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Corona und die Folgen für Arbeitnehmer

Kurzarbeit, Homeoffice, Kinderbetreuung, Kinderbonus und Quarantäne: Die Coronakrise wirft auch viele Fragen auf. Hier finden Sie Antworten.

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Coronavirus und die finanziellen Folgen für Arbeitnehmer

Das Wichtigste vorab: Wer am Coronavirus erkrankt, erhält weiter sein Gehalt. Dauert das Ganze länger, kommt das Krankengeld zum Zug. Das ist zwar niedriger, aber immerhin steuerfrei. Dennoch muss es ab einem bestimmten Betrag in der Steuererklärung eingetragen werden. Diese Regeln gelten in allen Krankheitsfällen, nicht nur bei Corona.

Corona und Quarantäne

Wenn Sie wegen Corona unter Quarantäne gestellt werden, müssen Sie zu Hause bleiben – und können somit natürlich nicht zur Arbeit. Auch wenn Sie möglicherweise gar nicht krank sind. Im Homeoffice – dazu weiter unten mehr – könnten Sie zwar arbeiten, das ist jedoch nicht jedem Arbeitnehmer möglich. In dem Fall erhalten Sie ebenfalls bis zu sechs Wochen lang Ihr Geld vom Arbeitgeber – dieser kann es sich anschließend von der jeweils zuständigen Behörde zurückholen. Das besagt das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Übrigens

Die Kosten für Hamstereinkäufe können natürlich nicht von der Steuer abgesetzt werden.

Corona und Krankengeld

Normalerweise sollte die Quarantäne bei Corona keine sechs Wochen dauern, als Faustregel gelten zwei Wochen. Wären Sie aber tatsächlich erkrankt und damit länger außer Gefecht gesetzt, würde ab der siebten Woche das Krankengeld greifen. Das ist steuerfrei, da es sich um eine sogenannte Lohnersatzleistung handelt, ähnlich wie Arbeitslosengeld I. Es muss aber in der Steuererklärung eingetragen werden und erhöht Ihren Steuersatz. Was das genau heißt, erklärt unser Artikel zum Thema Progressionsvorbehalt.

Übrigens

Die Kosten beispielsweise für Schmerztabletten, Nasenspray oder Antibiotika können Sie teilweise von der Steuer absetzen. Das gilt aber nur, wenn die Medikamente vom Arzt verschrieben worden sind. Sie fallen dann unter die Kategorie der außergewöhnlichen Belastungen.

Corona und Kurzarbeit

Wegen der Corona-Krise können betroffene Unternehmen Kurzarbeit beantragen. Arbeitnehmer müssen in dem Fall nicht aktiv werden, denn die Beantragung ist Sache des Arbeitgebers. Die Bundesregierung hat dafür Erleichterungen beschlossen und Verbesserungen auf den Weg gebracht.

Vorteile aus Sicht der Arbeitgeber:

  • Bislang mussten 30 Prozent der Beschäftigten in einem Betrieb von Arbeitsausfall betroffen sein, jetzt wird Kurzarbeit bereits bei einem Anteil von zehn Prozent anerkannt.
  • Kurzarbeitergeld kann rückwirkend zum 1. März 2020 beantragt und kurzfristig ausgezahlt werden.
  • Die Sozialversicherungsbeiträge, die auch bei Kurzarbeit zu entrichten sind, werden den Arbeitgebern in voller Höhe erstattet.

Vorteile aus Sicht der Arbeitnehmer:

  • Arbeitnehmer sind derzeit nicht verpflichtet, die ausgefallene Arbeitszeit auf einem Arbeitszeitkonto zu sammeln („negatives Arbeitszeitsaldo“), bevor Kurzarbeit ermöglicht wird.
  • Wer von Kurzarbeit betroffen ist, darf zusätzlich Geld verdienen – ohne Auswirkungen auf die Höhe des Kurzarbeitergelds. Die Regelung greift ab 1. Mai 2020 und geht bis 31. Dezember 2020. Bislang galt: Eine neue Nebenbeschäftigung während der Kurzarbeit wurde in voller Höhe auf die Lohnersatzleistung angerechnet.
  • Bisher übernahm die Agentur für Arbeit nur 60 Prozent des entgangenen Lohns, bei Arbeitnehmern mit Kind 67 Prozent. Nun wird das Kurzarbeitergeld bis Ende 2020 gestaffelt angehoben. Wer es für eine um mindestens die Hälfte reduzierte Arbeitszeit bezieht, erhält ab dem vierten Monat 70 Prozent des entgangenen Lohns, mit Kindern 77 Prozent. Ab dem 7. Monat des Bezugs steigt es dann auf 80 Prozent beziehungsweise 87 Prozent mit Kindern.

Wichtig: Wer mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld im Jahr erhalten hat, muss eine Steuererklärung abgeben. Weitere Infos finden Sie in unserem Artikel zum Thema Kurzarbeit.

Übrigens

Sie sind in der Corona-Krise nicht in Kurzarbeit geschickt worden, sondern müssen sogar mehr arbeiten? Oder sind zumindest unter erschwerten Bedingungen im Einsatz? Dann könnte es durchaus sein, dass Ihr Chef Ihnen einen finanziellen Bonus zahlt. Solche Sonderleistungen sind normalerweise steuerpflichtig – wegen der Zusatzbelastungen in der Corona-Krise wurde dafür aber eine Ausnahme geschaffen: Ausgezahlte Boni bleiben bis zu einem Betrag von 1.500 Euro steuerfrei. Mehr dazu erfahren Sie hier: Corona: Sonderzahlungen bleiben steuerfrei.

Corona und Arbeitslosengeld

Zahlreiche Menschen haben wegen der Corona-Krise ihren Job verloren. Die Covid-19-Pandemie hat den positiven Arbeitsmarkttrend der vergangenen Jahre schlagartig beendet. Obwohl viele Firmen und Unternehmen Kurzarbeit angemeldet haben, um Kündigungen zu vermeiden, ist die Arbeitslosenzahl in die Höhe geschnellt.

Nachdem man sich telefonisch oder auf einem anderen Weg arbeitslos gemeldet hat, kann der Antrag auf Arbeitslosengeld I bequem online heruntergeladen und ausgefüllt werden. Die Abgabe ist aktuell auch per E-Mail, Post oder über den E-Service der Arbeitsagentur möglich. Sie werden nach Wiedereröffnung Ihrer Agentur für Arbeit unaufgefordert zur Nachholung der persönlichen Arbeitslosmeldung unter Vorlage Ihres gültigen Ausweises (alternativ: Pass und Meldebescheinigung) eingeladen.

Übrigens:

Wegen Corona erhalten Bezieher von Arbeitslosengeld I, deren Anspruch zwischen dem 1. Mai und dem 31. Dezember 2020 enden würde, drei Monate länger ALG I. Diesem Vorschlag von Bundeskabinett und Bundestag hat der Bundesrat am 15. Mai 2020 zugestimmt. Die neuen Regelungen treten ab sofort in Kraft.

Wichtig zu wissen: Wer mehr als 410 Euro Arbeitslosengeld im Jahr erhalten hat, ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Zwar ist Arbeitslosengeld steuerfrei, aber wegen des Progressionsvorbehalts erhöht es den persönlichen Steuersatz.

Corona und Homeoffice

Viele Arbeitnehmer sind wegen der Coronakrise ins Homeoffice gewechselt. Grundsätzlich können Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer teilweise von der Steuer abgezogen werden. Dafür müssen aber verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel muss es sich bei dem Arbeitszimmer um einen separaten Raum handeln, der ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt wird. Darüber hinaus gilt: Aufwendungen können nur abgezogen werden, wenn das Arbeitszimmer den Tätigkeitsmittelpunkt bildet (voller Abzug) oder für die Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (Abzug bis 1.250 Euro).

Wegen der aktuellen Lage durch Corona dürfte es in vielen Fällen so sein, dass der Arbeitnehmer bisher einen Arbeitsplatz hatte und jetzt, wegen der Infektionsgefahr, ganz oder teilweise von zu Hause arbeiten muss oder darf. Somit dürfte die Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers nur von vorübergehender Dauer sein. Dennoch besteht die Chance, dass das Finanzamt Abzüge der Kosten in der Steuererklärung zulässt.

Folgendes sollten Sie dabei beachten:

  • Liegen die räumlichen Voraussetzungen für einen Abzug der Aufwendungen vor, ist es sinnvoll, vom Arbeitgeber eine Bescheinigung zu erhalten, in welchem Zeitraum der Arbeitsplatz nicht zur Verfügung stand und Sie deshalb von zu Hause aus arbeiten mussten. Ansonsten werden viele Finanzämter etwaige Kosten nicht anerkennen.
  • Die bloße Behauptung „Ich durfte zu Hause arbeiten“ wird in der Regel nicht ausreichen, da das „durfte“ ja ein Wahlrecht ist.
  • Ebenso wichtig ist es, dass Sie möglichst präzise aufzeichnen, wann Sie das Arbeitszimmer genutzt haben beziehungsweise nutzen mussten. Hier bietet sich eine Tabelle mit Datum, Anzahl der Stunden und genauen Uhrzeiten an.
  • Je detaillierter die Aufzeichnungen und Nachweise desto größer sind die Chancen, dass die Finanzämter die Aufwendungen zum Abzug zulassen.

Was alles unter den Begriff der abzugsfähigen Aufwendungen fällt und welche Arbeitsmittel steuerlich geltend gemacht werden können, erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema Arbeitszimmer.

Übrigens

Wir, die VLH, finden, dass die besondere Situation der Corona-Pandemie bei verstärktem Einsatz im Homeoffice auch steuerlich berücksichtigt werden muss: Bundesregierung und Finanzministerium sollten für das Steuerjahr auch die tatsächlichen Kosten für eine Arbeitsecke anerkennen sowie anteilig die Kosten für Strom, Telefon oder Miete. Unser Vorstandsvorsitzender Jörg Strötzel hat dazu am 05.04.2020 dem Spiegel ein Interview gegeben, das Sie als Spiegel-Abonnent hier lesen können: "Wir brauchen einen Homeoffice-Zuschlag"

Corona und Dienstwagen

Während der Corona-Krise sind die meisten Menschen deutlich weniger mit dem Auto unterwegs als sonst. Entweder weil sie im Homeoffice arbeiten oder ihrer Tätigkeit wegen der Covid-19-Pandemie gar nicht nachgehen können. Wer einen Dienstwagen hat, für den stellt sich folgende Frage: Wie wirkt sich die aktuelle Situation auf die Steuererklärung aus?

Leider haben Sie hier nicht viele Gestaltungsmöglichkeiten:

  • Bei der Versteuerung mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer (einfache Fahrt), die unabhängig von der Anzahl der monatlichen Fahrten gilt, ist ein Nutzungsausfall wegen Urlaubs oder Krankheit bereits pauschal berücksichtigt. Hier ändert sich wegen der Corona-Krise also nichts.
  • Die Einzelbewertung, bei der Sie nur 0,002 Prozent des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer (einfache Fahrt) versteuern müssen, kann nicht kurzfristig gewählt werden. Denn der Arbeitgeber muss für jedes Kalenderjahr festlegen, ob die 0,03-Prozent-Regelung oder die Einzelbewertung gilt. Während des Jahres ist also kein Wechsel möglich, auch nicht in Corona-Zeiten.
  • Unabhängig von Corona gilt: Hat der Arbeitgeber während des Jahres die 0,03 Prozent versteuert, kann der Arbeitnehmer den geldwerten Vorteil im Rahmen seiner Steuererklärung durch die Einzelbewertung (0,002 Prozent) korrigieren.
  • Eine Alternative zu den pauschalen Beträgen ist ein Fahrtenbuch. Denn weniger Fahrten von Ihrer Wohnung zur Arbeit führen zu einem geringeren geldwerten Vorteil und somit zu einer geringeren steuerlichen Belastung. Allerdings gilt dafür wie bei der Einzelbewertung: Ein Wechsel während des Jahres ist nicht möglich.

Fazit: Nur wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber für das Jahr 2020 bereits die Einzelbewertung oder die Fahrtenbuchmethode vereinbart hatten, kann sich die geringere Anzahl Ihrer Fahrten während der Corona-Krise auf Ihre Steuererklärung auswirken. Dazu dokumentieren Sie genau, an welchen Tagen Sie den Dienstwagen benutzt haben oder beispielsweise der Firmenwagen wegen Homeoffice in der Garage geblieben ist.

Corona und Zweitwohnsitz

Wen Sie aus beruflichen Gründen einen Zweitwohnsitz beziehungsweise einen Nebenwohnsitz haben, können Sie einen Teil der Kosten von der Steuer absetzen. Dazu muss das Finanzamt eine doppelte Haushaltsführung anerkennen. Unter anderem dürfen Sie dann Verpflegungsmehraufwand steuerlich geltend machen.

Normalerweise geht das nur für die ersten drei Monate Ihres Aufenthalts. Aber: Waren Sie mehr als vier Wochen nicht an Ihrem Zweitwohnsitz, sondern nur an Ihrem Lebensmittelpunkt, also dem Erstwohnsitz, dann beginnt die Dreimonatsfrist wieder von vorne. Das kann während der Corona-Krise sehr hilfreich sein. Die Regelung gilt natürlich nur für einen berufsbedingten Zweitwohnsitz und nicht für eine Ferienwohnung.

Corona und Kinderbetreuung

Um die Verbreitung des Coronavirus so gut wie möglich einzudämmen, blieben in der Anfangszeit der Covid-19-Krise alle Kindertagesstätten und Schulen geschlossen. Inzwischen haben einige zwar wieder geöffnet, jedoch längst nicht alle. Gut zu wissen: Wenn berufstätige Eltern ihre Kinder unter zwölf Jahren aus diesem Grund zu Hause betreuen müssen und nicht arbeiten können, erhalten sie bis zu 67 Prozent ihres monatlichen Nettolohns (maximal 2.016 Euro) vom Staat.

Diese Regelung wurde zum 30. März 2020 eingeführt. Die Lohnfortzahlung für Eltern war zunächst für einen Zeitraum von höchstens sechs Wochen möglich. Nun hat das Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf beschlossen, mit dem die Bezugsdauer auf maximal 20 Wochen verlängert wird. Pro Elternteil werden bis zu zehn Wochen Lohnersatz gewährt, für Alleinerziehende sind es die kompletten 20 Wochen. Die Regelung soll rückwirkend zum 30. März 2020 in Kraft treten. Der Bundesrat muss dem Entwurf noch zustimmen.

Ausgezahlt wird das Geld vom Arbeitgeber. Der kann es sich anschließend bei der zuständigen Landesbehörde per Erstattungsantrag zurückholen.

Darüber hinaus hat die Bundesregierung Anfang Juni 2020 beschlossen, den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende von derzeit 1.908 Euro auf 4.000 Euro für die Jahre 2020 und 2021 anzuheben. Denn Alleinerziehende seien wegen des höheren Betreuungsaufwands und der damit verbundenen Aufwendungen besonders gefordert, teilt das Bundesfamilienministerium mit. Der Entlastungsbetrag kann von allen steuerpflichtigen Einkünften abgezogen werden und verringert somit die Steuerlast. Mehr darüber erfahren Sie in unserem Artikel über Steuervorteile für Alleinerziehende.

Corona und Kinderbonus

Der einmalige „Kinderbonus“ von 300 Euro, den die Bundesregierung wegen der Corona-Krise beschlossen hat, wird ab September 2020 ausbezahlt. Kindergeldberechtigte Eltern erhalten dann zunächst 200 Euro und im Oktober 2020 weitere 100 Euro. Profitieren werden davon Eltern mit geringerem Einkommen. Denn der Kinderbonus wird nicht mit Sozialleistungen wie Hartz VI verrechnet. Zwar erhalten auch besserverdienende Eltern den Bonus von 300 Euro. Jedoch wird er bei ihnen auf den Kinderfreibetrag angerechnet. Dadurch mindert er teilweise die mögliche steuerliche Entlastung.

Konkret heißt das an einem Beispiel: Ein zusammenveranlagtes Elternpaar mit drei Kindern profitiert beispielsweise bis zu einem Einkommen von 67.816 Euro in voller Höhe vom Kinderbonus für alle drei Kinder. Oberhalb dieses Einkommens schmilzt der Kinderbonus allmählich ab. Ab einem Einkommen von 105.912 Euro wird er bei der Einkommensteuererklärung für 2020 mit den drei Kinderfreibeträgen komplett verrechnet.

Corona und Kinderzuschlag

Die Bundesregierung will mit ihrem „Corona-Schutzschild“ auch Familien mit geringem Einkommen unterstützen. Deshalb hat sie unter anderem den monatlichen Kinderzuschlag (KiZ) von bis zu 185 Euro in einen „Notfall-KiZ“ umgewandelt. Der Unterschied zum normalen KiZ: Für Anträge ab dem 1. April 2020 wird bei der Prüfung nur das Einkommen der Eltern im vorhergehenden Monat zugrunde gelegt. Bislang war der Einkommensdurchschnitt der vergangenen sechs Monate ausschlaggebend. Für Anträge im April 2020 ist also das Einkommen vom März 2020 relevant, für Anträge im Mai 2020 das vom April 2020 usw.

Familien, die bereits einen Kinderzuschlag beziehen, können ihr Einkommen erneut überprüfen lassen, um eventuell einen höheren Zuschlag zu erhalten. Und Eltern, die bereits den Höchstsatz von 185 Euro erhalten, bekommen eine automatische Verlängerung der Leistung um sechs Monate. Sie müssen keinen neuen Antrag stellen und keine neuen Nachweise vorlegen.

Für eine Familie mit zwei Kindern gilt ein Verdienst von etwa 1400 bis 2400 Euro netto als geringes Einkommen. Wie hoch der Kinderzuschlag ausfällt, hängt von der individuellen Situation ab. Die neuen Regelungen gelten vorerst bis 30. September 2020. Ob Sie die Voraussetzungen erfüllen, können Sie hier prüfen: KiZ-Lotse.

Corona und Elterngeld

Wegen der Corona-Pandemie müssen immer mehr Eltern, die für den Bezug des Elterngelds vorgesehen sind, in bestimmten Berufsgruppen länger arbeiten – und können deshalb die Voraussetzungen für das Elterngeld nicht mehr einhalten. Andere Eltern sind von Kurzarbeit oder Freistellungen betroffen und geraten während des Elterngeldbezugs in wirtschaftliche Notlagen. Und wieder andere haben Angst vor Nachteilen bei der späteren Berechnung des Elterngelds, weil sie wegen der Corona-Krise Kurzarbeitergeld erhalten oder freigestellt wurden. Für all diese Fälle wurden jetzt kurzfristig gesetzliche Anpassungen vorgenommen.

Die Anpassungen im Überblick:

  • Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, können ihre Elterngeldmonate verschieben.
  • Eltern, die den sogenannten Partnerschaftsbonus erhalten und wegen der Corona-Krise aktuell mehr oder weniger arbeiten als geplant, sollen diesen nicht verlieren. Bei dem Bonus handelt es sich um eine zusätzliche Leistung für Mütter und Väter, die gleichzeitig in Teilzeit arbeiten, um sich die Kindererziehung zu teilen.
  • Eltern und werdende Eltern, die aktuell weniger verdienen, weil sie beispielsweise in Kurzarbeit sind, sollen keinen Nachteil beim Elterngeld haben. Das heißt: Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld I wegen Corona reduzieren nicht das Elterngeld und fließen auch nicht bei der späteren Berechnung des Elterngelds für ein weiteres Kind mit ein.

Weitere Infos zum Thema Elterngeld finden Sie hier: Elterngeld und Steuer.

Corona und pflegende Angehörige

Angehörige, die pflegebedürftige Familienmitglieder zu Hause betreuen und gleichzeitig erwerbstätig sind, sollen in der Corona-Krise besser unterstützt werden. Nach Regierungsangaben betreuen derzeit etwa 2,5 Millionen Deutsche ihre pflegebedürftigen Angehörigen in den eigenen vier Wänden. Bis Ende September 2020 werde die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf vereinfacht, hat Bundesseniorenministerin Franziska Giffey angekündigt. Die Anpassungen sind Teil des Zweiten Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite.

Die Änderungen im Überblick, die alle bis 30. September 2020 gelten:

  • Pflegeunterstützungsgeld: Bisher konnten Beschäftigte für bis zu zehn Arbeitstage Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung erhalten. Bis 30. September 2020 kann das nun auf insgesamt 20 Arbeitstage ausgeweitet werden. Zudem wird der Zugang zum Pflegeunterstützungsgeld vereinfacht.
  • Kurzzeitige Arbeitsverhinderung: In einer akut auftretenden Pflegesituation konnten Beschäftigte bislang zehn Tage der Arbeit fernbleiben. Auch das wird auf bis zu 20 Arbeitstage ausgeweitet.
  • Pflegezeit und Familienpflegezeit: Wer als Beschäftigter Pflegeaufgaben übernimmt, kann mit Zustimmung des Arbeitgebers die Pflegezeit flexibler nutzen. Haben Sie den gesetzlichen Rahmen für die Auszeiten – sechs Monate Pflegezeit beziehungsweise 24 Monate Familienpflegezeit – bisher nicht ausgeschöpft, können Sie kurzfristig Restzeiten der Freistellungen in Anspruch nehmen. Dem Arbeitgeber müssen Sie das aktuell erst zehn Tage statt wie bisher acht Wochen vorher ankündigen. Und auch die Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden bei der Familienpflegezeit darf vorübergehend unterschritten werden.
  • Zinslose Darlehen: Monate mit Einkommensausfällen wegen der Covid-19-Pandemie können bei der Ermittlung der Höhe eines Darlehens nach dem Familienpflegegesetz unberücksichtigt bleiben. Und die Rückzahlung der Darlehen wird im Verwaltungsverfahren erleichtert.

Weitere Infos zu Pflegezeiten finden Sie hier: Familienpflegezeit: Das müssen Sie steuerlich beachten.

Corona und Masken

Beim Einkaufen sowie im Bus und bei Fahrten mit der Bahn herrscht Maskenpflicht. Dort reicht das Tragen einer sogenannten Alltagsmaske, die Mund und Nase bedeckt. Häufig ist dabei auch von Community-Masken die Rede. Zahlreiche Arbeitnehmer müssen aber auch im Beruf eine Maske beziehungsweise einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Bei manchen reicht da ebenfalls eine Alltagsmaske, andere brauchen professionelleren und deutlich kostspieligeren Schutz wie FFP-Masken. Stellt sich die Frage: Kann ich die Kosten für Corona-Masken von der Steuer absetzen?

Darauf gibt es noch keine abschließende Antwort. Allerdings wird das Thema in der Politik diskutiert. Der Bundestagsabgeordnete Gerald Ullrich (FDP) zum Beispiel plädiert dafür, dass die Bürger die Kosten für die Masken in ihrer Steuererklärung eintragen, also steuerlich geltend machen dürfen. Dadurch wären dann alle Steuerzahler ein wenig entlastet. Denn Unternehmen können Schutzmasken als Betriebskosten absetzen, der Bürger bleibt nach jetzigem Stand aber auf den Kosten für seine Masken sitzen. Eine weitere Möglichkeit: Arbeitnehmer, die im Beruf eine Maske tragen müssen, diese aber nicht von ihrem Arbeitgeber gestellt bekommen, können versuchen, die Aufwendungen als Werbungskosten steuerlich geltend zu machen. Ob das funktioniert, ist aber noch nicht geklärt. Und Steuerzahler, die Masken „nur“ in der Öffentlichkeit wie beim Einkaufen oder in Bussen und Bahnen tragen müssen, wäre damit auch noch nicht geholfen.

Corona und Spenden

Um in der Corona-Krise finanzielle Hilfen von Privatpersonen, Unternehmen oder Vereinen steuerlich zu fördern, hat das Bundesfinanzministerium in Abstimmung mit den obersten Finanzbehörden der Länder mehrere Verwaltungsregelungen getroffen. Diese gelten für Maßnahmen im Zeitraum von 1. März 2020 bis 31. Dezember 2020. Hier vier Beispiele:

  • Spenden: Dafür genügt ein vereinfachter Zuwendungsnachweis, und zwar ohne Beschränkung des Betrags. Das heißt: Selbst wenn Sie 5.000 Euro spenden, reicht für die Steuererklärung ein Kontoauszug, ein Lastschriftbeleg oder ein Ausdruck vom Onlinebanking. Die Spende muss jedoch auf Sonderkonten eingezahlt werden, die für diesen besonderen Zweck eingerichtet wurden.
  • Spendenaktionen: Steuerbegünstigte Körperschaften wie Sportvereine oder Musikvereine dürfen finanzielle Mittel für steuerbegünstigte Zwecke eigentlich nur verwenden, wenn sie diese Zwecke laut ihrer Satzung fördern. Wollen sie nun aber von der Corona-Krise Betroffene finanziell unterstützen, dürfen sie zu Spenden aufrufen und diese dann auch einsetzen, ohne ihre Satzung entsprechend ändern zu müssen. Sie müssen allerdings die Bedürftigkeit der unterstützten Personen oder Einrichtungen selbst prüfen und das Ganze dokumentieren.
  • Hilfsaktionen: Steuerbegünstigte Körperschaften dürfen ausnahmsweise auch vorhandene Mittel, die nicht anderweitig gebunden sind, ohne Satzungsänderung für die Unterstützung von Corona-Betroffenen einsetzen. Das gilt auch für die Überlassung von Personal und Räumlichkeiten.
  • Arbeitslohnspende: Verzichten Arbeitnehmer auf Teile ihres Lohns zugunsten einer Zahlung des Arbeitsgebers auf ein Spendenkonto oder an eine entsprechende Einrichtung, werden diese Lohnteile bei der Berechnung des steuerpflichtigen Arbeitslohns nicht berücksichtigt.

Alle Verwaltungsregelung zur Unterstützung von Privatpersonen, Unternehmen und Vereinen, die von der Corona-Krise betroffen sind, erläutert das Bundesfinanzministerium hier: Steuerliche Maßnahmen zur Förderung der Hilfe für von der Corona-Krise Betroffene.

Corona und Kosten der Rückholaktion

Wegen der Corona-Krise hatte Deutschland eine groß angelegte Rückholaktion gestartet: Rund 240.000 Menschen wurden zwischen 17. März und 24. April 2020 aus dem Ausland nach Hause geflogen. Ungefähr 67.000 davon waren Individualtouristen und Geschäftsreisende, für die das Auswärtige Amt 260 Charterflüge organisierte. Die Kosten dafür übernahm zunächst die Behörde, doch nach und nach werden die Betroffenen zur Kasse gebeten.

Seit Juli 2020 verschickt das Auswärtige Amt entsprechende Rechnungen. Diese liegen je nach zurückgelegter Entfernung zwischen 200 Euro und 1.000 Euro pro Person. Die gute Nachricht für alle Steuerzahler: Sie können diese Kosten unter bestimmten Voraussetzungen als außergewöhnliche Belastung in ihrer Steuererklärung geltend machen. Geschäftsreisende, die nach Hause geflogen wurden und eine Rechnung vom Auswärtigen Amt erhalten, können die Aufwendungen als Werbungskosten geltend machen. Falls deren Chef die Rechnung übernimmt, können sie natürlich nichts von der Steuer absetzen.

Übrigens: Die Rechnungen des Auswärtigen Amts gehen an die rund 67.000 Individualtouristen und Geschäftsreisenden. Die Pauschalurlauber hingegen wurden von den jeweiligen Reiseveranstaltern zurückgeflogen und erhalten somit auch keine Rechnung. 

Corona und Steuererklärung

Sie wollen Betreuungskosten oder Aufwendungen für ein Arbeitszimmer absetzen, haben Krankengeld, Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld erhalten und sind unsicher, wie Sie es in Ihrer Steuererklärung eintragen müssen? Unsere Beraterinnen und Berater helfen Ihnen dabei. Finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

Übrigens

Wenn Sie steuerfreie Lohnersatzleistungen von mehr als 410 Euro im Jahr erhalten, besteht die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung. Warum das so ist und was es bedeutet, erklärt unser Artikel zum Thema Progressionsvorbehalt.

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