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Wie funktioniert unser Einkommensteuersystem?

Einkommensteuertarif, Nullzone, Steuersatz, Grenzsteuersatz, Durchschnittssteuersatz, Spitzensteuersatz – Sie verstehen nur Bahnhof? Wir erklären’s Ihnen.

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Wie funktioniert unser Einkommensteuersystem?

Jeder, der arbeiten geht, nimmt daran teil – obwohl die wenigsten wissen, wie es funktioniert: Unser Einkommensteuersystem. Wer wenig verdient, zahlt wenig Steuern und wer viel verdient, zahlt mehr, so das Motto. Aber was einfach klingt, ist in Wahrheit ein recht kompliziertes Konstrukt. Wir erklären, wie das funktioniert und fangen dabei ganz von vorne an.

Ab wann muss man Einkommensteuer zahlen?

Die Frage deutet es schon an: Einkommensteuer wird erst ab einer bestimmten Summe fällig. Genau gesagt sind es 8.652 Euro im Jahr. Liegt Ihr Einkommen unter diesem Wert, müssen Sie keine Steuern zahlen. Es handelt sich dabei um den sogenannten Grundfreibetrag. Ab dann geht es los: Ab dem 8.653sten Euro werden Einkommensteuern fällig. 

Für was muss man Einkommensteuer zahlen?

Einkommensteuer wird für all Ihre Einnahmen fällig, die über dem Grundfreibetrag liegen. Und was ist mit "Einnahmen" gemeint? Einfach alles an Geld, das Sie übers Jahr bekommen – also zum Beispiel Gewinne aus einer Geldanlage wie Aktien oder Fonds oder auch Mieteinnahmen für eine Immobilie oder ein Grundstück. Natürlich zählt auch das Gehalt zu den Einnahmen, aber die dafür fälligen Steuern zwackt der Staat schon jeden Monat über die Lohnsteuer ab. Für alle anderen Jahreseinnahmen ist die Einkommensteuer erst nach Ablauf des Kalenderjahres fällig.

Was ist ein Einkommensteuertarif?

"Wie viel Steuern muss ich denn jetzt auf mein ganzes Geld zahlen?", fragen Sie sich wahrscheinlich. Die Antwort: Das kommt darauf an, wie viel bei Ihnen zusammenkommt. Die Finanzverwaltung formuliert das etwas formeller: Es hängt von Ihrer "Leistungsfähigkeit" ab. Die Faustformel dafür, wie leistungsfähig Sie sind, lautet: Haben Sie wenig Einnahmen, dann gelten Sie als nicht sehr leistungsfähig und müssen wenig Steuern zahlen. Wenn Sie viele Einnahmen haben, gelten Sie als sehr leistungsfähig und müssen in der Regel auch viel Steuern zahlen.

Wichtig: Sie können dafür sorgen, dass Ihre steuerpflichtigen Einnahmen sinken. Also nicht in Wirklichkeit, sondern auf dem Papier, genauer gesagt in Ihrer Steuererklärung: Nutzen Sie Freibeträge und geben Sie all Ihre Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen an. Nur was übrig bleibt muss versteuert werden. Dadurch sinkt in den Augen des Finanzamts Ihre Leistungsfähigkeit – und Sie müssen weniger Steuern zahlen. Weitere Details dazu gibt unser Artikel Was heißt "von der Steuer absetzen"?.

Wie viel Steuern für Ihre Jahreseinnahmen anfallen, das wird mit dem Einkommensteuertarif berechnet. Er ist quasi die Formel dafür. Und der Einkommensteuertarif ist "progressiv", was folgendes bedeutet: Ist Ihr Jahreseinkommen gering, müssen Sie gar keine oder nur wenig Einkommensteuer zahlen. Doch je mehr Geld bei Ihnen übers Jahr zusammenkommt, umso höher fällt die Einkommensteuer für Sie aus. Deshalb nochmal: Je mehr Kosten Sie absetzen können, umso weniger Steuern fallen für Sie an.

Zurzeit liegt der Einkommensteuertarif zwischen 14 Prozent und 45 Prozent. Das bedeutet: Wenn Sie sehr wenig Einkommen zu versteuern haben, müssen Sie nur 14 Prozent Steuern darauf zahlen. Sind Sie reich oder Spitzenverdiener oder beides, dann zahlen Sie 45 Prozent auf Ihr Einkommen.

Was ist die Nullzone?

Verdienen Sie maximal 8.652 Euro pro Jahr, sind Sie in der sogenannten Nullzone – Sie zahlen "Null" Einkommensteuer. Auf den Monat umgerechnet sind das 721 Euro. So viel Geld können Sie verdienen oder zum Beispiel über eine vermietete Wohnung einnehmen oder als Zinsen von Ihrem Sparbuch bekommen, ohne dass dieses Geld versteuert wird. Für jeden Euro, der über dem Grundfreibetrag von 8.652 Euro im Jahr liegt, müssen Sie Steuern zahlen.

Übrigens:

Der Grundfreibetrag ist nicht starr, sondern wird von der Bundesregierung regelmäßig angehoben. 2015 lag er zum Beispiel bei 8.472 Euro. 

Was bedeutet "Grenzsteuersatz"?

Alles unter 8.652 Euro im Jahr ist einkommensteuerfrei. Erst ab dem 8.653sten Euro werden Steuern fällig. Genau gesagt fallen für jeden Euro, der über dem Grundfreibetrag liegt, 14 Prozent Einkommensteuern an – jedenfalls bis zur nächsten Einkommensstufe, bei der 15 Prozent fällig werden. Und genau so funktioniert auch das Prinzip des sogenannten Grenzsteuersatzes: Während der 8.652ste Euro noch mit einem Steuersatz von 0 Prozent besteuert wird, wird der 8.653ste Euro mit einem Steuersatz von 14 Prozent belastet.

Was ist mit "Durchschnittssteuersatz" gemeint?

Bleiben wir bei dem Beispiel von eben: Angenommen also, Sie verdienen 8.653 Euro im Jahr. Dann fallen nur für den 8.653sten Euro Steuern in Höhe von 14 Prozent an. Wie viel Steuern ergibt das aber dann insgesamt? Das zeigt der Durchschnittssteuersatz. Also nicht nur die Steuern für den einzelnen Euro, wie beim Grenzsteuersatz, sondern für den Gesamtbetrag ihrer Einnahmen.

So beträgt der Grenzsteuersatz für den 8.653sten Euro zwar 14 Prozent, umgerechnet auf die gesamten 8.653 Euro ergibt sich aber ein Durchschnittssteuersatz von nahezu 0 Prozent. Der Durchschnittssteuersatz – also zu wie viel Prozent Sie Ihr komplettes Jahreseinkommen versteuern müssen – wird auch persönlicher Steuersatz genannt.

Weitere Rechenbeispiele, wie Grenz- und Durchschnittssteuersatz bei unterschiedlichen Gehältern ausfallen können:

  • Wer 11.500 Euro im Jahr verdient, also knapp 960 Euro im Monat, hat einen Durchschnittssteuersatz von 5,01 Prozent. Ab dem 11.501sten Euro wäre dann der Grenzsteuersatz von 20,29 Prozent fällig.
  • Wer 20.000 Euro im Jahr verdient – das sind 1.666 Euro im Monat – hat einen Durchschnittssteuersatz von knapp 13,238 Prozent. Ab dem 20.201sten Euro wäre dann der Grenzsteuersatz von 26,96 Prozent zu zahlen.
  • Wer 30.000 Euro im Jahr verdient – also 2.500 Euro im Monat –, der hat einen Durchschnittssteuersatz von über 18,67 Prozent. Ab dem 30.001sten Euro wäre dann der Grenzsteuersatz von 31,53 Prozent fällig.

Was ist der Spitzensteuersatz?

Stellen Sie sich vor, Sie verdienen 52.882 Euro im Jahr – dann müssten Sie 42 Prozent Einkommensteuer zahlen. Ein solches Gehalt könnte für Sie drin sein, wenn Sie Ingenieur, Geschäftsführer oder Banker sind – und für die ist ein solches Jahresgehalt sogar noch wenig. Gut für die Gutverdiener: Auch wenn ihr Gehalt über den 52.882 Euro liegt, wird es mit dem Steuersatz von 42 Prozent besteuert. Erst für die ganz Reichen fallen wieder mehr Steuern an, die sogenannte Reichensteuer: Alles, was über einem Jahresverdienst von 250.731 Euro liegt, wird mit drei Prozentpünktchen mehr besteuert, nämlich 45 Prozent.

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