Beratersuche starten
Berater suchen
Servicetelefon
06321 96 39 96 9

Was ist die Riester-Rente?

Die Riester Rente, eine staatlich geförderte Altersvorsorge. Wir erklären, welche Zulagen und Steuererleichterungen es gibt.

Mit anderen teilen
Was ist die Riester-Rente?

Seit 2002 gibt es die Riester Rente, benannt nach dem damaligen Arbeitsminister Walter Riester. Die Riester Rente ist eine freiwillige und private Zusatzversorgung, die der Staat mit Riester Zulagen unterstützt. Ende 2016 gab es sage und schreibe über 10 Millionen abgeschlossene Versicherungsverträge in Sachen Riester – das hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ermittelt.

Wer darf "riestern"?

Jeder, der in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, kann zusätzlich privat mit der Riester-Rente vorsorgen. Dazu gehören zum Beispiel Auszubildende und Arbeitnehmer.

Einen schnellen Überblick zur Riester-Rente gibt Ihnen unser Video:

Wie funktioniert die Riester-Rente?

Zuerst schließt man bei einem Riester-Anbieter einen Versicherungsvertrag ab. Seit 1. Januar 2017 erhält jeder Sparer vor Abschluss der Riester Rente ein individuelles Produktinformationsblatt. Wichtig, denn es enthält die wesentlichen Angaben zum geplanten Riester Vertrag. Wie das Produktinformationsblatt aussieht und welche Angaben es enthält, hat das Bundesministerium der Finanzen in einer Broschüre zusammengestellt. 

Der Anbieter der Riester Rente kann eine Bank oder eine Versicherung sein. Bis zum Rentenbeginn zahlt man dann selbst Beiträge in den Vertrag ein. Wie viel, bleibt Ihnen überlassen. Sie müssen aber mindestens 60 Euro im Jahr überweisen. Das nennt man Sockelbetrag. Wer den Riester-Vertrag bis 2011 abgeschlossen hat, kann sich das Ersparte ab Vollendung des 60. Lebensjahres auszahlen lassen. Wer den Vertrag ab 2012 abgeschlossen hat, muss bis zum 62. Lebensjahr warten.

Wie sehen die staatlichen Zulagen konkret aus?

Jeder Riester Sparer bekommt eine sogenannte Grundzulage von bis zu 154 Euro im Jahr. Für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, gibt es zusätzlich 185 Euro. Für jedes Kind, das nach 2008 geboren wurde, sogar zusätzlich 300 Euro pro Jahr. Allerdings nur unter einer Bedingung: Der Sparer muss pro Jahr – inklusive Grundzulage und Kinderförderung – vier Prozent des Vorjahreseinkommens in seinen Riester-Vertrag einzahlen, höchstens aber 2.100 Euro. Das nennt der Staat den Mindesteigenbetrag.

Ein Beispiel:

Fabian ist 28 und Single. Er verdient 32.000 Euro im Jahr.

4 % des Jahresgehalts 1.280 Euro
   
Grundzulage - 154 Euro
   
Mindesteigenbetrag 1.126 Euro


Das ist eine monatliche Rate von 93,83 Euro.

Übrigens:

Wer zum Beispiel nur die Hälfte des Mindesteigenbetrags einzahlt, bekommt auch nur die Hälfte der Zulage vom Staat. Denn nur wer den vollen Mindesteigenbetrag einzahlt, bekommt die Grundzulage auch in voller Höhe, also 154 Euro im Jahr. Und bald dürfen sich Sparer noch mehr freuen: Ab 1. Januar 2018 wird die Grundzulage um über 13,5 Prozent erhöht – nämlich von 154 Euro auf 175 Euro pro Jahr. An der Höhe der Kinderzulage ändert sich nichts.

Muss ich die Riester Rente versteuern?

Nachgelagerte Besteuerung – warum?

2005 hat die Bundesregierung im Rahmen des sogenannten Alterseinkünftegesetzes die nachgelagerte Besteuerung eingeführt. Davor war die Situation wie folgt: Bekam jemand eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung, wurde diese nur mit dem Ertragsanteil besteuert - ging man vor 2005 mit 65 Jahren in Rente, lag der Ertragsanteil bei 27 Prozent. Das galt allerdings nicht für Beamte: Sie mussten ihre Pensionen in voller Höhe versteuern. Da Menschen in Deutschland aber gleich behandelt werden sollen, trat das Alterseinkünftegesetz in Kraft. Und damit auch die nachgelagerte Besteuerung für alle.


Leider ja. Die Auszahlungen aus dem Riester-Rententopf sind voll steuerpflichtig. Das bedeutet, dass man die Riester-Rente im Lebensabend mit dem persönlichen Steuersatz versteuern muss. Außerdem fallen Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung an. Dieses Prinzip nennen die Experten „nachgelagerte Besteuerung“.

Zurück zu Fabian: Nehmen wir an, Fabian ist jetzt in Rente gegangen. Dank nachgelagerter Besteuerung muss er die Auszahlungen der Riester Rente voll versteuern – und zwar mit seinem persönlichen Steuersatz. Der persönliche Steuersatz ist der Durchschnittssteuersatz für das gesamte Einkommen. Verdient Fabian zum Beispiel 30.000 Euro im Jahr, liegt sein Steuersatz bei 18,75 Prozent. Wie sich der persönliche Steuersatz errechnet, erklären wir Ihnen in unserem Steuer ABC Was ist der persönliche Steuersatz? Im Rentenalter sinkt aber oft das Jahreseinkommen, weil die Rente in der Regel niedriger ist als der Arbeitslohn. Entsprechend fällt dann auch der Steuersatz niedriger aus.

Die nachgelagerte Besteuerung trifft übrigens nicht nur Riester Sparer. Auch die gesetzliche Rente und die betriebliche Altersvorsorge werden nachgelagert besteuert.

Gibt es eine ermäßigte Besteuerung?

Es kann passieren, dass der monatliche Rentenanspruch bei einem Riester-Vertrag sehr gering ist. In einem solchen Fall hat der Anbieter das Recht, den Sparer mit einer Einmalzahlung zu Beginn der Auszahlungsphase abzufinden. Die steuerliche Konsequenz: Die Einmalzahlung ist im Jahr der Auszahlung voll steuerpflichtig, sofern sie auf geförderten Beiträgen beruht.

Dank dem Betriebsrentenstärkungsgesetz wird sich das ändern. Ab dem Veranlagungszeitraum 2018 können diese Einmalzahlungen ermäßigt mit der Fünftelregelung besteuert werden.

Und es gibt in diesem Zuge einen weiteren Vorteil für Riester Sparer: Ebenfalls ab 2018 müssen Riester Verträge ein Wahlrecht enthalten. Das bedeutet: Künftig kann der Sparer selbst wählen, ob er die Einmalzahlung zu Beginn der Auszahlungsphase erhalten möchte oder zum ersten Januar des darauffolgenden Jahres. Eine spätere Auszahlung kann zum Beispiel steuerlich günstiger sein, wenn das Folgejahr auch das Jahr des ersten vollen Rentenbezugs ist. Eine steuerliche Beratung lohnt sich.

Wie setze ich meine Riester-Beiträge von der Steuer ab?

Die gute Nachricht: Sie können die jährlichen Beiträge bis zur Höchstgrenze von 2.100 Euro als Sonderausgabe in Ihrer Steuererklärung eintragen. Dazu gehören nicht nur die Beiträge, die Sie selbst einzahlen, sondern auch die staatliche Grund- und Kinderzulage. Ob der Fiskus die Beiträge aber tatsächlich als Sonderausgabe berücksichtigt, hängt davon ab, ob die Steuerersparnis höher ist als die staatliche Zulage. Bei einer sogenannten Günstigerprüfung sucht das Finanzamt automatisch die günstigste Variante für Sie.

Für einen Sonderausgabenabzug müssen Sie in der "Anlage AV" entsprechende Angaben machen. Klingt kompliziert? Für die Beraterinnen und Berater der VLH gehört es zum Tagesgeschäft,die Steuererklärung mit allen Anlagen für Sie auszufüllen. Gerne unterstützen wir Sie auch darin, sich die Steuervorteile zu sichern, die Ihnen zustehen. Hier können Sie sich Ihren Berater suchen: Beratersuche

Muss ich die staatliche Zulage beantragen?

Die Riester Förderung vom Staat müssen Sie jedes Jahr rechtzeitig beantragen. Für 2017 können Sie den Antrag zum Beispiel direkt Anfang 2018 stellen, spätestens aber bis zum 31. Dezember 2019. Einfacher ist es, wenn Sie ein sogenanntes Dauerzulageverfahren in Anspruch nehmen. Sie erteilen Ihrem Riester-Anbieter damit die Vollmacht, die jährliche Zulage für Sie zu beantragen – weniger Stress für Sie!

Aber Achtung: Wenn Sie weder einen Antrag stellen noch ein Dauerzulageverfahren in Anspruch nehmen, erhalten Sie keine Zulage. Gleiches gilt in Sachen Steuererklärung. Wenn Sie bei Abgabe der Steuererklärung die Anlage AV nicht ausfüllen und beilegen, gibt es weder die Zulage noch den möglichen Sonderausgabenabzug für Sie.

Übrigens:

Der Staat fördert auch die private Pflegezusatzversicherung. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Pflegezusatzversicherung - wie setze ich das ab? Und nicht nur das: Die Eigenheimrente, schlicht Wohn Riester genannt, lockt ebenfalls mit Riester Zulagen.

Wird die Riester-Rente bei der Grundsicherung angerechnet?

Reicht die Rente nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, können Rentner die sogenannte Grundsicherung beantragen. Bisher werden Riester Renten bei der Grundsicherung voll angerechnet. Doch dank Betriebsrentenstärkungsgesetz wird sich das ab 2018 ändern. Denn dann tritt ein neu geschaffener Freibetrag der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung in Höhe von 100 Euro in Kraft.

Riester Renten werden zukünftig also bei der Grundsicherung nicht mehr voll angerechnet. Ist die Riester Rente monatlich höher als 100 Euro, ist der übersteigende Betrag zu 30 Prozent anrechnungsfrei. Im Klartext: Ein Rentner bekommt die Grundsicherung und zusätzlich beispielsweise 160 Euro Riester Rente. 100 Euro davon sind anrechnungsfrei sowie 30 Prozent der übersteigenden 60 Euro. Das sind 18 Euro. Es sind also 118 Euro anrechnungsfrei, es werden nur noch 42 Euro bei der Berechnung der Grundsicherungsleistung berücksichtigt.  

Mit anderen teilen