unterschiede bei inländischen und ausländischen Fonds machen Anlegern das Leben schwer. Für die Beraterinnen und Berater der VLH gehört die Abgeltungssteuer zum Tagesgeschäft – lassen Sie sich beraten. Finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

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