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Hartz 4 und Steuererklärung: Lohnt sich das?

Auch wenn Sie Arbeitslosengeld 2 bekommen, kann es in manchen Fällen sinnvoll sein eine Steuererklärung abzugeben. Wir erklären Ihnen, wann es sich lohnt.

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Hartz 4 und Steuererklärung: Lohnt sich das?

Wer Arbeitslosengeld 2 (II) bezieht, auch ALG 2 (II) oder Hartz 4 (IV) genannt, zahlt darauf keine Steuern. Auch unterliegt diese sogenannte Grundsicherungsleistung nicht dem Progressionsvorbehalt, wie zum Beispiel ALG 1 (1) oder Mutterschaftsgeld. Fazit: Bekommen Sie in einem Jahr nur Hartz 4, weil Sie keinen passenden Job gefunden haben, brauchen Sie auch keine Steuererklärung abzugeben.

Dennoch kann es unter bestimmten Umständen für Hartz 4-Bezieher sinnvoll sein, eine Steuererklärung zu machen.  Hier zwei Beispiele, wann sich die Abgabe einer Steuererklärung lohnen kann:

1. Nicht das ganze Jahr arbeitslos

Wenn Sie nicht das gesamte Jahr Arbeitslosengeld 2 bezogen haben, sondern nur ein paar Monate lang und ansonsten einen regulären Job hatten, haben Sie vermutlich Lohnsteuer bezahlt. Das passiert ganz automatisch und steht auf Ihrer monatlichen Gehaltsabrechnung. Diese gezahlte Steuer können Sie sich teilweise zurückholen, wenn Sie eine Steuererklärung abgeben. Denn das Finanzamt zieht von Ihren Einkünften alles ab, was Sie absetzen dürfen und nur auf den Rest müssen Sie Steuern zahlen. Das heißt: In der Regel bekommen Sie eine Steuerrückerstattung, wenn Sie nicht das ganze Jahr von Hartz 4 leben mussten, sondern auch regulär gearbeitet haben. Das trifft vor allem auf Ledige zu, die in Steuerklasse I (1) oder II (2) sind.

Unser Tipp:

Sammeln Sie alle Belege zu Ihren beruflichen Ausgaben und tragen Sie die Summe als Werbungskosten in Anlage N Ihrer Steuererklärung ein. Dazu zählen zum Beispiel Bewerbungskosten, Fortbildungskosten, Ausgaben für Schreibmaterial oder die Fahrtkosten zur Arbeit. Zudem sollten Sie in Ihrer Steuererklärung, Anlage N unter „Angaben und Gründe der Nichtbeschäftigung“ eintragen, von wann bis wann Sie Hartz 4 bezogen haben: Arbeitslosengeld II von XX.XX.-XX.XX. Das erspart Ihnen Rückfragen vom Finanzamt.

2. Verheiratet und in Steuerklasse IV

Sie sind verheiratet und haben sich mit Ihrem Ehepartner für Steuerklasse IV (4) entschieden. Hat einer von Ihnen das ganze Jahr Hartz 4 bekommen und der andere hat gearbeitet, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie eine Steuererstattung erhalten – vorausgesetzt natürlich, Sie geben eine Steuererklärung ab. Der Grund: Dem erwerbstätigen Ehepartner wurde in der Regel zu viel Lohnsteuer abgezogen.

Unser Tipp:

Normalerweise ist es sinnvoll, dass Sie und Ihr Ehepartner Ihre Steuerklassenkombination in III (3) und V (5) wechseln sobald einer von Ihnen von Arbeitslosigkeit bedroht ist und zunächst Arbeitslosengeld 1 bekommt. Das Gleiche gilt, wenn Sie direkt Hartz 4 erhalten, weil Sie keinen Anspruch auf ALG 1 haben. Wichtig ist es hier, bereits im Vorfeld tätig zu werden. Nachträgliche Änderungen der Steuerklasse sind oft ein Problem, denn die Arbeitsagentur muss dem Steuerklassenwechsel zustimmen.

Lassen Sie sich daher vorab von einem Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater beraten und klären Sie auch die Frage, ob die Abgabe einer gemeinsamen Steuererklärung in Ihrem Fall sinnvoll ist. Es gibt beispielsweise rund 3.000 VLH-Beratungsstellen bundesweit. Sicherlich finden Sie auch eine in Ihrer Nähe: Beratersuche.

Vorsicht: Erstattung wird auf Hartz 4 angerechnet

Bekommen Sie eine Steuerrückerstattung und erhalten zeitgleich Hartz 4, wird das Geld auf Ihre ALG 2-Bezüge angerechnet. Es gibt sogar ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das bestätigt, dass diese Praktik nicht verfassungswidrig ist. Dabei kommt es auf den Zeitpunkt an, zu dem die Erstattung auf Ihrem Konto angekommen ist und nicht, wann Sie den Steuerbescheid per Post erhalten. Aus diesem Grund ist das Timing hier ganz wichtig.

Unser Tipp:

Wenn möglich, sollten Sie versuchen, die Steuererstattung in einem Monat auf Ihr Konto zu bekommen, in dem Sie keine Hartz IV-Leistungen erhalten haben. Hierfür ist es wichtig zu wissen, dass es von der Abgabe der Steuererklärung bis zu Bescheid und Rückerstattung in der Regel fünf bis acht Wochen dauert.

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