»    
21.07.2015
Überblick

Unterhalt von der Steuer absetzen

Unterhalt an den Ex-Partner, das eigene Kind oder für die pflegebedürftigen Eltern: Unterhaltszahlungen können Sie von der Steuer absetzen.


Unterhalt von der Steuer absetzen

Oft ist das Thema Unterhalt ein Streitpunkt, gerade nach einer Scheidung und erst recht, wenn aus der Ehe Kinder hervorgegangen sind. Aber nicht nur Ex-Partner und Eltern müssen Unterhaltszahlungen leisten. Es kann vorkommen, dass Sie als erwachsenes Kind für ihre bedürftige Mutter aufkommen müssen, wenn diese ins Pflegeheim kommt. Die Kosten für die Unterhaltszahlungen können Sie teilweise absetzen.

Unterhalt für den Ex-Partner

Geschiedene oder dauernd getrennt lebende Ehegatten sind zu Unterhaltszahlungen verpflichtet: Wer mehr verdient, muss den anderen unterstützen, beispielsweise der einstige Ehemann Daniel seine Exfrau Eva-Maria. Daniel hat nach der Scheidung zwei Möglichkeiten, den Unterhalt an seine ehemalige Ehefrau von der Steuer abzusetzen:

1. Als Sonderausgaben...

Daniel kann bis zu 13.805 Euro Unterhaltskosten pro Jahr als Sonderausgaben absetzen. Dazu trägt er die Summe, die er seiner Exfrau Eva-Maria im entsprechenden Jahr gezahlt hat, im Hauptformular der Steuererklärung auf Seite 2 ein. Die gleiche Summe gibt er außerdem in der Anlage U im Abschnitt A an. Diese Vorgehensweise wird im Steuerrecht "Realsplitting" genannt.

Bedingung: Daniel kann die Unterhaltszahlungen an seine ehemalige Ehefrau nur dann als Sonderausgaben absetzen, wenn Eva-Maria einwilligt. Das bedeutet, dass sie ihre Zustimmung in Anlage U unter Abschnitt B per Unterschrift bestätigt. Außerdem muss Eva-Maria die gleichen Beträge, die Daniel in seine Steuererklärung eingetragen hat, in ihrer Anlage SO als "sonstige Einkünfte" angeben.

2. Als außergewöhnliche Belastung...

Ist Eva-Maria nicht bereit, dem Realsplitting zuzustimmen, kann Daniel die Unterhaltszahlungen an seine Exfrau bis zu 8.472 Euro pro Jahr als außergewöhnliche Belastung absetzen. Dazu füllt er die sogenannte Anlage Unterhalt aus – nicht zu verwechseln mit der Anlage U, die nur für das Realsplitting gilt.

Der Vorteil: Daniel braucht keine Zustimmung von seiner ehemaligen Ehefrau und Eva-Maria muss die Unterhaltszahlungen nicht versteuern.

Der Nachteil: Das Finanzamt muss das Einkommen von Eva-Maria kennen, denn nur so ist es im Stande zu berechnen, inwieweit Daniel den Unterhaltshöchstbetrag absetzen kann. Verdient die Ex-Ehefrau zum Beispiel mehr als 624 Euro im Jahr, wird der Höchstbetrag verringert. Oft weigern sich ehemalige Partner allerdings, Auskunft zu geben – was laut Auskunftsverweigerungsrecht erlaubt ist. Im Zweifelsfall kann es dann passieren, dass die Zahlungen des Unterhaltspflichtigen steuerlich nicht anerkannt werden.

Wichtig: Daniel kann die Unterhaltskosten für seine Exfrau nur auf eine der beiden Arten von der Steuer absetzen. Nicht erlaubt ist, dass er beispielsweise den Scheidungsunterhalt, der über den Sonderausgaben-Höchstbetrag hinausgeht, als außergewöhnliche Belastung absetzt.

Übrigens:

Zahlen Sie trotz Trennung oder Scheidung die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für Ihren Ex-Partner, können Sie diese Summe zusätzlich absetzen – egal, ob Sie den Unterhalt als Sonderausgabe oder als außergewöhnliche Belastung in die Steuererklärung eintragen.


Unterhalt an leibliche oder adoptierte Kinder

Daniel und Eva-Maria haben einen gemeinsamen Sohn. Nach der Scheidung zahlt Daniel für sein Kind Unterhalt. Auch hier gilt: Maximal 8.472 Euro Unterhaltszahlung im Jahr kann er insgesamt als außergewöhnliche Belastung absetzen. Das geht in diesem Fall allerdings nur, wenn weder er, noch seine Exfrau Kindergeld oder den Kinderfreibetrag für den Sohn in Anspruch nehmen. In der Regel kommt ein Abzug der Kosten also nur bei einem volljährigen Kind in Betracht, für das es kein Kindergeld mehr gibt.

Verdient das Kind außerdem mehr als 624 Euro im Jahr, zieht das Finanzamt alle Einnahmen, die über dem Betrag von 624 Euro liegen, von den 8.472 Euro ab. Die gleiche Rechnung gilt übrigens auch für noch verheiratete Eltern, die ihr Kind finanziell unterstützen. Voraussetzung auch hier: Es darf kein Anspruch auf Kindergeld bestehen.

Unterhalt an pflegebedürftige Verwandte

Auch die Unterhaltszahlungen für pflegebedürftige Verwandte in gerader Linie können Sie steuerlich absetzen, also beispielsweise für Ihre Eltern. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Artikel Heimunterbringung: Kosten von der Steuer absetzen.


AA A
Drucken